Nachhaltiger Fisch Frisch aufgefischt

Landen zukünftig vermehrt Fischarten aus fernen Ländern auf deutschen Tellern? Einige Anbieter sehen sich dazu gezwungen, um nachhaltig zu bleiben.

Dienstag, 28. Juni 2022 - Sortimente
Markus Heine
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Bildquelle: Getty Images

Das Scheitern einer nachhaltigen Fangquotenaufteilung zwischen europäischen Fischereinationen hat in den letzten Jahren zu einer Überfischung der Makrelenbestände im Nordostatlantik geführt. Mit der Folge, dass die Fischereien aufgrund des schlechten Managements das Siegel des Marine Stewardship Councils (MSC) für eine nachhaltige Fischerei verloren haben – für viele europäische Hersteller wichtigste Grundlage ihrer angebotenen Fischprodukte. „Damit kommt die Makrele aus dem Nordostatlantik für unser Portfolio nicht mehr infrage“, betont Julius Palm, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter Strategie und Marke bei Followfood.

Um dem Verbraucherwunsch nach nachhaltigen Produkten weiterhin entsprechen zu können, suchen viele Hersteller nach Alternativen. Die chilenische Jack-Makrele, auch Bastardmakrele genannt, ist so eine. Sie wird im Südpazifik von 15 Nationen mit nachhaltiger Fangquotenaufteilung befischt, teilt der MSC mit. Der deutsche Anbieter Followfood will in diesem Jahr ein erstes Dosenprodukt mit der chilenischen Jack-Makrele auf den Markt bringen.

Aber wie vertragen sich lange Transportwege und Nachhaltigkeit? Julius Palm: „Aus wissenschaftlichen Daten wird klar, dass der Transport nur einen sehr geringen Teil der Ökobilanz ausmacht, etwa 5 Prozent. Viel entscheidender ist die Art und Weise, wie der Fisch gefangen wird. Hier sprechen wir teilweise von bis zu 70 Prozent des Impacts. Klar ist aber auch, dass die Ware nicht mit dem Flugzeug transportiert werden darf, da dann die Emissionswerte viel höher wären.“

Nachhaltigkeit wird gewinnen
Nachhaltigkeit und lange Transportwege schließen sich demnach nicht aus. Laut Palm ist es vielmehr sogar sinnvoll, global ökologische Projekte zu entwickeln und auch global Märkte dafür aufzubauen. „Einige Studien prognostizieren sogar, dass wir den aktuellen globalen Bedarf an Fisch beibehalten könnten, wenn wir 100 Prozent nachhaltigen Fischfang betreiben.“

Followfood-Gründer Jürg Knoll räumt dem Thema Nachhaltigkeit auch im aktuell „sehr schwierigen Marktumfeld“ oberste Priorität ein: „Den Handel würde ich warnen wollen, dieses Thema hintanzustellen. Die Transformation der Nahrungsmittel hin zu 100-prozentiger Nachhaltigkeit muss und wird kommen!“ Deshalb wird die Jack-Makrele aus Chile mutmaßlich nicht die letzte „exotische“ Fischart auf deutschen Tellern sein. Kritisch könnte es zukünftig für den Hering werden. „Die Fangregionen im Nordostatlantik sind sehr kleinteilig und die Bestände in unterschiedlich gesunden Zuständen“, betont Julius Palm. Noch gibt es nachhaltige Heringsfischereien mit MSC-Siegel. Noch.

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