Einwegflaschen Einweg als Teil der Lösung

Verpackungsexperte Benedikt Kauertz malt ein optimistisches Bild für die Zukunft von Einwegflaschen aus Plastik. Seine wissenschaftliche Analyse steht im Kontrast zur aufgeheizten politischen Debatte.

Freitag, 10. November 2023 - Getränke
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Einweg als Teil der Lösung
Bildquelle: Getty Images

Wie sieht ein ökologisch optimierter Verpackungsmarkt bei Getränken in Zukunft aus? Über diese Frage streiten Experten aus Industrie, Handel, NGOs und der Politik seit Jahren. Auf einer vom Gerolsteiner Brunnen organisierten Fachtagung sprach dazu auch Experte Benedikt Kauertz vom Ifeu-Institut. Sein aktueller Forschungsstand lässt das Bild von Mehrweg als alleinigem ökologi­schen Heilsbringer nicht mehr zu. Alle Gebinde hätten ihre Daseinsberechtigung und große Optimierungschancen. Bei Mehrweg beispielsweise blieben die „Klassiker“, also hohe Umlaufzahlen und geringe Transportdistanz, weiter wichtig. In einigen Jahren müssten die Hersteller aber die Etiketten und Deckel sowie die Prozesstechnik beim energieaufwendigen Waschen der Flaschen besser managen. Eine ungewöhnliche Idee ist es hier, dass mehrere Brunnen eine große Waschanlage gemeinsam nutzen könnten, um den Prozess energieeffizienter zu gestalten.

Auch über die Zukunft von Einweggebinden äußerte sich Kauertz überraschend optimistisch. Bis 2045 seien Reduktionen von bis zu 90 Prozent bei der klimarelevanten Ökobilanz einer Einweg-Plastikflasche möglich. Voraussetzungen: hohe Recycling-Anteile bei Gebinden und Transportverpackungen, aber vor allem eine gelungene Energiewende: „Je höher der Anteil von grünem Strom, desto klimafreundlicher wird die Flasche“, so Kauertz.

Aktuell können nur 44,7 Prozent des recycelten Plastiks aus Flaschen wieder für die Produktion neuer Gebinde eingesetzt werden, da auch andere Industrien an dem begehrten Rohstoff interessiert sind. „Diese Lücke muss geschlossen werden“, sagt Gerolsteiner-Chef Roel Annega. „Dann käme PET-Einweg an die Vorteile von einem Mehrwegsystem dicht heran.“ 
90 Prozent des Neumaterials könnten so im Getränkemarkt eingespart werden, insgesamt 214.000 Tonnen Kunststoff im Jahr. „Dies bedeutet, dass das lebensmittelsichere PET auch nur für Produkte eingesetzt wird, die diese hohe Qualität benötigen.“ Ein regulatorisches Eingreifen wird hier aber mit dem Hinweis auf die freie Marktwirtschaft bisher von der Politik nicht verfolgt.

Erst im Sommer dieses Jahres hatte eine Untersuchung von Kauertz zur Einwegflasche der Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke GmbH (MEG/Schwarz-Gruppe) für Aufsehen gesorgt. Demnach zeigte das 1,5-Liter-Gebinde, das bei der MEG einen kompletten Kreislauf durchläuft, geringere ökobilanzielle Beiträge als durchschnittliche Mehrweggebinde. Die Ergebnisse, die von dem Händler in einer Werbekampagne genutzt wurden, standen methodisch in der Kritik durch Mehrweg-Unterstützer.

An die Politik gerichtet bringt Kauertz die Idee ins Spiel, auf fossil basierte Primärmaterialien für Plastikflaschen eine höhere Steuer zu erheben. Den Herstellern empfahl der Fachmann, in eigene, klimaschonende Energie-Erzeugung zu investieren, Materialkreisläufe zu schließen und das Temperaturniveau bei der Wäsche zu optimieren. Auch der Handel könne einiges tun, beispielsweise die Kunden auf optimierte Verpackungen hinweisen und selbst hohe Standards für die Eigenmarken festlegen.

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