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Spirituosen Begehrte Ware

Tobias Dünnebacke | 22. Februar 2012

Ladendiebe greifen gerne zu bekannten Spirituosen-Marken . Viele Händler reagieren mit abschließbaren Vitrinen. Diese sind aber den Herstellern ein Dorn im Auge.

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Als Marten Freund den jungen Mann vor Verlassen des Marktes darum bat, seine Sporttasche zu öffnen, staunte er nicht schlecht: Ganze 28 Flaschen Champagner wollte der zunächst unscheinbar wirkende Ladendieb mitgehen lassen. Ein Extrem-Beispiel, das aber die Dreistigkeit von Dieben vor Augen führt, mit der Lebensmittel-Einzelhändler tagtäglich zu kämpfen haben. Häufig Objekte der Begierde: teure Weine und hochwertige Marken-Spirituosen. Die Handelsunternehmen halten sich beim Veröffentlichen von Zahlen zum Thema Warenschwund zwar meistens bedeckt, eine Studie des „Centre for Retail Research“ kam aber zu dem Ergebnis, dass alkoholische Getränke in Europa eine Schwundquote von 2,25 Prozent aufweisen und damit zu den am häufigsten gestohlenen Lebensmitteln gehören. „80 Prozent des Diebstahls in meinem Markt ist Beschaffungskriminalität“, schätzt Freund. „Die haben es auf Spirituosen abgesehen, die sie leicht weiterverkaufen können.“ >

Das Problem vor dem sowohl Handel als auch Industrie stehen: Die Masse an im Lebensmittel-Einzelhandel verkauften Spirituosen ist meist zu teuer, um ungesichert im Regal zu stehen, gleichzeitig aber nicht wertvoll genug, um umfassende Investitionen in die Sicherheitstechnik zu rechtfertigen. „Manch einer fragt sich, ob es überhaupt sinnvoll ist, noch mehr in Prävention, Personalschulung und Sicherheitstechnik zu investieren. Würde ein Sparen am Ende nicht zu mehr Ertrag führen?“, stellt Frank Horst vom EHI Retail Institute in Köln die entscheidende Frage. Freund hat sich nach jahrelang hohen Inventurdifferenzen in seiner Spirituosenabteilung mit dem Problem auseinandergesetzt und für eine abschließbare Vitrine entschieden. Keine Spirituose steht mehr offen im Markt: „Ich habe dadurch Umsatz verloren, einige Kunden sind auch darüber verärgert, weil es ihren Einkauf natürlich umständlicher macht, wenn man erst einen Mitarbeiter bitten muss, das Regal aufzuschließen. Aber unter dem Strich lohnt sich für mich der Einsatz“, erzählt der Kieler.

Spagat für die Hersteller
Nicht nur die Kunden sind über solche Hindernisse beim Einkauf nicht immer erfreut, auch die Hersteller sind keine Freunde von abschließbaren Vitrinen. „Uns ist das ein Dorn im Auge“, sagt Tobias Gerlach, Sprecher der deutschen Dependance von Diageo, dem weltweit größten Spirituosenproduzenten. „Natürlich haben wir mit Blick auf die Diebstahlquote Verständnis für die Händler, wünschen uns aber Lösungen, die für die Shopper keine Barriere bedeuten.“ Ein Dilemma: Die meist mit aufwendigen Markenwelten verknüpften Produkte sollen angemessen repräsentiert werden, schnell greifbar und gleichzeitig sicher sein. Um eine eigene Lösung zu finden, beschäftigen sich Mitarbeiter von Diageo derzeit im Londoner „Customer Collaboration Centre“, eine Art Ideenfabrik, mit dem Problem. Um was es sich genau handelt, will der Konzern aber noch nicht preisgeben.

Auch Marcus Gehrlein, Marketing Manager bei Rémy-Cointreau, ist kein Freund von Vitrinen. Dabei wecken Produkte wie Cognac mit einem UVP von rund 40 Euro bei Dieben Begehrlichkeit. „Mit der momentanen Lösung sind weder Rémy Martin noch die Handelspartner besonders glücklich. Diese Maßnahmen sind nicht wirklich förderlich für den Abverkauf der Produkte, sie stellen ganz im Gegenteil oft eine Hemmschwelle dar.“