Kaffee J. J. Darboven gibt Marken auf

Axel Kampmann, Vorstand bei J. J. Darboven, zielt auf ein einstelliges Markenportfolio. Das wird auch der Handel spüren.

Mittwoch, 16. November 2022 - Sortimente
Elena Kuss
Artikelbild J. J. Darboven gibt Marken auf

Herr Kampmann, Kaffeerösten ist ein energieaufwendiges Geschäft. Sind Sie zufrieden mit dem Krisenmanagement der Politik?
Zufrieden kann man mit dem Krisenmanagement in Berlin nicht wirklich sein. Die Politik scheint mit vielen Themen überfordert zu sein. Nehmen Sie beispielweise die Energie-Thematik: Erst soll es eine Gasumlage geben. Jetzt wurde letztendlich der Gaspreisdeckel beschlossen.

Ist das die richtige Maßnahme?
Ja, weil es dadurch Planungssicherheit gibt. Das primäre Thema muss aber ein anderes sein: Wir haben eine starke Angebotsverknappung, die zu diesen extremen Preissteigerungen führt. Daher ist es die Aufgabe der Politik, die Angebotsseite zu entspannen und in dieser schwierigen Zeit alle möglichen Energiequellen in Betracht zu ziehen.

Sie haben die Kapazitäten von Darboven um 15.000 Tonnen erweitert. Ist der neue Röster auch in Bezug auf den Energieverbrauch effizienter?
Der neue Röster ist nochmal rd. 20 Prozent energieeffizienter.

Wie viel Kaffee soll von den 15.000 Tonnen mehr Kapazität auch im Markt ankommen?
Die 15.000 Tonnen sind kein Netto-Zuwachs. Wir haben auch Kapazitäten, die wir überprüfen.

Und natürlich schaffen wir Zusatzkapazität immer für den Markt – national und international.

Wann will Darboven das Vor-Pandemie-Niveau erreichen?
Aufgrund der vielen Unwägbarkeiten ist das aktuell noch nicht seriös zu beantworten. Nach meiner heutigen Einschätzung wird uns das aber frühestens 2024 gelingen.

Nach zwei schwierigen Jahren zieht die Auftragslage also wieder an?
National und vor allem international sehen wir noch deutliches Wachstumspotenzial für die J.J. Darboven Firmengruppe. Allerdings wird es aufgrund der schwierigen Umstände jetzt länger dauern, dieses Potenzial zu heben.

Was planen Sie für Ihr Auslandsgeschäft?
Unser Auslandsgeschäft muss man gedanklich zweiteilen. Zum einen haben wir Märkte, in denen wir mit eigenen Tochtergesellschaften direkt vor Ort tätig sind. Dies ist in neun europäischen Ländern der Fall. Das sind alles Märkte, in denen wir noch deutliches Wachstumspotenzial sehen. Der zweite Part ist unser Exportgeschäft. Hier sind wir in den letzten Jahren mit dem Wachstum sehr zufrieden gewesen. Allerdings leidet unser Export unter dem Einmarsch Putins in der Ukraine und den Folgen. So haben wir mit Ausbruch des Krieges das Geschäft mit Russland sofort eingestellt.

Unter welchen Voraussetzungen würde J. J. Darboven das Russlandgeschäft wieder aufnehmen?
Selbst wenn der Krieg jetzt stoppen würde, ist das kein Automatismus. Wir werden das intern sehr sorgfältig bewerten.

Darboven prüft offensichtlich in einigen Ländern die Ausweitung des Geschäfts in weitere Kanäle wie den Lebensmitteleinzelhandel. Welche Strategien gibt es in Deutschland?
Das wir die Ausweitung des Geschäftes in andere Vertriebskanäle prüfen, ist korrekt. Zu unserer Strategie äußern wir uns allerdings nicht im Detail. Nur so viel: Unser Ziel ist ein ertragsrentables, ordentliches Wachstum in allen Geschäftsbereichen unserer Firmengruppe.

Dazu gehört auch, dass J. J. Darboven sein Markenportfolio strafft. Wie geht es hier weiter?
Als ich vor zweieinhalb Jahren zu Darboven kam, waren es noch 28 Marken. Jetzt sind wir bei 18 Marken. Auch das ist für ein Unternehmen unserer Größe noch zu viel. Daher werden wir unser Markenportfolio sukzessive weiter reduzieren. Unser Ziel ist es, hier einstellig zu werden.

Wie viele Marken führen Sie im deutschen LEH?
Aktuell sind es sechs Marken.

Werden auch die Lebensmittel-Einzelhändler von der Straffung im Markenportfolio betroffen sein?
Ja.

Fairtrade und Premium verzeichnen eine rückläufige Nachfrage. Wie wirkt sich das bei Darboven aus - zum Beispiel bei Café Intención?
Das Thema Nachhaltigkeit wird in der Gesellschaft immer wichtiger. Als Fairtrade-Pionier bei Kaffee hat unser Café Intención sich in den letzten Jahren stark entwickelt – mit inzwischen 44 Prozent Marktanteil zum deutlichen Marktführer im Segment Bio/Fairtrade.

Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage vieler Haushalte tritt die Nachhaltigkeit als Kaufargument jedoch gerade etwas in den Hintergrund. Die Verbraucher kaufen preisbewusster ein, da der gesamte Warenkorb deutlich teurer geworden ist.

Mittel- und langfristig wird sich die positive Entwicklung des Segments Fairtrade und Bio fortsetzen. Davon sind wir fest überzeugt.

Der Markenrelaunch für Idee Kaffee wird in den Regalen umgesetzt. Warum war ein Neustart nötig?
Idee Kaffee ist eine der ältesten und bekanntesten Marken im deutschen Kaffee-Markt. In den letzten Jahren hat die Marke allerdings an Relevanz bei den Konsumenten verloren. Aufgrund dessen war die Neupositionierung nötig. Zielsetzung ist es, sowohl die Reichweite als auch die Verwendungsintensität zu erhöhen.

Wie soll das erreicht werden?
Wir müssen hier stärker in die Interaktion mit den Verbrauchern kommen. Zudem wollen wir Idee Kaffee deutlich stärker in der jüngeren Zielgruppe verankern, ohne dabei unsere treue Stamm-Verwenderschaft der Marke zu vernachlässigen.

Wie hoch ist der Marktanteil von Darboven bei Röstkaffee in Deutschland?
Unser Marktanteil im LEH in Deutschland liegt bei 6 Prozent. Für den Außer-Haus Markt gibt es hier leider noch keine validen Daten der Institute.

Mövenpick Schümli gibt es ab Oktober auch als Pad, Gusto Italiano auch gemahlen. Ganze-Bohnen-Kaffees sind jedoch besonders beliebt beim Verbraucher. Welche Rolle spielen da andere Zubereitungsarten?
Der deutliche Markttrend zur ganzen Bohne setzt sich weiter fort. Dieser hat sich durch den, teils auch pandemiebedingten, deutlichen Absatzanstieg bei Kaffee-Vollautomaten noch verstärkt. In Westdeutschland ist die Penetration der Vollautomaten in 2022 erstmals höher als bei Filtermaschinen. Dennoch bleiben auch die Marktsegmente Filter und Single Portion weiterhin sehr wichtig für uns. Daher auch die genannten Innovationen und Investitionen in diesen Segmenten.

Auch die kompostierbare Kaffeekapsel von Mövenpick ist nun aus Aluminium. Lavazza ist ähnlich vorgegangen. Ist die kompostierbare Kapsel gescheitert?
Die industriell kompostierbare Kapsel ist gescheitert. Das hat im Wesentlichen drei Gründe: Erster Grund ist sicher das unzureichende Verständnis der Begrifflichkeit „industriell kompostierbar“. Was will mir das sagen? Das zweite Thema ist, dass qualitative Einbußen beim Produkt entstehen. Das liegt an den unzureichenden Barriereeigenschaften des Materials. Das beeinträchtigt den Geschmack.  Der dritte Grund ist die nicht ausreichende, sachgerechte Entsorgungsmöglichkeit. Nur etwa fünf Prozent der regionalen Entsorger können aktuell industriell kompostierbares Material verarbeiten.

Diese drei Gründe haben dazu geführt, dass wir entschieden haben, das Kapselkonzept zu verändern.

Warum Aluminium?
Jetzt wäre der ideale Schritt gewesen, die Kapsel auf heimkompostierbares Material umzustellen. Das ist allerdings technisch noch nicht machbar, da ein solches Material im Markt noch nicht existent ist.

Daher mussten wir zunächst auf ein Material setzen, dass das Produkt optimal schützt und qualitativ den Kaffee hervorbringt, den wir uns vorstellen. Und das ist im Moment Aluminium. Die homekompostierbare Kapsel bleibt jedoch unser aller Ziel.

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