Gekühlte Convenience Bequem verkauft

Convenience-Produkte haben in der Coronakrise an Relevanz gewonnen, da sie Antworten auf veränderte Ansprüche in der Gesellschaft geben, wie die Hersteller von gekühlten Convenience-Produkten bestätigen.

Montag, 15. November 2021 - Sortimente
Jens Hertling
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Bildquelle: Anna Schnauss

Die Coronapandemie wird auch im Convenience-Bereich ihre Spuren hinterlassen. Ein Drittel der Konsumenten plant, ihr durch die Coronakrise geändertes Einkaufsverhalten auch nach der Pandemie beizubehalten. Das zeigt eine Befragung der Managementberatung Horn & Company im Rahmen des regelmäßigen repräsentativen Consumer Panels, für das mehr als 1.000 Kunden zum Einkaufsverhalten befragt wurden. Convenience gewinnt laut der Befragung für den Konsumenten bei der Einkaufsstättenwahl an Bedeutung. Der Preis hingegen wird nicht länger als Kernkriterium angesehen. Für die Artikel des täglichen Bedarfs hat sich der Trend zu weniger Einkaufsvorgängen und dem Besuch von weniger verschiedenen Einkaufsstätten beziehungsweise von Händlern verfestigt, so die Autoren der Studie.

Das Kölner Marktforschungsinstitut Rheingold kam in seiner Convenience-Studie im vergangenen Jahr im Auftrag von Kulinaria Deutschland zu einem klaren Ergebnis: Convenience-Produkte haben durch ihre überzeugenden Eigenschaften deutlich an Relevanz gewonnen. Fertiggerichte, Würzhelfer und Convenience-Produkte bekommen in diesem Kontext nachhaltig eine größere Bedeutung, wie die Forscher durch Konsumentenbefragungen herausfanden. Die gestiegene Verbreitung und Akzeptanz von Homeoffice werde erhalten bleiben und die kulinarische Versorgung zu Hause weiterhin von hoher Relevanz sein, so die Forscher. Die Grunderfahrung einer „stärkeren Erdung der Ansprüche“ und Offenheit für Vereinfachung wirke auch über den Lockdown hinaus.

Marktforscher Jens Lönneker sieht zwei Trends
„Im Wesentlichen sehen wir zwei große Trends: Das Angebot in der Kühlung ist breiter geworden. Denn gekühlte Produkte gelten im Vergleich zu nicht gekühlten tendenziell als frischer und lebendiger“, sagt Jens Lönneker, Geschäftsführer eines weiteren Kölner Marktforschungsinstituts, Rheingold Salon (siehe auch Interview Seite 74). Gekühlte Produkte würden in unsere Zeit passen, in der Produkte hoch im Kurs stehen, die versprechen, etwas zur gesunden Ernährung beizutragen, so Marktforscher Lönneker. Ein weiterer Trend sind laut Lönneker Milchalternativen. Pflanzenbasierte Produkte legten ebenfalls ordentlich zu. Auch hier seien gesundheitliche Motive von großer Bedeutung, so Forscher Lönneker.

Convenience-Produkte liegen im Trend, wie sich auf der kürzlich veranstalteten Anuga 2021 bestätigte: Das Angebot an Convenience-Produkten ist extrem vielfältig. Im Kühlregal wird der Platz für Feinkost- und Convenienceprodukte immer größer, und die Coronakrise hat die Entwicklung noch beschleunigt. Bei aller Bequemlichkeit spielen aktuelle Trends wie Bio, Veggie und Clean Labels eine wichtige Rolle. Frische Teigwaren gehören zu den beliebtesten Convenience-Produkten überhaupt, daneben haben auch fertig geputzte Salate und vorgeschnittenes Obst längst einen festen Platz im Supermarkt, wie bei den Ausstellern auf der soeben zu Ende gegangenen Anuga 2021 zu sehen war. Einer der Aussteller der Kölner Messe war Giovanni Rana. Der Hersteller aus Italien ist nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich der gefüllten Frischteigwaren und einer der wichtigsten Treiber der Entwicklung dieses Marktes. Bei gefüllter Pasta liegt Rana derzeit bei 26 Prozent Marktanteilswert und wächst weiterhin deutlich zweistellig. Derzeit konzentriert sich Rana auf die Entwicklung von frischen Fertiggerichten. Außerdem hat Rana 2021 den aktuellen Flexitarier-Trend aufgegriffen und die rein vegetarische Produktlinie „BoloNew!“ auf den Markt gebracht: Pasta- und Lasagne-Sets mit einer Bolognesesoße auf Sojabasis.

Die Hersteller bestätigen den Convenience-Boom
Dass gekühlte Convenience im Trend liegt, bestätigen auch die Hersteller von Convenience-Produkten. „Der Trend zur schnellen Küche wird auch weiterhin an Fahrt aufnehmen. Qualitativ hochwertige Erzeugnisse, mittels derer in kurzer Zeit ohne großen Aufwand eine vollständige Mahlzeit gekocht werden kann, werden auch weiterhin die Regale in der gekühlten Frische dominieren“, sagt Eckhard Voth, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb vom Hersteller Henglein. Stefanie Wallisch, Projektmanagerin Marketing vom Hersteller Burger, bestätigt: „Das sieht man auch an der Marktentwicklung: Der Markt für gekühlte Teigwaren wächst kontinuierlich. Auch für dieses Jahr zeichnet sich nach dem ersten Halbjahr eine positive Marktentwicklung mit einem Umsatzplus von 10 Prozent ab.“ Claudia Hauschild, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Rügenwalder Mühle, ergänzt: „Wir beobachten eine anhaltend positive Absatzentwicklung der Kategorie ‚gekühlte Convenience‘. Die jährliche Wachstumsrate beträgt 5,7 Prozent (2018 bis 2020). Die Coronapandemie hat diese Entwicklung sogar noch mal verstärkt: Die Kategorie ist zwischen 2019 und 2020 um 8,5 Prozent gewachsen. Getrieben wird diese positive Entwicklung vorwiegend durch die Segmente Frischteige, Kartoffelprodukte und Nudeln – vor dem Hintergrund der gestiegenen Bedeutung des Kochens in der Coronapandemie ist das für uns eine nachvollziehbare Entwicklung.“ Auch vegetarische Fertig- und Teilfertiggerichte entwickeln sich laut Claudia Hauschild stark zweistellig positiv und tragen zur guten Performance der Kategorie bei. „Demgegenüber schwächeln servierfertige Gerichte mit einem hohen Convenience-Faktor, also zum Beispiel Feinkostsalate, Fertigsoßen und -gerichte oder pikante Teigsnacks“, so Hauschild. Dass die Verbraucherakzeptanz gegenüber der Kategorie „gekühlte Convenience“ zunehme, zeige die positive Entwicklung der Drehzahl – hier betrage die jährliche Wachstumsrate 6,3 Prozent (2018 bis 2020), so Claudia Hauschild.

Corona war ein Booster für den wachsenden Convenience-Markt
Alle Hersteller sind sich bei ihren Marktbeobachtungen einig, dass die Coronapandemie den Convenience-Markt beflügelt hat. „Corona war ein Booster für den wachsenden Convenience-Markt. Durch den Wegfall des Außer-Haus-Marktes im Foodservice und in Restaurants stieg automatisch der Konsum zu Hause“, fasst Timo Burger, Geschäftsführer von Burgis Knödelliebe, die Meinung vieler Hersteller zusammen. Marcus Amman, Verantwortlicher für Unternehmenskommunikation beim Hersteller Hilcona, sieht dadurch folgende Trends: „Die Essgewohnheiten haben sich in der Coronazeit gewandelt. Immer mehr Menschen ernähren sich bewusster, greifen zu vegetarischen und veganen Lebensmitteln. Fleischersatzprodukte erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Coronakrise hat also einen Effekt auf den Lebensmittelkonsum und die Ernährungsweise der Menschen, der bleiben wird.“ Timo Burger, Geschäftsführer von Burgis, ergänzt: „Aus meiner Sicht wird der Verbraucher verstärkte Transparenz bei der Produktion seiner Lebensmittel fordern. Nachhaltigkeit, Regionalität, Tierwohl und ökologische Aspekte werden immer wichtiger bei der Kaufentscheidung. Hinzu kommt der Trend der pflanzenbasierten Lebensmittel.“ Walter Bauer, Vertriebsleiter des Herstellers Settele, ergänzt: „Die Themen Nachhaltigkeit, Gesundheit und verantwortungsvolle Ernährung haben stark an Bedeutung gewonnen. Dadurch nehmen nachhaltige Lebensmittel und Bio-Produkte einen immer wichtigeren Stellenwert bei den Konsumenten ein.“ Auch Eckart Voth, Geschäftsführer von Henglein, hat festgestellt, dass „die fehlenden Out-of-Home-Verzehrmöglichkeiten während der Corona-Hochphasen sich positiv in unseren Absätzen bemerkbar gemacht haben“.

Trends nach Corona
Was nach Corona kommt – in dieser Einschätzung sind sich die Hersteller treu geblieben. „Auch wenn sich die Konsumgewohnheiten nach der Coronapandemie wieder etwas einzupendeln scheinen, bleibt das Thema Kochen relevant“, sagt Claudia Hauschild, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Rügenwalder Mühle. Die Segmente Frischteige, Kartoffelprodukte und Nudeln gehörten neben den vegetarischen Fertig- und Teilfertigprodukten im Zeitraum von Januar bis August 2021 im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum weiterhin zu den Top-Segmenten. Somit hat die Pandemie auch die Kategorie „gekühlte Convenience“ nachhaltig beeinflusst. Auch der Absatz von Bio und Veggie ist gestiegen: Stefanie Wallisch, Projektmanagerin von Burger, berichtet: „Wir bemerken, dass die Verbraucher noch häufiger als in den vergangenen Jahren zu vegetarischen und veganen sowie zu Bio-Varianten greifen. Die veganen Maultaschen und die Spinat-Maultaschen sind unsere stärksten Neuprodukte dieses Jahr.“

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