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Drogerieartikel Verpackungsrecycling

Elena Kuss | 25. September 2020
Drogerieartikel: Verpackungsrecycling
Bildquelle: Getty Images

Knapp 70 Prozent der Deutschen will sich laut GfK-Studie nachhaltig verhalten – und das, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Viele Hersteller setzen vermehrt recycelte Verpackungsmaterialen und natürliche Inhaltsstoffe ein. Ein gutes Beispiel ist Flüssigwaschmittel.

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Henkel stellt das Flüssigwaschmittel von Perwoll auf Flaschen um, die zu 25 Prozent aus recyceltem Polyethylen (rPE) bestehen, also recyceltem Plastik aus Endverbraucher-Haushalten. Die Henkel-Marke Persil Green Power baut diesen Ansatz weiter aus. Die Flasche besteht zu 50 Prozent aus recyceltem Material. Hersteller wie Ecover und Seventh Generation von Unilever vertreiben ihr Flüssigwaschmittel bereits in Flaschen, die zu 100 Prozent aus recyceltem Kunststoff bestehen. Warum die vollständige Umstellung nicht so einfach ist, erklärt Henkel: „Die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigem, recycelten PE-Material aus Plastik-Abfällen aus Endverbraucher-Haushalten ist immer noch – im Gegensatz zur PET – stark begrenzt.“ Auch Ästhetik, Leistung und Duft dürfen bei den traditionellen Marken nicht beeinflusst werden. Der prozentuale Rezyklat-Einsatz pro Produkt ergibt sich für Henkel also aus den vorhandenen Verfügbarkeiten und Qualitäten je Lieferquelle.

Kunststoffrecycling ist immer noch ein Nischengeschäft
Um Flüssigwaschmittel nur noch in Flaschen aus recyceltem Material verkaufen zu können, muss die Verfügbarkeit von hochwertigen Rezyklaten kontinuierlich gesteigert werden. Eine komplexe Aufgabe, die durch den Anstieg des Plastikverbrauchs während der Corona-Pandemie zusätzlich erschwert wird. Der extrem niedrige Ölpreis macht Kunststoff, dessen Preis sich schon seit Jahren auf Talfahrt befindet, noch billiger – die Kosten für die Herstellung von Rezyklaten aber hängen von anderen Faktoren ab. Laut Grünem Punkt ist es bisher nicht gelungen, die Produktion auszuweiten und damit über Skaleneffekte billiger zu machen.

Auch Procter & Gamble treibt sein Engagement für mehr Recycling und nachhaltigeren Konsum voran: In der Flüssigwaschmittelflasche von Ariel soll verstärkt Kunststoffrecyclat eingesetzt werden. Für eine bessere Sortierung in der Mülltrennungsanlage wird der Einsatz von digitalen Wasserzeichen auf breiter Basis in Europa bei den Marken Lenor Wäscheparfums, Unstoppables und Fairy voraussichtlich ab Oktober 2020 getestet.

Frosch setzt auf Standbodenbeutel
Die Markte Frosch geht, wie so oft, einen anderen Weg und setzt seit April auf einen neuen Standbodenbeutel. Der gesamte Beutel inklusive Ausgießer und Kappe bestehen aus ein und demselben Material (Polyethylen). Es wurde auf Klebstoffe und sonstige Barrierematerialien verzichtet, die das Recycling erschweren. Stattdessen wird der Beutel verschweißt. Die dünne, bedruckte Folie, auf der alle Produktinformationen zu finden sind, ist von Hand durch den Verbraucher oder später in der Sortieranlage abtrennbar. Dadurch ist die Recyclingfähigkeit des Beutels zu 100 Prozent gewährleistet. Der Beutel besteht jedoch nicht aus recyceltem Material. Das soll erst 2021 passieren. Das Unternehmen erklärt: „Da Standbodenbeutel noch nie aus Altplastik hergestellt wurden, sind dafür ausgiebige Tests notwendig. Wir hoffen, hierbei Mitstreiter zu finden, ähnlich wie bei unseren PE-Flaschen aus 100 Prozent rPE aus dem gelben Sack beziehungsweise Tonne. Denn die aktuell noch brachliegende Rohstoffquelle muss endlich vollumfänglich genutzt werden, um den Wertstoffkreislauf zu schließen.“

Natürliche Inhaltsstoffe werden wichtiger
Auch bei den Inhaltsstoffen bessern die Hersteller nach. Persil Green Power besteht zu 85 Prozent aus natürlichen Inhaltsstoffen. Für Spee Aktiv Gel Nature lobt Henkel 77 Prozent pflanzenbasierte Inhaltsstoffe aus. Dazu zählen beispielsweise die waschaktiven Substanzen, die Tenside. Henkel erklärt den unterschiedlichen Anteil: „Um dem Premium-Ansatz unserer Marke Persil gerecht zu werden, war uns eine höhere Zahl bei Persil Green Power im Vergleich zu Spee Aktiv Gel Nature wichtig.“ Stoffe, die keinen natürlichen Ursprung haben, sind beispielsweise Konservierungsmittel, Farbstoffe und Wasserenthärter.

Für Henkel steht das Waschergebnis im Fordergrund
Viele Inhaltsstoffe von Wasch- und Reinigungsmitteln sind anorganisch und können daher nicht durch Inhaltsstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe ersetzt werden. Eine wichtige Ausnahme bilden Tenside. Sie bestehen aus einem lipophilen – „fettfreundlichen“ – Teil, der aus pflanzlichen oder erdölbasierten Ölen gewonnen wird und einem hydrophilen – „wasserfreundlichen“ – Teil, der in der Regel erdölbasiert oder anorganisch ist. Um optimale Waschleistungen erzielen zu können, setzt Henkel nach eigenen Angaben eine Mischung verschiedener Tenside ein. Dabei sollen die lipophilen Anteile überwiegend auf nachwachsenden Rohstoffen basieren.

„Das Beispiel Tenside macht deutlich, dass ein Zusammenspiel unterschiedlicher Rohstoffbasen hilfreich für die Leistung ist. Um 100 Prozent Persil-Leistung anzubieten, setzen wir daher keine Rezeptur ein, die zu 100 Prozent aus Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs besteht“, erklärt Henkel. Werner & Merz will sich zum Thema natürliche Inhaltsstoffe nicht genauer äußern: „Wir setzen bei Frosch, wo möglich, naturbasierte Wirkstoffe ein.“