Abendbrot Die Mahlzeit, die zusammenhält

Immer mehr Konsumenten finden im Abendbrot eine Konstante im stressigen Alltag. Studien bescheinigen eine Renaissance der klassischen Mahlzeit, in der zeitgleich Convenience eine zunehmend größere Rolle spielt.

Dienstag, 18. Januar 2022 - Sortimente
Robert Schmidt
Artikelbild Die Mahlzeit, die zusammenhält
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Die Corona-Krise hat in vielen Bereichen des kulinarischen Lebens tiefe Spuren hinterlassen und weitreichende Veränderungen in Gang gesetzt. Darunter fällt nicht zuletzt das häusliche Abendbrot, das sich für die meisten Deutschen zur wichtigsten Mahlzeit des Tages entwickelt. Zu diesem Schluss kommt die Marktforschungsberatung Mafowerk, die in der Mitte 2021 veröffentlichten, repräsentativen Studie „Consumer Insights conveniente Produkte zum Abendessen 2021“ das deutsche Einkaufs- und Verbrauchsverhalten in Hinblick auf die abendliche Mahlzeit untersucht hat. Während das Abendessen eine immer wichtigere Bedeutung zu Hause einnimmt, werden das Frühstück und Mittagessen dort immer seltener (in Gesellschaft) eingenommen. Das Abendbrot stellt damit für die 2.000 befragten Konsu‧menten das kulinarische Hauptereignis zum geselligen Austausch dar. Für die meisten von ihnen, so Mafowerk, ist das Abendessen unter der Woche die einzige zeitlich stressfreie Mahlzeit am Tag. Auch dann dauert sie bei 37 Prozent der Befragten 15 bis 20 Minuten, bei 34 Prozent sogar unter 15 Minuten. Nur bei den wenigsten dauert ein Abendessen länger als 45 Minuten.

Ebenfalls soll die Zubereitung schnell gehen und nicht belasten: Convenience-Produkte nehmen daher an Bedeutung zu. Neben klassischen, kalten Snacks erfreuen sich warme Abendmahlzeiten immer größerer Beliebtheit – gerade am Wochenende wird deutlich häufiger abends gekocht. Als Teil-Fertiggerichte kaufen die Befragten am liebsten Fisch (60,8 Prozent), Pizzateig (58,5 Prozent) und fertige Soßen (51,3 Prozent). Unter den kompletten Fertiggerichten dominiert die Pizza: Rund 81 Prozent kaufen diese bevorzugt zum Abendessen, gefolgt von Fertiggerichten mit Nudeln und Fleisch (48,7 Prozent) und solchen mit Reis und Fleisch (33,7 Prozent). Wer hingegen das kalte Abendessen bevorzugt, greift meist zum bewährten Mix von Brot, Käse und Wurst, ergänzt von Salaten und frischem Gemüse.

Darüber hinaus kommt die Mafowerk-Studie zu dem Schluss, dass sich die Mehrheit der Konsumenten spontan entscheidet, was abends aufgetischt werden soll. 42 Prozent von ihnen haben sich selbst dann noch nicht festgelegt, wenn sie sich zum Einkauf aufmachen. Somit werden Kaufentscheidungen erst unmittelbar vor oder direkt am Point of Sale getroffen. Dort fehlt es aber laut der Studie häufig an geeigneten Entscheidungshilfen: Die meisten Shopper sind mit dem Angebot überfordert und greifen für das Abendessen meist zu bekannten Alternativen. Mafowerk erachtet hierbei „anlassbezogene Platzierungswelten“ als Chance für den Handel, Einkäufer zu binden. 69 Prozent der Befragten zeigen Interesse an einer „Dining World“, einer dezidierten Abteilung mit verschiedensten Produkten rund ums Abendessen. 22 Prozent von ihnen finden diese Idee sogar „sehr interessant“.

Die Relevanz herzhafter Aufstriche
In einer weiteren Studie hat Mafowerk untersucht, welche herzhaften Brotaufstriche von den Deutschen am liebsten konsumiert werden. Nach solchen auf Frischkäse-Basis (76,3 der Befragten) sind demnach Brotaufstriche in der Art eines Feinkostsalates (42,6 Prozent) und auf Gemüse-Basis (41,4 Prozent) am beliebtesten. Das Abendessen ist die bevorzugte Mahlzeit für Brotaufstriche, gefolgt vom Frühstück – andere Anlässe, etwa als Snack für zwischendurch, sind deutlich weniger relevant.

Immer mehr Konsumenten achten auf den biologischen Anbau der Zutaten und darauf, dass die Aufstriche frei von Konservierungsstoffen sind. Zudem erlangen vegetarische Aufstrich-Alternativen zu Wurst am Abendbrot-Tisch immer mehr an Relevanz. Das abwechslungsreiche Geschmackserlebnis und die schnelle Verfügbarkeit spielen die wichtigste Rolle für Verbraucher, die lieber zu herzhaften Brotaufstrichen als zu anderen Belägen greifen. Insgesamt hat die Verwendungsintensität jedoch gegenüber den Vorjahren abgenommen: 21,2 Prozent der Konsumenten aßen 2020 Aufstriche täglich oder vier- bis sechsmal pro Woche – 2017 waren es noch 28,7 Prozent.

Treiber einer neuen Esskultur
Dass conveniente Produkte innerhalb der Corona-Zeit an Beliebtheit zugenommen haben, belegt auch eine Mitte 2021 durchgeführte Studie des Instituts Rheingold in Auftrag der Interessenvereinigung Kulinaria Deutschland. Das Urteil: Durch Lockdowns und Homeoffice haben sich Veränderungen im Ernährungs-, Einkaufs-, Koch- und Essverhalten eingestellt, die aus Sicht von Rheingold auch über die Pandemie hinaus erhalten bleiben werden.

So verfolgen Konsumenten aufgrund des eingeschränkten Einkaufserlebnisses verstärkt eine Vorratshaltung und damit verbundene Plankäufe. Durch Homeoffice und Homeschooling hat sich weiterhin eine neue Tagesstrukturierung entwickelt, bei der Snacks als Zwischenetappen genutzt werden, um durch den Tag zu kommen. Das gemeinsame Essen, meist das Abendbrot, dient danach wiederum als zentraler Begegnungsort zur Stärkung des „Wir-Gefühls“. Auch das Essen selbst bietet vielen einen Stimmungsaufheller, bei dem Abwechslung und Inspiration mehr denn je im Mittelpunkt stehen.

Kochen und Backen werden ebenso als kreative Beschäftigung wahrgenommen – wobei sich die Begeisterung aufgrund fehlender Kompetenzen und hohen Aufwands in Grenzen halten kann beziehungsweise Verbraucher nach Zwischenlösungen wie Fertigsoßen und Backmischungen Ausschau halten.

Schließlich, so Rheingold, hat sich in der Corona-Zeit der „Blick für das Wesentliche“ geschärft: War das Thema Ernährung zuvor noch mit hohen Performance-Ansprüchen besetzt, wird nunmehr ein lockerer, bodenständiger Ansatz verfolgt.

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