Glühwein & Co. So schmeckt der Winter

Weniger Alkohol, mehr Bio und vor allem Regio. So lauten zusammengefasst die Getränketrends für die bevorstehende kalte Saison. Entscheidend für die Verbraucher: Die Qualität muss stimmen, und dafür greifen die Bundesbürger auch etwas tiefer in die Tasche.

Montag, 15. November 2021 - Sortimente
Elke Häberle
Artikelbild So schmeckt der Winter
Bildquelle: Jürgen Holz / Food-Foto-Köln

Winterzeit, warme Getränkezeit. Ob heiß oder kalt, ob mit oder ohne Alkohol: Welches sind die winterlichen Getränketrends in diesem Jahr? Hat die vergangene, vom Lockdown und von ausfallenden Weihnachtsmärkten geprägte kalte Jahreszeit das Trinkverhalten verändert – und wenn ja, wie? Diesen Fragen ging die Lebensmittel Praxis in einer Umfrage unter Händlern nach. Tenor – und damit decken sich die Verbrauchertrends im Getränkebereich mit denen fast aller anderen Segmente im Lebensmittelhandel: Es wird hochwertiger, sprich nicht ganz so preissensibel, gekauft. Regio, Bio sowie Qualität und Geschmack sind entscheidende Kaufkriterien. Und auch alkoholfreie Winterglüher wie alkoholfreier Glühwein, edle Fruchtsäfte, Fruchtglühwein oder Früchtepunsch sind en vogue. Dies unterstreichen unter anderem auch die Zahlen des Verbands der deutschen Fruchtwein- und Fruchtschaumwein-Industrie (VdFw): Konnten 2019 die apfel- und fruchtweinbasierten Saisonspezialitäten wie Fruchtglühwein, Apfelglühwein und Fruchtpunsch trotz eines warmen Winters erneut zulegen, bekam das Segment im Lockdownjahr 2020 (keine Weihnachtsmärkte!) eine Delle, und der Inlandsabsatz an Apfel- und Fruchtglühweinen ging verglichen mit 2019 von 9,4 Millionen auf 6,8 Millionen Liter zurück. Über das ganze Jahr hinweg liegt 2020 der ‧Absatz für Apfel(glüh)wein, Frucht(glüh)wein, Cider und andere apfel- und fruchtweinbasierte Getränke laut Verband allerdings mit 104,1 Millionen Litern nur 0,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis von 104,7 Millionen Litern. Der Branchenumsatz konnte im selben Zeitraum sogar von 114 Millionen auf 118 Millionen Euro gesteigert werden. Klasse statt Masse also auch hier.

Winterhit ist und bleibt aber natürlich Glühwein. „Das Angebot ist massiv breiter geworden“, weiß Michael Glück, Geschäftsführer der R-Kauf Märkte in Rengsdorf. Auf dem Vormarsch: Winzerglühweine. Die Winzer seien hier innovativ und kreativ geworden, weiter greife der Verbraucher verstärkt zu Qualität. Bei Edeka Komp aus Wesel sieht es ähnlich aus. Hochwertige Winzerglühweine – auch von anerkannten VDP-Weingütern – befinden sich laut Geschäftsführer Sven Komp auf der Überholspur, ebenso alkoholfreie Glühweine. Weiter ist bei Komp inzwischen weißer Glühwein – Stichwort Bekömmlichkeit – fast so stark wie der klassische rote.

Wintertrend: Gesünder trinken
Bei Komp ebenfalls auf der Wachstumskurve liegen hochwertige Fruchtsaft(cocktails) aus sortenreinem Obst und alten Sorten wie beispielsweise von der Privatkelterei van Nahmen aus dem norddeutschen Hamminkeln, die zu Hause dann häufig warm gemacht und mit winterlichen Gewürzen angereichert werden. Die für Komp wichtigste Erkenntnis: „Der AfG-Sektor wächst.“ Haben Nicht-Alkohol-Trinker oder Autofahrer bis vor einigen Jahren hier zum Kinderpunsch gegriffen, gebe es nun eine breite Auswahl an weniger süßen Früchtepunsch-Varianten in hochwertiger Gourmet-Qualität.

Das Maß der Dinge im winterlichen Getränkeregal ist auch in den zehn Edeka-Märkten von Stadler + Honner in Bayern der Glühwein. „Sobald es kalt wird, springt Glühwein wieder an“, weiß Geschäftsführer Stephan Stadler – und hier vor allem in Bioqualität. „War Bio hier vor einigen Jahren ein Randprodukt, ist es inzwischen Standard.“ Ein nicht so großes Thema sind dagegen Winzerglühweine. Der Grund: „Es fehlt der regionale Bezug zu Weingegenden.“ Der Südbayer habe weniger Bezug zu beispielsweise Franken oder Würzburg. Vielmehr greife die Kundschaft auch hier zu regionalen und mittelständischen Anbietern, grundsätzlich sei zum Beispiel dem Münchner Südtirol näher als so manche Ecke in Bayern. Weiter ist der Glühwein der Wahl immer noch rot – anders als bei Rewe in Rengsdorf. „Heimat hat Vorfahrt“ gilt bei Stadler + Honner auch im ebenfalls wachsenden Fruchtsaft- beziehungsweise Früchtepunsch-Bereich. Auch hier profitieren wieder Hersteller regionaler und hochwertiger (Bio-)Säfte oder edler Fruchtselektionen wie von Kunzmann (Augsburg), die nicht nur schmecken, sondern auch noch trendig in der Bügelflasche daherkommen.

Und wie sieht es bei Immunboostern und Shots mit Ingwer, Kurkuma etc. aus, die von jungen Unternehmen wie Kloster Kitchen (inzwischen Teil von Eckes-Granini) oder auch von alteingesessenen Saftherstellern wie Rabenhorst in immer mehr Variationen verstärkt auf den Markt gebracht werden? Sehr unterschiedlich, wie die Befragung zeigt. Bei Edeka Komp sind die Shots „längst keine Nische mehr, sondern fast schon so stark wie Smoothies“, so Sven Komp. Bei Martin Budic, Marktmanager des Rewe-Marktes in Unterföhring bei München, laufen die Shots ebenfalls wie geschmiert. Etwas differenzierter beurteilt Stephan Stadler für die zehn Stadler + Honner-Märkte die Lage. Abhängig vom Standort würden die Booster mehr gehypt als gekauft.

Überhaupt bestimmt der Standort oder das Umfeld den Trend. So greifen in urbanen Metropolen die von Bloggern, Influencern, Instagram und Co inspirierten Trendsetter zu Glüh-Gin, Hot Aperol, Hot Hugo & Co. So brummt im Rewe Unterföhring im Winter Glüh-Gin. „Dabei greifen immer mehr junge Erwachsene zu dem Produkt“, so Budic.

Und was sagen die Hersteller? „Diesen Winter begeistern wir mit gleich drei Highlight-Produkten für die kalte Jahreszeit“, so Waldemar Behn, Geschäftsführer des gleichnamigen Spirituosenherstellers aus Eckernförde. So komme nach großem Erfolg im vergangenen Jahr auch dieses Jahr wieder die limitierte Winter-Likör-Edition Dooley’s Marzipan mit einem Schuss Premium-Wodka. Weiter hat die Honigwein-Wikinger-Met-Familie mit Heißer Wikinger Met für die kalte Jahreszeit ebenfalls Zuwachs bekommen und ist laut Hersteller „eine echte Alternative zu Glühwein und Punsch“. Auch in diesem Winter kommt wieder der Dauerbrenner Original Jaga-Tee Alpenmax von Nannerl Salzburg.
Auch von den Herstellern alkoholfreier Getränke gibt es Neues. „Wir beobachten, dass nicht nur alkoho‧lische klassische Cocktails in heißer Form beliebt sind, sondern insbesondere auch neu interpretierte alkoholfreie Hot Drinks gut ankommen“, berichtet Klaus Dose, Vertriebsdirektor Out-of-Home & Feld bei Eckes-Granini Deutschland. So habe man einige Wintergetränke auf Basis der Granini Cocktail Premixes oder mit fruchtigen Sorten aus dem Granini-Trink‧genuss-Sortiment für kalte Tage entwickelt – beispielsweise heiße Varianten von klassischen Cocktails wie Mojito, Piña colada sowie Sex on the Beach, aber auch alkoholfreie Winterdrinks wie den Orange Star, Fruity Cob oder Hot go Lime.

High Noon im Winter haben im Spirituosenbereich natürlich auch edel verpackte Xmas-Editionen und bei den Brauern spezielle Winterbiere. Über alle Segmente hinweg profitieren von Flensburg bis Oberstdorf regionale Hersteller, die auf Qualität statt auf billige Preise setzen.

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