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Wild Wildabsatz in Gefahr

Michaela Hennecke | 27. April 2018
Wild: Wildabsatz in Gefahr

Bildquelle: Michaela Henneke, Christina Steinhausen, Getty Images

Wildfleisch wurde seit Jahren immer beliebter. Doch jetzt droht diese Entwicklung durch eine Seuche einzubrechen. Die für den Menschen völlig ungefährliche Afrikanische Schweinepest ist auf dem Vormarsch. Stoppen konnte sie bis jetzt niemand. Wie reagiert der Handel auf diese Entwicklung? Wir haben uns umgehört.

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Die Afrikanische Schweinepest (ASP) wird nach Deutschland kommen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Der Wildschweinbestand in Deutschland solle daher gesenkt werden, da die hohe Wildschweindichte in Deutschland dem Schweinepest-Virus eine ideale Möglichkeit zur Etablierung und Ausbreitung bieten würde, so das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI).

Um den Wildschwein-Bestand zu senken, bieten einige Bundesländer als Anreiz Abschussprämien. Andere zahlen die Trichinenuntersuchung (Untersuchung auf bestimmte Fadenwürmer, die Trichinen), die die Jäger normalerweise aus eigener Tasche begleichen. Im Februar wurde zudem eine Verordnung geändert, in der die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben wurde.

Diese Maßnahmen führen dazu, dass der Preis für Fleisch von Wildschweinen ins Bodenlose sinkt. Jäger stehen vor der Herausforderung, das Fleisch auch in Zeiten abzusetzen, in denen sie für ein Kilogramm Fleisch mit Schwarte und Knochen nur noch 20 bis 50 Cent statt zwei bis vier Euro erhalten. „Für die Tonne dürfen wir kein Tier erlegen“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Henning Voigt, gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Doch was passiert mit den geschossenen Tieren? Lösungen müssen her.

Bezugsquellen für Wild
1. Über den Jäger: Jäger verkaufen das Wild zum Teil direkt an Händler oder Privatpersonen. Viele Händler inserieren ihr geschossenes Wild auf www.wild-auf-wild.de 2. Über die Forstämter: Jäger schießen eine vorher für sie definierte Menge an Wildtieren. Das Fleisch kann vom Jäger selbst über einen vorher festgelegten Preis gekauft werden, oder es verbleibt in der Wildkammer des Forstamtes (Wild bleibt Eigentum des Forstamtes). Händler können das Fleisch hier erwerben. 3. Über Wildhändler: Der Wildhändler bezieht sein Wild über die Forstämter oder von Jägern direkt. Er verkauft es an Partner, die es dann zerwirken und an den Handel oder Privatpersonen abgeben, oder er zerwirkt es selbst. Händler und Privatpersonen können Fleisch dann bei ihm beziehen. aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, setzt auf Aufklärung. Gemeinsam mit Winzern bietet er Themenabende zum Thema Wild an, in denen er auch über die ASP aufklärt.

Schäfer schießt das Wild für seinen Markt zum Teil selbst. Er verkauft ausschließlich regionales Wild, das vom Hochsitz (Ansitz) aus geschossen wurde. Wildschwein bietet er ganzjährig an. Während der Saison liegt es als Frischware in der Theke, zum Teil wird es eingefroren. Nach Bedarf wird es dann zum Beispiel zu Rohessern, Salami und Jagdwurst verarbeitet oder in Konserven eingedost.

Bei seinen Kunden stellt Schäfer eine große Verunsicherung fest. Viele wissen nicht, dass der Erreger der Schweinepest für den Menschen völlig ungefährlich ist und ausschließlich Schweine befällt. „Zurzeit ist die Afrikanische Schweinepest bei uns noch nicht angekommen. Sollte dies aber der Fall sein und dies durch die Presse gehen, wird es zu einem Einbruch der Nachfrage kommen“, ist er sich sicher. Bei Schäfers wird es dann erst einmal kein Wildschweinfleisch oder -produkte mehr zu kaufen geben. Die Verwendung anderer Wildsorten soll dann vorerst präferiert werden.

Rewe-Kaufmann Helmut Nepomuck wartet erst einmal das nächste halbe Jahr ab. Er verkauft Wild ausschließlich im Herbst und Winter – zwischen Mitte Oktober und Ende Januar. „Mit jedem Skandal gibt es einen Einbruch, das haben wir jetzt schon häufiger gesehen.“ Wie sich dieser auswirkt, darauf will sich der Rewe-Kaufmann nicht festlegen. „Sollten die Hausschweine betroffen sein, wird es sehr wahrscheinlich zu einem Einbruch auf dem Schweinemarkt kommen.“ Aber gerade bei Wild seien die Kunden interessiert. Sie wollten wissen, wo es herkommt. „Für viele ist die Regionalität ein entscheidender Grund für den Kauf“, sagt Helmut Nepomuck. Er bezieht sein Wild ausschließlich aus Deutschland, wenn möglich vom Jäger. Bei einem Naturprodukt wie Wildschwein sei dies aber nicht immer zu gewährleisten.