E-Zigaretten Politisches Tauziehen

Vor einem Jahr boomten E-Zigaretten. Dann kam ein Einbruch: Die politischen Rangeleien haben die Verbraucher verunsichert.

Donnerstag, 13. Dezember 2012 - Sortimente
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Politisches Tauziehen
Dampf statt Rauch: Die Flüssigkeit in der E-Zigarette wird an einer Heizspirale vernebelt. (Bildquelle: Belz)
Bildquelle: Belz

Der Streit um die E-Zigarette tobt in verschiedenen Bundesländern, nirgends jedoch so intensiv wie in Nordrhein-Westfalen, wo dieser Tage über die Eckpunkte eines neuen Nichtraucherschutzgesetzes debattiert wird. Größter Gegner der „Dampfer“, E-Zigaretten-Hersteller und -Fachhändler ist derzeit wohl die NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens. Sie warnt öffentlich vor möglichen gesundheitlichen Gefahren des „Dampfens“, da bisher kaum etwas über die langfristige Wirkung der Inhaltsstoffe der verwendeten Flüssigkeiten, den so genannten Liquids, bekannt sei. „Die Kampagne hatte eine Verunsicherung des Marktes zur Folge. Mit Drohungen wurde versucht, den Handel einzuschüchtern und Verbraucher zu ängstigen. Das Ergebnis war ein Einbruch des bis dahin florierenden Marktes in NRW um 40 Prozent“, sagt Philip Drögemüller, Sprecher des Verbands des eZigarettenhandels, dem rund 100 Shops, Internethändler, Tabakgeschäfte sowie Großhändler und Hersteller angehören.

„Diese Diskussion hat uns sehr geschadet“, sagt auch Torsten Knaudt, Geschäftsführer von K & W Trade International, einem Anbieter von E-Zigaretten und Liquids. K & W betreibt unter dem Markennamen iQuid einen Shop in Koblenz. „Man muss offen mit dem Thema umgehen und den interessierten Kunden erklären, dass bei den meisten Liquids auch Nikotin aufgenommen wird. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass beim Dampfen keine Krebs erregenden Verbrennungsstoffe entstehen. Sie nehmen kein Teer oder Kohlenmonoxid auf und das merkt man auch am körperlichen Befinden.“ Knaudt muss es wissen, er selbst ist überzeugter Konsument und hat die analogen Kippen mittlerweile gegen die digitale Alternative eingetauscht. Eine Erfahrung, die auch viele seiner Kunden machen: „Der Hauptkundenstamm bei iQuid sind Raucher, die umsteigen wollen und das auch schaffen“, so der Fachhändler. Die Produktvorteile liegen auf der Hand: Durch die nicht anfallende Tabaksteuer können herkömmliche Tabakprodukte preislich nicht mit den E-Zigaretten konkurrieren. So kosten 10 ml Liquid nur rund 6,95 Euro, entsprechen dabei laut Knaudt aber ungefähr sieben Zigarettenschachteln. Hinzu kommt, dass der Dampf nahezu geruchslos ist und sich nicht in Kleidung und Möbel festsetzt. Zu guter Letzt steht das Argument im Raum, dass es sich um eine gesündere Alternative zum Rauchen handelt.

Genau an diesem Punkt scheiden sich die Geister. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist der Ansicht, dass gesundheitliche Risiken durch das Vernebelungsmittel Propylenglycol, diverse Chemikalien, Duft- und Aromastoffe entstehen könnten und empfiehlt, E-Zigaretten, bis valide Studien vorliegen, wie normale Zigaretten zu behandeln und in Nichtraucherzonen zu verbieten. Einen ähnlichen Standpunkt vertritt das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Wenn es nach Barbara Steffens ginge, würden E-Zigaretten unter das Arzneimittelgesetz fallen und dürften nur noch in Apotheken verkauft werden, schließlich dienten E-Zigaretten durch den hohen Nikotingehalt in den meisten Liquids als „Funktionsarzneimittel“ zur Raucherentwöhnung, ähnlich wie ein Nikotinpflaster, so die Argumentation.

Obwohl die E-Zigarette nach wie vor in keinem Bundesland verboten wurde und das Oberverwaltungsgericht Münster sie als Genuss- und nicht wie Steffens als Arzneimittel betrachtet: Die Verbraucher sind zunehmend verwirrt und stehen dem Produkt skeptisch gegenüber: „Viele halten die E-Zigarette und die dazugehörigen Liquids für gefährlicher als normale Tabakwaren, da ist dann erstmal Aufklärungsarbeit angesagt“, berichtet Knaudt über die Erfahrungen in seinem Shop. Auch der Verband betreibt Überzeugungsarbeit: „Mit einer Aufklärungswelle und der Bereitstellung von Fakten konnte die Negativtendenz gestoppt werden. Der Handel erholt sich zunehmend“, sagt Drögemüller. Im klassischen LEH spielt die E-Zigarette noch keine große Rolle, allerdings seien bei den großen Ketten schon einige Exemplare aufgetaucht. „Aufgrund der mangelhaften Funktion schaden diese der Verbreitung in der Bevölkerung jedoch eher“, sagt Drögemüller. Auch Knaudt sieht in Zukunft weiter Bedarf für die Fach-Shops: „Es handelt sich einfach um ein sehr erklärungsbedürftiges Produkt.“

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Bild öffnen Dampf statt Rauch: Die Flüssigkeit in der E-Zigarette wird an einer Heizspirale vernebelt. (Bildquelle: Belz)
Bild öffnen Ein Starter-Set kostet um die 50 Euro.
Bild öffnen Die Liquids stammen aus China, den USA sowie Europa ...
Bild öffnen ... und sind mit Nikotin als Light-Variante und ohne Nikotin erhältlich.
Bild öffnen Torsten Knaudt ist selbst auf die E-Zigarette umgestiegen.

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