Fischtheke Tagsüber kühlen, nachts abtauen

Fischtheken werden mit viel Eis bestückt, das am Tagesende auch wieder abgetaut werden muss. Aichinger hat dafür ein automatisches Abtausystem entwickelt.

Freitag, 15. Juli 2022 - Sortimente
Markus Heine
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Bildquelle: Markus Heine

Noch liegen Lachsfilets, Rotbarsche und Seeteufel auf Eis, doch gleich hat auch der Frischfisch im Edeka-Center Zeidler im niedersächsischen Königslutter Feierabend und wird die prominente Auslagefläche verlassen. Wenn sich die Markttüren allabendlich schließen, ist für Fachkraft Michel Schöntaube aber noch lange nicht Schluss. „Früher hätte ich jetzt das Eis aus der Theke schaufeln müssen“, sagt der Endzwanziger. „Die ganze Prozedur hat nicht nur lange gedauert, sondern ging auch ordentlich in die Arme.“

Da in einer größeren Fischtheke täglich durchaus bis zu zwei Zentner Eis bewegt werden müssen, ist ein entsprechender körperlicher Aufwand vorprogrammiert. Allerdings kann Schöntaube die Eisschaufel mittlerweile guten Gewissens stehen lassen – er benötigt sie abends nicht mehr. In seiner Sirius-3-Theke von Aichinger wird das Eis nämlich mit dem neuen AI-CEweg-System automatisch abgetaut. Es muss dafür nicht mehr herausgeschaufelt werden, sondern verbleibt in der Thekenwanne. Ein Sprinklersystem, das in Intervallen über mehrere Düsen Wasser versprüht, sorgt dafür, dass das Eis nachts aufgetaut wird. Nach und nach schmilzt es, das Wasser fließt entsprechend ab.

Hygiene im Fokus
„Das Eis muss auf alle Fälle täglich gewechselt werden“, betont René Beyerlein, Service-Center-Leiter bei Aichinger. „Und wenn man täglich 60 bis 80 Kilo herausgeschaufelt hat, weiß man, was man getan hat.“ Mit dem Herausschaufeln ist es jedoch nicht getan, vielmehr stellt sich schnell ein weiteres Problem: Was macht man mit dem Eis, und wie entsorgt man es am besten?

„Manchmal wird es in Spülen oder über Abläufe gepackt und immer wieder mit Wasser überschüttet“, so René Beyerlein. „Das dauert jedoch und ist aus hygienischer Sicht nicht gerade optimal.“ Weiter beschreibt er, dass man mancherorts zum Abtauen größere Wannen benutzen würde, die man mit Eis fülle und nachts an Starkstrom anschließe. Morgens könne das Wasser dann weggekippt werden. „Aus energetischer Sicht völlig irre – teuer zu heizen, um Eis aufzutauen.“

Bei Aichinger habe man sich deshalb überlegt, wie es einfacher geht. Ausgangspunkt der Überlegungen war das automatische Reinigungs- und Spülsystem (ARS), das schon seit 20 Jahren in Aichinger-Theken integriert ist. Das Prinzip: Kleine Düsen in der Thekenwanne versprühen im Radius Wasser, sodass Abflüsse feucht gehalten und Schmutz aus der Theke gespült wird. „Zudem sind die Theken mit UVC-Leuchten ausgestattet, die gleichzeitig entkeimen“, erläutert René Beyerlein. „Sie laufen bei jedem Spülvorgang mit.“ Die Leuchten sitzen etwas versteckt unter dem Entlüfterblech, da es nicht erlaubt ist, Fleisch oder andere Waren in der Theke direkt mit UVC-Licht zu bestrahlen.

Enorme Zeitersparnis
„Auf dem ARS-System und den UVC-Leuchten wollten wir aufbauen“, konkretisiert René Beyerlein den Entwicklungsprozess des neuen Abtausystems. „Unsere Hauptidee lag darin, das Eis in die Wanne zu packen und es nachts durch das Düsensystem abtauen zu lassen, sodass die Theke morgens wieder bestückt werden kann.“

Wichtig zu wissen: Nach deutscher Trinkwasserverordnung muss verhindert werden, dass Trinkwasser, das aus der Leitung entnommen wurde und nach der Nutzung womöglich kontaminiert ist, in dieselbe Leitung zurückfließen kann.

Aichingers Ergebnis nennt sich AI-CEweg und ist ein Feature für die Sirius-3-Theke – optional bestell- und nachrüstbar. Der Reinigungsprozess und das Schmelzen des Eises läuft folgendermaßen ab: Nachdem die Fischprodukte in der Kühlung verstaut wurden, wird das Eis von den Auslegeböden in die Thekenwanne geschoben. Die einzeln zu entnehmenden Edelstahlbleche verbleiben in der Theke und können dort bei Bedarf vom Personal gereinigt werden, ohne extra entnommen werden zu müssen.

Liegt das ganze Eis in der Wanne, kann das „Eisweg-Programm“ aktiviert werden. Mit dem Start des Systems wird die Kühlung der Theke automatisch ausgeschaltet. Herzstück des Ganzen ist ein sogenannter Klasse-5-Trenner – eine große Wanne mit 30 Litern Fassungsvermögen und einer Pumpe. Hinzu kommen mehrere leicht erhöht stehende AI-CEweg-Düsen in der Thekenwanne. „Der Druck der Düsen und die Strahlkraft des Wassers lassen sich regulieren, sodass die Scheiben der Theke nicht nass gespritzt werden“, erklärt Beyerlein. „Jede Düse sprüht zehn- bis elfmal pro Nacht und taut in drei Stunden 23 Kilo Eis pro Laufmeter Theke ab.“

Ein innen liegender Sensor stellt sicher, dass die Theke nicht überläuft, falls mal ein Abfluss durch Fischreste verstopft ist. Das System wird sofort gestoppt, wenn es eine entsprechende Warnmeldung gibt.
Michel Schöntaube ist hoch zufrieden mit dem neuen Abtausystem: „Ich spare mir dadurch nicht nur jeden Abend die ganze Schaufelarbeit, sondern bin außerdem fast eine halbe Stunden schneller mit meiner Arbeit fertig.“ Ein doppeltes Plus.

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