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Stellt sich die Frage, wie die Branche tatsächlich gegen Risiken und Krisen aufgestellt ist. Laut Einschätzung von Peter Feller verfügen die großen, international agierenden und börsennotierten Unternehmen der Ernährungsindustrie aufgrund ihrer Infrastruktur (Stabsabteilungen für PR, Qualitätsmanagement, Rechtsabteilung etc.) über ein „sehr gutes Risiko- und Krisenmanagement“. Der überwiegende Teil der kleinen und mittelständischen Unternehmen, die rund 92 Prozent des Marktes ausmachten, sei sensibilisiert und habe Vorkehrungen getroffen, um in kritischen Situationen, in denen z. B. Zweifel an der Verkehrsfähigkeit von Produkten auftreten, angemessen reagieren zu können. „Jedoch dürfte in zahlreichen Unternehmen Nachhol- bzw. Optimierungsbedarf bestehen.“
Diese Einschätzung wird untermauert von der ersten repräsentativen Studie zum Stand des Risikomanagements im deutschen Mittelstand von Funk RMCE, Rödl & Partner und Weissman & Cie. Demnach will die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen der Ernährungswirtschaft – 87 Prozent – künftig stärker in Ausbau und Optimierung von Risikomanagement-Systemen investieren.
Treiber der Entwicklung seien bei rund 61 Prozent der befragten Unternehmen Anstöße von außen, wie das neue deutsche Bilanzrecht, gestiegene Anforderungen seitens der Kreditgeber, Investoren und Gesellschafter, aber auch Ziele der Inhaber und Geschäftsführer, Haftungsrisiken zu vermeiden.
Robert von Bennigsen, Geschäftsführender Gesellschafter BDJ Versicherungsmakler, weiß, gut vorbereitet sind heute in der Regel die Unternehmen, bei denen schon etwas passiert ist. „Im Vergleich zu Global Playern sind Mittelständler angreifbarer, weil erstere hier weitaus besser aufgestellt sind, Risikomanager beschäftigen und zudem über ganz andere Rücklagen verfügen, um eine Krise abfangen zu können.“
Nach den Erfahrungen von Knebelsberger sieht der Mittelstand Risiko- und Krisenmanagement jedoch zu sehr als Kostenfaktor sowie „Ressourcen-Vernichter“ und nicht als Chance bzw. „Geschäftsbefähiger“.
Dass die Implementierung eines Risiko- und Krisenmanagements zunächst auf der Kostenseite zu Buche schlägt, ist keine Frage. Laut Frank Roselieb, Geschäftsführender Direktor und wissenschaftlicher Leiter Krisennavigator – Institut für Krisenforschung / Unternehmensberatung, liegen die Kosten einmalig zwischen rund 20.000 und 30.000 Euro. Dazu kämen 3.000 bis 5.000 Euro pro Jahr für Audits und Training etc. Konfitüre-Spezialist Zentis beispielsweise investierte vor einigen Jahren rund 1.200 Euro in eine Softwarelösung, hinzu kamen rund 20 interne Manntage und 10 externe Manntage, berichtet Michael Köstler, Leitung Finanzwirtschaft / Risikomanagement bei Zentis.
