„Bauern treffen Händler – Händler treffen Bauern“ Die Suche nach Spielverderbern

Im Projekt „Bauern treffen Händler – Händler treffen Bauern“ standen diesmal zwei Fachschulklassen im Blickpunkt. Informationsaustausch sowie ein gegenseitiges Verständnis füreinander waren das Ziel eines dreitägigen Treffens zwischen Nachwuchskräften der Landwirtschaft und des LEHs.

Donnerstag, 02. Dezember 2021 - Fleisch
Jens Hertling
Artikelbild Die Suche nach Spielverderbern
Bildquelle: Jens Hertling

„Bauern treffen Händler – Händler treffen Bauern“ war das Motto, unter dem sich 32 angehende Betriebsleiter der Neuwieder Food Akademie und der Landwirtschaftlichen Unternehmerschule in Vechta im niedersächsischen Damme getroffen haben. „An der Food Akademie bilden wir Fachschüler für die erfolgreiche Selbstständigkeit als Lebensmittelkaufmann aus. Dabei spielen die Themen Regionalität und Produktqualität eine Rolle. Am Ende müssen Handel und Landwirtschaft zusammen nach Lösungen suchen, denn die Spielverderber sind ganz andere“, sagte Thorsten Fuchs, Leiter der Food Akademie zur Motivation für das Treffen. Gabriele Droste-Kühling, Schulleiterin der Justus-von-Liebig-Schule, ergänzte: „Ebenso von Bedeutung ist, dass die Fachschüler der Agrarwirtschaft die Prämissen des Handels näher und besser kennenlernen und sich im direkten Kontakt mit den zukünftigen Betriebsverantwortlichen austauschen können.“ Behandelt wurden ausschließlich betriebswirtschaftliche Fragen. „Wir haben den Anspruch, dass wenn es die Großen der Branche nicht schaffen, zumindest der Management-Nachwuchs die Wertschöpfungskette gemeinsam voranbringt“, so Schulleiter Fuchs. Bei gemeinsamen Programmpunkten stellten zunächst die Junglandwirte ihre betriebliche Situation dar. Die Nachwuchskräfte des Einzelhandels stellten ihrerseits bei einer transparenten Kalkulation vor, wie sich am Beispiel eines Schweineschnitzels der Preis zusammensetzt. „Geplant ist ein weiteres Treffen im Mai. Ich finde diesen Austausch sehr wichtig für jetzt und für die Zukunft“, sagt Lisa Klitzka, Semestersprecherin A 21 der Food Akademie in Neuwied. „Wir glauben, da haben sich mit der Food Akademie und der Unternehmerschule Agribusiness die ‚zwei Richtigen‘ getroffen“, sagt Thorsten Fuchs.
Unterstützt wurde das Treffen von zwei Lidl Regionalgesellschaften mit einem Förderbeitrag.

Hanna Bolte, Justus-von-Liebig-Schule Vechta

„Meine Erwartungen wurden im vollen Umfang erfüllt. Die Veranstaltung hat eine klare Vorbildfunktion. Ich fand die Themenauswahl sehr ausgewogen. Mir ist allerdings klar geworden, dass vor allem der Zwischenhandel undurchschaubar ist. Die Spanne zwischen Erzeuger- und dem Verkaufspreis bedarf deshalb der vertiefenden Analyse. In den Vorträgen haben wir die Kalkulation am Beispiel eines Schweineschnitzels im Einzelhandel gegenüber der Kalkulation der Schweineerzeugung behandelt. Leider ist das die Realität: Der Fleischeinkäufer kann seinen Verkaufspreis kalkulieren. Der Landwirt kann dagegen seine Kosten zwar kalkulieren, allerdings nicht seine Verkaufserlöse. Die Schüler beider Fachschulklassen haben während der drei Tage sehr gut zusammengearbeitet. Das Verständnis für beide Seiten ist vorhanden, dennoch gestaltet sich die Offenlegung zwischen Erzeuger- und Verkaufspreis als schwierig. Dem Landwirt wird nach meiner Ansicht keine nachvollziehbare Offenlegung der Kalkulation von Schweinefleisch vorgelegt. Die Schüler waren sich einig, dass hier eine Ungerechtigkeit für den Landwirt besteht. Das nächste Mal soll eine Offenlegung der Kostenkalkulation von Fleisch (Schlachthof, Zerleger, Verarbeiter, Discounter und Einzelhandel) erfolgen.“

 

Lisa Klitzka, Food Akademie Neuwied

„Die Tagesordnung war uns schon vorher bekannt. Dementsprechend haben wir einen besonders tiefen Einblick in das Leben in der Landwirtschaft erwartet und darauf habe ich mich sehr gefreut. Zur Stimmung untereinander war ich ein bisschen kritisch, da meiner Ansicht nach zwischen Landwirten und Kaufleuten schon eine gewisse Spannung herrscht. Den Einblick in die Landwirtschaft haben wir wie erwartet bekommen, aber die Stimmung war viel besser als erwartet. Wir haben angeregte Diskussionen geführt. Leider war die Zeit für die Diskussionsrunden zu kurz. Diskussionsstoff ist auf jeden Fall noch da. Im Vordergrund stand die Kalkulation beider Seiten. Wir haben unsere Karten sozusagen offengelegt und gezeigt, wie wir unsere Preise kalkulieren. Auch die Landwirtschaft hat die Kalkulation offengelegt. Jetzt kennen wir beide Seiten der Medaille. Zwischen den beiden Klassen hat alles gut geklappt, aber drei Tage waren definitiv für die Problematik nicht ausreichend. Das Verständnis hat sich nach meiner Meinung deutlich verbessert. Ich konnte für mich viel mitnehmen. Es gab Ähnlichkeiten sowie Unterschiede. Jedoch sind Dinge wie die Preisverhandlungen und die Bezahlung noch sehr unterschiedlich. Die Veranstaltung hat den Horizont definitiv erweitert. So eine Veranstaltung sollte nicht einmalig bleiben, es geht um die Zukunft von uns allen.“

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