Heißgetränke Röster strafft seine Marken

Axel Kampmann (Foto), Vorstand bei Darboven, zielt auf ein einstelliges Markenportfolio. Das wird auch der Handel spüren.

Dienstag, 29. November 2022 - Sortimente
Elena Kuss
Artikelbild Röster strafft seine Marken
Bildquelle: Frederik Röh

Kaffeerösten ist energieaufwendig. Was halten Sie vom Energie-Krisenmanagement der Politik?
Axel Kampmann:
Zufrieden kann man mit dem Krisenmanagement in Berlin nicht wirklich sein. Die Politik scheint mit vielen Themen überfordert. Nehmen Sie beispielsweise die Energie-Thematik: Erst soll es eine Gasumlage geben. Jetzt wurde letztendlich der Gaspreisdeckel beschlossen.

Ist das die richtige Maßnahme?
Ja, weil es dadurch Planungssicherheit gibt. Das primäre Thema muss aber ein anderes sein: Wir haben eine starke Angebotsverknappung, die zu diesen extremen Preissteigerungen führt. Daher ist es die Aufgabe der Politik, die Angebotsseite zu entspannen und in dieser schwierigen Zeit alle möglichen Energiequellen in Betracht zu ziehen.

Sie haben die Kapazitäten von Darboven um 15.000 Tonnen erweitert. Ist die neue Maschine auch in Bezug auf den Energieverbrauch effizienter?
Der neue Röster ist noch mal rund 20 Prozent energieeffizienter.

Wie viel Kaffee soll im Markt ankommen?
Die 15.000 Tonnen sind kein Netto-Zuwachs. Wir haben auch Kapazitäten, die wir überprüfen. Und natürlich schaffen wir Zusatzkapazität immer für den Markt – national und international.

Wann will Darboven das Vor-Pandemie-Niveau erreichen?
Aufgrund der vielen Unwägbarkeiten ist das aktuell noch nicht seriös zu beantworten. Nach meiner heutigen Einschätzung wird uns das aber frühestens 2024 gelingen.

Nach zwei schwierigen Jahren zieht die Auftragslage also wieder an?
National und vor allem international sehen wir noch deutliches Wachstumspotenzial für die J. J. Darboven Firmengruppe. Allerdings wird es aufgrund der schwierigen Umstände jetzt länger dauern, dieses Potenzial zu heben.

Was planen Sie für Ihr Auslandsgeschäft?
Unser Auslandsgeschäft muss man gedanklich zweiteilen. Zum einen haben wir Märkte, in denen wir mit eigenen Tochtergesellschaften direkt vor Ort tätig sind. Dies ist in neun europäischen Ländern der Fall. Das sind alles Märkte, in denen wir noch deutliches Wachstumspotenzial sehen. Der zweite Part ist unser Exportgeschäft. Hier sind wir in den letzten Jahren mit dem Wachstum sehr zufrieden gewesen. Allerdings leidet unser Export unter dem Einmarsch Putins in der Ukraine und den Folgen. So haben wir mit Ausbruch des Krieges das Geschäft mit Russland sofort eingestellt.

Darboven prüft in einigen Ländern neue Kanäle wie den Lebensmitteleinzelhandel. Welche Strategien gibt es in Deutschland?
Dass wir die Ausweitung des Geschäftes in andere Vertriebskanäle prüfen, ist korrekt. Zu unserer Strategie äußern wir uns allerdings nicht im Detail. Nur so viel: Unser Ziel ist ein ertragsrentables, ordentliches Wachstum in allen Geschäftsbereichen unserer Firmengruppe.

Dazu gehört auch, dass Darboven sein Markenportfolio strafft …
Als ich vor zweieinhalb Jahren zu Darboven kam, waren es weltweit noch 28 Marken. Jetzt sind wir bei 18 Marken weltweit. Auch das ist für ein Unternehmen unserer Größe noch zu viel. Daher werden wir unser Markenportfolio sukzessive weiter reduzieren. Unser Ziel ist es, hier einstellig zu werden.

Wie viele Marken gibt es im deutschen Lebensmitteleinzelhandel?
Aktuell sind es sechs Marken (Mövenpick, Idee Kaffee, Eilles, Alfredo, Alberto, Café Intención).

Wird der LEH auf mindestens eine dieser Marken verzichten müssen?
Ja.

Fairtrade verzeichnet eine rückläufige Nachfrage. Wie wirkt sich das aus?
Das Thema Nachhaltigkeit wird in der Gesellschaft immer wichtiger. Als Fairtrade-Pionier bei Kaffee hat unser Café Intención sich in den letzten Jahren stark entwickelt – mit inzwischen 44 Prozent Marktanteil zum deutlichen Marktführer im Segment Bio/Fairtrade. Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage vieler Haushalte tritt die Nachhaltigkeit als Kaufargument jedoch gerade etwas in den Hintergrund. Die Verbraucher kaufen preisbewusster ein, da der gesamte Warenkorb deutlich teurer geworden ist. Mittel- und langfristig wird sich die positive Entwicklung des Segments Fairtrade und Bio fortsetzen. Davon sind wir fest überzeugt.

Die kompostierbare Kaffeekapsel von Mövenpick wurde umgestellt auf Aluminium. Warum?
Die industriell kompostierbare Kapsel ist gescheitert. Das hat im Wesentlichen drei Gründe: Erster Grund ist sicher das unzureichende Verständnis der Begrifflichkeit „industriell kompostierbar“. Was will mir das sagen? Das zweite Thema ist, dass qualitative Einbußen beim Produkt entstehen. Das liegt an den unzureichen-den Barriereeigenschaften des Materials. Das beeinträchtigt den Geschmack. Der dritte Grund ist die nicht ausreichende, sachgerechte Entsorgungsmöglichkeit. Nur etwa 5 Prozent der regionalen Entsorger können aktuell industriell kompostierbares Material verarbeiten. Diese drei Gründe haben dazu geführt, dass wir entschie-den haben, das Kapselkonzept zu verändern.

Warum Aluminium?
Jetzt wäre der ideale Schritt gewesen, die Kapsel auf heimkompostierbares Material umzustellen. Das ist allerdings technisch noch nicht machbar, da ein solches Material im Markt noch nicht existent ist. Daher mussten wir zunächst auf ein Material setzen, das das Produkt optimal schützt und qualitativ den Kaffee hervorbringt, den wir uns vorstellen. Und das ist im Moment Aluminium. Die heimkompostierbare Kapsel bleibt jedoch unser aller Ziel.

Zur Person

Seit 2020 ist Axel Kampmann Vorstand Marketing und Vertrieb in der J. J. Darboven Gruppe. Zuvor war Kampmann 16 Jahre in verschiedenen Leitungsfunktionen bei Dr. Oetker tätig, zuletzt als CEO der niederländischen Landesgesellschaft.

Viel gelesen in Hersteller

Neue Produkte

Im Gespräch - Hersteller