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Ferkelkastration Große Schweinerei!

Heidrun Mittler | 11. März 2011
Ferkelkastration: Große Schweinerei!

Bildquelle: iStockphoto

Arme Ferkel: Kaum auf der Welt, werden sie kastriert, meist ohne Betäubung. Das verhindert, dass sie zu Stinkern werden, deren Fleisch man nicht vermarkten kann.

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Ferkel-Kastration – ein unbequemes Thema. Im Handel ist vielen die Problematik überhaupt nicht bewusst, obwohl die Dimension gewaltig ist: Weit über 20 Mio. Ferkeln werden jährlich in Deutschland die Hoden abgeschnitten.

  • Stinker: Eberfleisch (das Fleisch von geschlechtsreifen, männlichen Schweinen) kann extrem stinken und ist damit nicht essbar. Dieser - für viele Menschen – unerträgliche Geruch ist hormonell bedingt. Die üblen Geruchsstoffe sind Androstenon und Skatol.
  • Kastration: Seit jeher werden männliche Schweine kastriert, das unterbindet die Produktion der betreffenden Hormone, die Tiere werden nicht zu „Stinkern". Laut Gesetz dürfen Ferkel in den ersten sieben Tagen ihres kurzen Lebens kastriert werden. Das geschah bislang und geschieht auch heute noch meist ohne Betäubung – eine schmerzhafte Prozedur.
  • Tierschutz: Zahlreiche Tierschutz-Verbände fordern, dass die Schweinehalter auf die Kastration der Jungtiere verzichten. Die Branche hat schon vor einigen Jahren eingelenkt und sucht nach Auswegen. Die QS Qualität und Sicherheit GmbH koordiniert in Deutschland die Forschung und treibt die Projekte voran.
  • Alternative: Eine Möglichkeit ist die Jung-ebermast, das heißt, die Schweine werden in der 26. Woche geschlachtet, also bevor sie geschlechtsreif werden. Außerdem beeinflussen Fütterung, Hygiene und die Haltung der Tiere die Hormonproduktion. Die Unternehmensgruppe Tönniesfleisch erprobt diese Alternative erfolgreich, kann aber die „Stinker" noch nicht völlig verhindern.
  • Erkennen: Diese stinkenden Schlachttiere sollen nicht als Fleisch in den Handel gelangen und können auch nur mit großen Einschränkungen verarbeitet werden. Wie man sie im Schlachtbetrieb erkennt? Entweder mittels der menschlichen Nase, die aber nach kurzer Zeit ermüdet. Oder mit einer „elektronischen Nase", die in der praktischen Anwendung aber noch verbessert werden muss.
  • Zwischenlösung: Einige Zuchtbetriebe betäuben die Ferkel während der Kastration oder verabreichen ihnen Schmerzmittel nach dem Eingriff. Seit April 2009 ist der Anwendung solcher Schmerzmittel z. B. Voraussetzung für die Zertifizierung von QS-Fleisch.