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Nachhaltigkeit Produkt für Produkt nachhaltiger werden

Susanne Klopsch | 25. Oktober 2013

Schwankende Rohstoffpreise, unkalkulierbare Ernten und Nachhaltigkeit: Beim Round table bei Kuchenmeister stand Grundsätzliches auf dem Programm. Einig war sich die Runde, dass Hersteller und Handel an Standards und Zertifizierungen gemeinsam arbeiten müssen.

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Rohstoffbeschaffung vor dem Hintergrund von Preisschwankungen, Rohstoffqualität und Nachhaltigkeit: Sie ist nicht nur für den Hersteller eine Herausforderung. Auch der Handel sieht sich in der Pflicht, diese Aufgabenstellung mit den gestiegenen Ansprüchen der Kunden an Produkte und Prozesse in Einklang zu bringen. Was diese Herausforderungen in der täglichen Arbeit bedeuten, darüber diskutierten bei Großbäcker Kuchenmeister: Uwe Trockels (Kuchenmeister, Geschäftsleitung und zuständig für Produktentwicklung und Rohstoffeinkauf), Dr. Johannes Simons (Universität Bonn, Lehrstuhl für Marktforschung der Agrar- und Ernährungswirtschaft), Daniel May (Froum Nachhaltiges Palmöl, Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, GIZ), Dr. Ludger Breloh (Bereichsleiter Grüne Produkte der Rewe Group) sowie Sven Komp (Edeka-Kaufmann mit drei Märkten in Wesel und Hamminkeln). Es moderierte Reiner Mihr, Chefredakteur Lebensmittel Praxis.

Landwirtschaftliche Rohstoffe unterliegen Preisschwankungen, die in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden sind. Mit Risiken für Planungssicherheit und Rentabilität der Unternehmen, die auf die Rohstoffe angewiesen sind. Gegen diese Preisschwankungen können sich Unternehmen bei einigen wichtigen Rohstoffen wie Weizen oder Zucker an Warenterminbörsen absichern. Bei Spezialprodukten wie etwa Rosinen ist dies über Lieferverträge möglich, in denen dann auch eine bestimmte Qualität definiert werden kann. Problematisch wird es jedoch, wenn diese Lieferverträge nicht eingehalten werden, weil Regressansprüche vor allem in Staaten außerhalb der EU nur schwer oder gar nicht durchzusetzen sind. Beim Abschluss der Verträge steht auch noch nicht fest, welche Menge genau benötigt wird. Durch einen unvorhersehbaren Saisonablauf etwa im Weihnachtsgeschäft, kann es sein, dass zusätzliche Rohstoffmengen, die nicht kalkuliert waren, auch nicht gedeckt sind. Probleme ergeben sich zudem, wenn zu viel Ware für einen zu hohen Preis abgesichert oder eingekauft wurde und dann nachher mit Verlusten verkauft werden muss.

Für den Direkteinkauf mit Erzeugern entschied sich Kuchenmeister. Denn in Soest steht, wie Uwe Trockels verdeutlichte, nicht nur der Preis im Fokus: Um den für den Stollen essenziellen Rohstoff in der gewünschten hohen Qualität zu bekommen, gibt es strenge vertraglich festgelegte Einkaufsvorgaben für die Zulieferer in der Türkei. Diese umfassen umfassen Größe, Farbe, Reinigungsgrade und Herkunftsvorgaben.

Im Jahr verarbeitet das Unternehmen insgesamt rund 3.500 t türkische Rosinen. Die langfristigen Kontrakte sieht Kuchenmeister als Investition in die Warensicherheit („Wir gehen kein Warenrisiko ein.“). Gleichzeitig dienen diese stabilen Geschäftsbeziehungen auch einer nachhaltigeren Produktion. Doch Rohstoffmengen sind nur begrenzt planbar – das musste Kuchenmeister in diesem Herbst erfahren: Infolge der schlechten Rosinenernte in der Türkei erfüllen manche Zulieferer ihre Kontrakte nicht. Die Soester müssen nun gezwungenermaßen auf dem Weltmarkt zu weitaus höheren Preisen als kalkuliert einkaufen.

Dr. Ludger Breloh (Rewe) brachte einen anderen Aspekt bei der Verantwortung der Unternehmen für nachhaltige Rohstoffbeschaffung ins Spiel: „Soziale Fragen werden uns immer stärker beschäftigen.“ Er sah Hersteller und Handel gleichermaßen in der Pflicht, sich mit sozialen Hintergründen bei der Rohstoff-Produktion auseinanderzusetzen und diese im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in der gesamten Wertschöpfungskette zu betrachten.

Dr. Simons wies auf die Kehrseite dieser Anforderungen der Hersteller hin: „Kleinbauern sind oft nicht in der Lage, diese zu erfüllen und haben so keinen Zugang zu attraktiven Märkten.“ Lediglich große Kooperationen könnten mithalten. Das rief Daniel May auf den Plan: „Genau an diesem Punkt beginnt unsere Arbeit. Denn auch vor Ort muss bei den Bauern erst das Bewusstsein für soziale Veränderungen wie der Zugang zu menschenwürdigen Lebensbedingungen, Schulbildung etc. geschaffen werden. Das ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem sie Unterstützung benötigen.“ Diese Arbeit der Entwicklungshilfe trage dazu bei, Wettbewerbsnachteile der Kleinbauern abzubauen. Er war sich sicher: Wenn die Verbraucher über die Anstrengungen der Hersteller auch bei sozialen Faktoren informiert werden, werden sie dies honorieren.

Für Edekaner Sven Komp sieht die Realität derzeit noch anders aus: „Die Kunden fragen ehrlich gesagt nicht häufig nach nachhaltigen Produkten. Diejenigen allerdings, die sich für die Thematik interessieren, die wissen sehr genau, was sie kaufen wollen.“ Das Gros der Kundenfragen drehe sich um laktose- oder glutenfreie Produkte bzw. um Lebensmittel ohne Geschmacksverstärker. Kunden schauten zudem stark auf „ihre“ Marken. „Und sie vertrauen wie ich generell darauf, dass die Unternehmen ’saubere’ Ware anbieten.“

Fotos: Klopsch, Langen