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Abendbrot In lockerer Runde

Heidrun Mittler | 06. November 2018
Abendbrot: In lockerer Runde

Bildquelle: Getty Images

Wie wichtig ist den Verbrauchern das gemeinsame Abendessen? Eine neue Rheingold-Studie schildert diese Mahlzeit als verbindendes Element in Gruppen, wichtig für einen harmonischen Tagesabschluss.

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Das Abendessen in gemeinsamer Runde – sei es die Familie oder der Freundeskreis – ist für viele Konsumenten die wichtigste Mahlzeit des Tages. Das Marktforschungsinstitut Rheingold, das gerade eine Studie zum Thema Abendbrot erarbeitet hat, spricht in diesem Zusammenhang auch von einem „hidden champion“, also einem heimlichen Sieger. Denn wann sonst schafft es eine Gruppe von vertrauten Menschen, sich zusammen an einen Tisch zu setzen? Beim Frühstück herrscht meist Zeitdruck, das Mittagessen findet bei berufstätigen Menschen an verschiedenen Orten statt. Aber am Abend, wenn das Tageswerk erledigt ist, dann hat der moderne Mensch (hoffentlich!) Muße fürs Essen und den Austausch mit der Familie oder Freunden.

Wie Rheingold herausgefunden hat, steht Abendbrot vor allem für: Ruhe, Entspannung, einen gelungenen Tagesabschluss, Harmonie und gemeinschaftlichen Austausch. Dabei sei es ein Punkt im Alltag, an dem eine „gemeinschaftsfeindliche“ mediale Nutzung weitgehend ausgeklammert wird. Das Smartphone jedenfalls bleibt bei den meisten aus: Nur fünf Prozent der Frauen und sieben Prozent der befragten Männer geben an, dass sie beim Abendessen auf ihr mobiles Telefon schauen. Allerdings geben auch 22 Prozent an, dass sie ihr Abendessen einnehmen, während sie vor dem Fernseher sitzen.

Rheingold hat erfragt, was die Verbraucher in Deutschland abends am häufigsten essen. Produkte, die für das Abendbrot zentral sind: Brot, Käse und Wurst. Salat, frisches Gemüse und warme Speisen sind eher Ergänzungen, aber keine Standards.

Bei dieser Mahlzeit herrscht offensichtlich Demokratie am Tisch. Wie die Studie heraus arbeitet, gibt es zwar Regeln (etwa Handynutzung), aber alle Essensteilnehmer gestalten die Runde mit. Das bedeutet, das keiner für alle kocht oder bestimmt, was gegessen wird.

Demokratie am tisch
Anders als beim sonntäglichen Mittagessen stellt beim Abendbrot in vielen Fällen jeder auf den Tisch, was ihm oder oder ihr beliebt: Salate, Gemüse oder eingelegte Gürkchen, um nur einige Beispiele zu nennen. Dieses zwanglose Auftischen führt zu einer breiten Vielfalt beim Abendbrot, wobei teilweise auch die Reste vorhergehender Mahlzeiten Verwertung finden (beispielsweise der Salat vom Mittag).

Zur Studie

Bei der Studie handelt es sich um eine empirische Untersuchung, die von dem Marktforschungsinstitut Rheingold Salon mit Sitz in Köln durchgeführt wurde. Auftraggeber ist das Unternehmen Wiltmann aus Versmold. Das Familienunternehmen produziert Wurst- und Schinkenspezialitäten. Für die Studie wurden 1.000 Personen befragt, sie repräsentiert die Bevölkerung in Deutschland. Zeitraum der Interviews: Herbst 2017 bis Frühjahr 2018.

Nicht verwunderlich: Wurst ist ein zentraler Bestandteil der abendlichen Runde: 80 Prozent der Probanden gaben an, dass sie regelmäßig Wurst auf den Tisch stellen (siehe dazu auch Grafik unten). Damit liegt das Produkt auf Platz drei, davor stehen nur Brot und Käse. Wurst-Verweigerer sind laut der Studie lediglich fünf Prozent der Befragten.

Auf die Frage, wie das Abendbrot wäre, wenn es einmal keine Wurst gäbe, antworten 32 Prozent der Befragten: „nicht komplett“. Für 26 Prozent wäre es dann „kein richtiges Abendbrot“, 25 Prozent fänden es „langweilig und fad“.

Heimatverbunden
Die Wurst nimmt laut Studie eine Rolle als heimatverbundenes Produkt mit kräftigendem, unkomplizierten und gemeinschaftsförderndem Charakter ein („mag jeder“).  Insbesondere Regionalität ist ein Aspekt, der bei der Wurst zur Heimatverbundenheit beitragen kann.

Interessant ist ein Blick in die Zukunft: Rheingold wollte wissen, ob das Abendbrot in naher Zukunft für die Befragten wichtiger wird, die Bedeutung gleich bleibt oder verliert. Rund zwei Drittel der Probanden gehen davon aus, dass die Bedeutung steigt. Warum das so ist? Viele wünschen sich einen „schönen Tagesabschluss“, erfreuen sich an „einer guten Gemeinschaft“, möchten sich „gesünder ernähren“ oder beabsichtigen, „eine Familie zu gründen“. Einig sind sich die Befragten in folgendem Punkt: Alleine Abendessen ist doof. Oder, wie es die Studie ausdrückt: „Alleine Abendbrot-Essen läuft dem Ideal des Abendbrots eher entgegen und wird als wenig befriedigend erlebt.“

Foto: Kein Diktat beim Abendbrot: Jeder stellt auf den Tisch, was er gern essen möchte.