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Interview mit Ingmar Ingold Wir sind keine Trumpschen Dealmaker

Dieter Druck | 27. September 2018
Interview mit Ingmar Ingold: Wir sind keine Trumpschen Dealmaker

Bildquelle: Carsten Hoppen

Familienunternehmen haben mehr zu bieten als nur Tradition. Die vermeintlich „Kleinen“ stehen vor den gleichen großen Herausforderungen wie Global Player und bewältigen sie auf ihre Art. Wie, das erklärt Ingmar Ingold von Wiltmann.

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Herr Ingold, Sie stehen für die fünfte Generation bei Wiltmann und sind seit 2017 in der Geschäftsführung des nach wie vor familiengeführten Unternehmens. Welche Erinnerungen in Ihrer Kindheit verbinden Sie mit dem Unternehmen?
Ingmar Ingold: Das Unternehmen war schon immer Bestandteil des Familienlebens. In meiner Kindheit erinnere ich mich an Gespräche am Mittagstisch oder dass ich meinen Vater im Büro besucht habe. Da gab es viel zu entdecken. Ich durfte auf der Schreibmaschine im Sekretariat tippen oder nahm auf dem Bürostuhl meines Vaters Platz, wenn er mal nicht da war. Also es ergaben sich bereits frühzeitig zahlreiche Bezugspunkte.

Wann wurden die intensiver, vor allem wie waren die ersten beruflichen Schritte?
Ich habe eine kaufmännische Ausbildung im Betrieb abgeschlossen und dabei die unterschiedlichen Abteilungen kennengelernt. Im Anschluss habe ich ein Studium in den Fächern BWL, Soziologie und Politikwissenschaften in Freiburg absolviert und anschließend in Basel promoviert. Ich hatte, wenn Sie so wollen, also eine mehrjährige Übergangsphase bis zum Eintritt in die Geschäftsführung.

Hatten Sie auch die Chance auszuscheren?
Ja, die hätte ich gehabt, und es wäre aus meiner Sicht falsch gewesen, das nur aus einem Pflichtgefühl heraus zu machen. Aber ich habe mich bewusst für das Unternehmen entschieden. Mich reizt die Gestaltung von dessen Zukunft.

Was zeichnet das Familienunternehmen Wiltmann aus?
Das kann ich an mehreren Punkten festmachen. Da ist zum einen die Verlässlichkeit, die auch unsere Handelspartner schätzen, und die Bodenständigkeit.

Das heißt?
Wir sind wirklich geerdet. Überheblichkeit und Selbstzufriedenheit sollen bei uns nicht aufkommen. Dazu kommt die kontrollierte und gesunde Unternehmensentwicklung. Wir definieren uns nicht über Größe, exorbitante Wachstumsraten und schnelle Erfolge, sondern über ein gesundes, nachhaltiges Wachstum. Das steht eng im Zusammenhang mit dem Qualitätsstreben. Beispielsweise legen wir Wert auf die eigene Feinzerlegung und die traditionelle Ausreifung unserer Produkte, die den Geschmack maßgeblich prägt.

Wird das denn nach außen kundgetan?
Ja, mit unserer Gläsernen Produktion, auf die auf jeder einzelnen Produktverpackung hingewiesen wird, dokumentieren wir die Transparenz. Von unserem Qualitätsanspruch und der akribischen Arbeit kann sich jeder Verbraucher vor Ort überzeugen. Weitere Punkte sind ein langer Atem, wenn wir von etwas überzeugt sind, und unsere Förderung der einzigartigen deutschen Wurstkultur.

Tradition, wie wichtig ist die für Sie, und wie steht es um deren Vermarktungspotenzial?
Tradition ist für uns als Familienunternehmer wichtig. Wir kommen aus der bäuerlichen Tradition, leben seit mehr als 700 Jahren auf dieser Scholle. Dementsprechend liegen unsere Wurzeln in der Eigenvermarktung unserer bäuerlichen Erzeugnisse. Das hilft uns bei der eigenen, auch zukünftigen Verortung. Aber für die Vermarktung unserer Produkte haben wir andere Schwerpunkte. Kernpunkte hier sind Transparenz, Sicherheit und Vertrauen sowie die Kultivierung von Wurst und Genuss. Die Wurst soll weiterhin im Mittelpunkt der deutschen Esskultur stehen.