Backwaren Brot hält sich gut

Der gestiegene Konsum in den eigenen vier Wänden lässt die Hersteller von haltbaren Brotwaren aufhorchen. Dabei soll die Natürlichkeit nicht zu kurz kommen.

Freitag, 11. Februar 2022 - Sortimente
Robert Schmidt
Artikelbild Brot hält sich gut
Bildquelle: Getty Images

SB- und TK-Backwaren nehmen deutlich an Beliebtheit zu, während die Nutzung von Back-Stationen durch Shopper im Lebensmittel-Einzelhandel nur verhältnismäßig leicht ansteigt. Zu diesem Ergebnis gelangt eine repräsentative Mafowerk-Studie, die Mitte vergangenen Jahres veröffentlicht wurde.
Konkret stieg der Konsum von abgepackten Backwaren aus dem Selbstbedienungsregal am stärksten: Kauften 2019 nur 16,7 Prozent der Befragten dort ein, waren es 2021 bereits 24,5 Prozent. Auch Backwaren zum Fertigbacken aus der Tiefkühltruhe wurden beliebter: Konsumenten griffen zu 9,2 Prozent auf diese Produkte zurück, gegenüber 5,5 Prozent im Jahr 2019.

Ungeschlagen ist jedoch weiterhin die Nutzung von Back-Stationen in Supermärkten: Vergangenes Jahr konnten sie ihre starke Position um 1,5 Prozentpunkte auf 46,5 Prozent steigern (SB-Regal 24,5 Prozent). Hier zählt, unterstreicht die Studie, weiterhin das Preis-Leistungs-Verhältnis als wichtigstes Einkaufskriterium. Mit 84 Prozent werden Brötchen mit Abstand am häufigsten an der Back-Station gekauft, gefolgt von Brot mit 67 Prozent. Zwei Drittel der Befragten kauften öfter und mehr frische Backwaren aufgrund der Back-Stationen: Dies geht, so die Studie, meist zulasten der Bäcker außerhalb der Märkte. Für 45,2 Prozent der Befragten stellt gerade die Back-Station ein wichtiges Kriterium zur Wahl des Supermarkts dar – 40,6 Prozent der Befragten erachten dies als weniger wichtig, 14,1 Prozent als unbedeutend.

Andere Schwerpunkte im SB-Regal
Trotz der anhaltenden Beliebtheit der Back-Stationen sinkt der Studie nach das Budget für Back-Stationen und wandert stattdessen hin zu abgepackten und TK-Backwaren.

Käufer von abgepackten Backwaren greifen bevorzugt zu Vollkorn- und Toastbrot sowie Brötchen und Baguettes zum Aufbacken am Selbstbedienungsregal. Hier, so das Urteil der Studie, sind gänzlich andere Sortimentsschwerpunkte gefordert als an der Back-Station, wo derzeit frische Brötchen und Brot bevorzugt eingekauft werden.

Im Dezember 2021 wurden für Brot und Backwaren fünf Prozent weniger Geld ausgegeben als im Vorjahresmonat, so der jüngste Consumer-Index des Marktforschungsinstituts GfK. Auch die verkaufte Menge ging um sieben Prozent zurück. Jedoch ist laut GfK dieser Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2020 zu betrachten: Gegenüber 2019 lag das Mengenniveau hingegen über zehn Prozent höher, die Ausgaben stiegen sogar um 20 Prozent.

Nachfrage verändert Angebot
Brothersteller berichten derweil von steigenden Profiten. Mestemacher beispielsweise erzielte 2021 einen Umsatz von 152 Millionen Euro und profitierte dabei von der Nachfrage nach verpackten SB-Brotspezialitäten.

Auch Harry Brot konnte im vergangenen Jahr seine Marktposition dank gestiegenem In-Home-Konsum weiter ausbauen, sagt Frank Kleiner, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb. Produkte mit längerer Haltbarkeit seien sehr gefragt, insbesondere wüssten Konsumenten die Vorzüge des Fertigback-Sortiments zu schätzen. Entsprechend plant Harry, diesen Bereich weiter zu stärken und neue Konsumentengruppen dafür zu begeistern: „Hier werden wir selbstverständlich auch Trends wie Urgetreide und Saaten berücksichtigen.“ Auch die Nachfrage nach Schnittbrot ist laut Kleiner ungebrochen stark. Deshalb will Harry im zweiten Quartal seine Anno-Brote um die Sorte Hafer erweitern und damit den Trend „nach verträglichen und rustikalen Brotspezialitäten“ bedienen.
Lieken schließt sich diesem Tenor an. Marketing-Leiter Felix Neuberger beobachtet eine starke Entwicklung der Segmente Sandwich und Aufbackware, auch kleinere Portionen werden vermehrt nachgefragt. Die Themen Fitness und Gesundheit stoßen bei Konsumenten auf großes Interesse. Das „Urkorn Lieblingsbrot“ ist Liekens Antwort darauf. Generell sieht Neuberger ein großes Bedürfnis nach „einer Nähe zum Produkt“. Diese könne durch verschiedenste Dinge vermittelt werden, wie etwa „durch Handwerklichkeit in der Herstellung, übersichtlich gehaltene Rezepturen und die generelle Produktanmutung“.

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