„Der Rohstoff Getreide kostet die deutschen Mühlen derzeit circa 500 Mio. Euro mehr als im Vorjahr“, heißt es im jüngsten Marktbericht des Verbands Deutscher Mühlen (VDM). Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz der Branche liegt bei 2,5 Mrd. Euro. Für 1 t B-Weizen notieren die deutschen Produktenbörsen danach 265 Euro. „So viel mussten in den letzten 25 Jahren zur Erntezeit im Juli und August noch nie gezahlt werden.“ Für Qualitätsweizen, d. h. A- und E-Sorten, werden nochmals Aufschläge von 5 bis 20 Euro je t gezahlt. Damit liegen die Brotgetreidepreise laut VDM um 25 bis 35 Prozent über den Vorjahrespreisen. 95 Prozent des in Deutschland vermahlenen Brotgetreides wird von heimischen Äckern geerntet. Der Preis wird jedoch weiterhin von den internationalen Getreidemärkten bestimmt. Global gesehen ist Weizen nach der Jahrhundertdürre in den USA und mageren Ernten in der Schwarzmeerregion ein sehr knappes Gut.
Noch schlechter sieht die weltweite Bilanz laut VDM aus, wenn auch Mais und Reis berücksichtigt werden. Das Verhältnis von Beständen und Verbrauch wird nach Schätzungen Ende des Jahres mit 18,9 Prozent unter der kritischen Marke von 20 Prozent liegen. Umgerechnet reichen die Weltgetreide-Vorräte dann nur noch für 69 Tage. Im Wirtschaftsjahr 2011/2012 haben die deutschen Mühlen laut VDM rund 7,7 Mio. t Weizen und Roggen vermahlen, 3,75 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Mehlmarkt hierzulande ist laut Branchenverband durch Überkapazitäten von einem scharfen Preiswettbewerb geprägt. „Gründe dafür sind die Konzentration und der Wettbewerbsdruck im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel, die Konzentration und der Strukturwandel im Backgewerbe sowie die Verschiebung von Marktanteilen im Segment Brot und Backwaren“, heißt es im VDM-Marktbericht. Wegen des hohen Wettbewerbsdrucks unter den Mühlenunternehmen gelänge es allerdings nicht, die steigenden Kosten in notwendigem Maße am Markt weiterzugeben.
Rohstoffe Preise für Getreide auf Höchststand
Brotweizen war in diesem Sommer so teuer wie seit 25 Jahren nicht mehr.
Das könnte Sie auch interessieren
Supermarkt des Jahres 2026
Viel gelesen in Hersteller
-
Molkerei-CEO im Interview„Wir sind gut beraten, wenn wir Grundnahrungsmittel im eigenen Land produzieren“ – sagt der Chef der Molkerei Berchtesgadener Land -
VerpackungPfand statt Einweg – so funktionieren auch Pesto, Saucen und Aufstriche im Mehrwegsystem -
So entsteht...Capri-Sun Electrolytes – darum baut das Unternehmen die Produktion für Trinkbeutel ohne Halm aus -
Famila-Warenhausleiter im Interview„Traditionelle Angebote sind erfolgreich“ – warum Klassiker zur WM den Unterschied machen
Im Gespräch - Hersteller
-
Famila-Warenhausleiter im Interview„Traditionelle Angebote sind erfolgreich“ – warum Klassiker zur WM den Unterschied machenOliver Wagner vom Famila-Warenhaus in Neustadt setzt zur Fußball-WM vor allem auf bewährte Sortimente statt teurer Aktionen – und erklärt, warum zu viel Event schnell zum Verlustgeschäft wird.
-
Ritter Sport„Nachhaltigkeit ist ein Marathon, kein Sprint“Mehr Nachhaltigkeit beim Kakao und bei anderen Zutaten ‒ das ist das Ziel der Schokoladenhersteller. Viel wurde bereits erreicht, doch es bleibt noch einiges zu tun. Benno Mauerhan spricht über Nachhaltigkeit, sein erstes Jahr als DACH-Chef und horrende Kakaopreise.