Fassbier Fass ohne Boden

Das Geschäft mit dem Fassbier kehrt zurück. Aber in der Gastronomie fehlt das Personal, um es auszuschenken. Flaschen im Handel werden indes zu Ladenhütern.

Freitag, 15. Juli 2022 - Sortimente
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Fass ohne Boden
Bildquelle: Getty Images

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes könnten für Aufatmen bei den Brauern sorgen: Mit 8,7 Millionen Hektolitern stieg der Bierabsatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,4 Prozent.
Die Sache hat allerdings einen Haken. Das Jahr 2021 war für die Brauer durch die Corona-Maßnahmen katastrophal schlecht und sollte nicht als Vergleich herangezogen werden. Laut Interessensverband Deutscher Brauer-Bund liegt das aktuell aufgelaufene Absatzniveau ungefähr auf dem von 2019. Aufsummiert von Januar bis Mai wurden hierzulande aber immer noch 3 Millionen Hektoliter weniger verkauft als im gleichen Zeitraum des als erfolgreich geltenden Jahres 2018. Und: Ein Minus von 27,8 Prozent bei den Ausfuhren in Drittländer zeigt deutlich die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf den Bierabsatz.

Der Lichtblick für die Brauer: Volle Biergärten und Terrassen der Restaurants sowie gut besuchte Volks- und Schützenfeste kurbeln die Fassbierproduktion an. „Die Leute rasen zu jedem Event, die Leute wollen raus“, sagt der Chef der Brauerei Veltins, Michael Huber. „Und die Leute bleiben vor allem auch auf den Veranstaltungen viel länger, und dadurch ist der Verbrauch höher als auch von uns erwartet wurde.“ Man merke diesen „unglaublichen Wunsch nach Nachholen“.

Veranstaltungen laufen gut
Benedikt Meier, Sprecher des Verbandes Private Brauereien in München, erklärt, dass Brauer und Gastronomen sogar noch mehr aus der Ausgehfreude machen könnten: „Vielerorts ist ein Problem, dass Personal in der Gastronomie fehlt. Das fängt in der Küche an und reicht bis zum Service.“ Das stellte auch der Chef der Altbier-Brauerei Bolten, Michael Hollmann, fest: „Personalmangel, Personalmangel, Personalmangel – in der Gastronomie, aber auch in den Brauereien.“ Viele Beschäftigte hätten sich in der Pandemie andere Arbeit und oft auch bessere Arbeitszeiten als in der Gastronomie gesucht.
Der Gastro-Boom bleibt für den Handel nicht ohne Folgen: So ist Flaschenbier inzwischen nicht mehr so stark gefragt wie noch im ersten Pandemiejahr, als Kneipen und Restaurants schließen mussten. Weitaus sorgenvoller blicken Brau-Manager aber auf ein mögliches Gas-Embargo: Die Bierproduktion ist energieaufwendig und viele Hersteller setzen ausschließlich auf Gas als Energieträger. Auch Vorlieferanten sind betroffen. „Wir brauchen pro Jahr bis zu 60 Millionen neue Flaschen. Wenn da irgendetwas einbricht, ist die Versorgung total unterbrochen“, sagt Veltins-Chef Huber. Die Probleme der Brauer bleiben im dritten Pandemie-Jahr ein Fass ohne Boden.

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