Fruit Logistica Teurer wird’s auf jeden Fall

Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg sorgen für einen hohen Kostendruck im Fruchthandel. Eine Markteinschätzung für 2022 gleicht einem Blick in die Glaskugel.

Dienstag, 24. Mai 2022 - Sortimente
Wibke Niemeyer
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Bildquelle: Messe Berlin GmbH

Die Fruchtbranche steht von gleich mehreren Seiten unter Druck: gestörte Liefer- und Logistikketten, steigende Kosten etwa für Dünger oder Heizgas für Gewächshäuser. Das treibt die Herstellungskosten für Obst und Gemüse in die Höhe. Produzenten ringen um kostendeckende Preise. Zudem sind die Folgen des russischen Angriffskriegs Putins gegen die Ukraine und der Sanktionen sichtbar.

All das bot genug Gesprächs- und Diskussionsstoff bei Ausstellern und Fachbesuchern auf der diesjährigen Fruit Logistica. Denn erstmals nach zwei Jahren Pandemie-Pause traf sich die internationale Obst- und Gemüsebranche wieder in Berlin. Die mehr als 2.000 Aussteller aus 88 Ländern präsentierten an drei Messetagen auch innovative Produkte, wie frische Früchte, Sprossen, nachhaltige Verpackungen und Pflückroboter.

Im Obst- und Gemüsemarkt ist die „Zeitenwende“ zu spüren. Teuerungen auf dem Energie-, dem Verpackungs- und Rohstoffmarkt sowie in der Logistik wirkten sich schon vor dem Ukraine-Krieg deutlich im Sonderkulturbereich aus. „Durch die gegen Russland verhängten Sanktionen und die aktuellen Diskussionen über die Zahlungsmodalitäten für Energielieferungen verschärft sich jedoch die Situation“, meint Dr. Christian Weseloh, Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO), und erklärt: „Nicht nur die energieintensive Produktion im Unterglasbau wird mit weiteren nicht kalkulierbaren Kostensteigerungen und Unsicherheiten konfrontiert.“

Wie stellt sich die aktuelle Situation im Fruchthandel dar? Durch die steigenden Energiekosten und das damit kleinere Budget für Lebensmittel kauft der Konsument das Obst gezielter und bedarfsgerechter ein. Es sei zu befürchten, dass mehr Obst im unteren Preissegment bevorzugt werde, heißt es von der BVEO. Durch den Ukraine-Krieg verändern sich zudem die Warenströme. Ab Mai setzt verstärkt die europäische Obstproduktion ein: Für deren Vermarktung könnten die Märkte in Osteuropa wegfallen. Die steigenden Kosten werden sich letztendlich auf die Ladenverkaufspreise auswirken. Hinzu kommt, dass Russland jährlich 4,5 Millionen Tonnen Obst importiert, das zu einem sehr hohen Anteil auf andere Märkte verteilt werden muss.

Vorhersagen sind kaum möglich
Die Gemüsemärkte werden ebenfalls vor allem durch die deutlich gestiegenen Rohstoffpreise und höhere Aushilfslöhne beeinflusst. Laut Zahlen der AMI von Dezember 2021 ist bei den Produktionskosten für Tomaten in Deutschland 2022 gegenüber 2019 ein Plus von 22 Prozent oder 33 Cent/kg zu erwarten. „Diese Kalkulation ist wegen der seitdem nochmals gestiegenen Energiekosten allerdings schon überholt“, meint die BVEO.

In den Niederlanden, und teils auch in Deutschland, wurde in den Gewächshäusern später als sonst gepflanzt. Auch die Logistikkosten sind gestiegen: Für die Strecke von Almería in Andalusien bis Berlin würde die Differenz bei Tomaten jedoch nur 6 bis 8 Cent/kg ausmachen.

Für die Produktion im Freiland sind Vorhersagen wegen der hohen Witterungsabhängigkeit der Ernten kaum möglich. „Langfristig werden die steigenden Kosten auch hier zu steigenden Preisen führen müssen, wobei die Arbeitskosten das wichtigste Preiselement sind.“

Kurzfristig werden die Märkte vom verfügbaren Angebot bestimmt. Laut BVEO sei im ersten Quartal für Lagerkulturen wie Möhren und Zwiebeln bei hoher Verfügbarkeit ein recht starker Preisdruck trotz gestiegener Kosten zu erwarten.

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