Nonfood Rettungsanker Lebensmittelhandel

Nonfood in Zeiten der Corona-Krise ist für die schwer gebeutelten Einzelhandelsfachmärkte eine harte Bewährungsprobe. Einen echten Lichtblick lieferte vielen Anbietern da vor allem der LEH.

Mittwoch, 09. Juni 2021 - Sortimente
Rolf Schlipköter
Artikelbild Rettungsanker Lebensmittelhandel
Bildquelle: Arne Rechel

Spätestens seit dem dritten Lockdown mit der erneuten Schließung weiter Teile des stationären Nonfood-Einzelhandels ist der Frust vieler Kaufleute im Flächengeschäft so groß wie die Sorge zahlreicher Lieferanten, den letzten Zwölf-Monats-Zyklus mit tiefroten Zahlen abhaken zu müssen. Bei vielen kleinen Einzelhändlern geht es inzwischen ums nackte wirtschaftliche Überleben – staatliche Stützungsprogramme hin oder her. Landauf, landab im stationären Einzelhandel und bei Lieferanten von Bekleidung bis Spielwaren, sorgenvolle Mienen und bange Blicke auf die Corona-Wocheninzidenz als Perspektiv-Indikator. Fein raus scheinen da nur die Anbieter zu sein, deren Warengeschäft mit Endverbrauchern überwiegend online stattfindet oder die ein starkes Angebots-Standbein im Nonfood-Bereich des Lebensmittelhandels haben und sich so wiederkehrendes Aktionsgeschäft und feste Regalplätze bei den Händlern sichern konnten. Ihnen gelang es insbesondere in den letzten Monaten der Pandemie häufig, bedrohliche Erlösausfälle aus den komplett geschlossenen oder eingeschränkt zugänglichen Fachmärkten mit einem starken LEH-Umsatz auszugleichen. Häufig waren bei diesen Lieferanten dabei sogar echte Umsatzzuwächse drin. Und dies neben den traditionell starken Nonfood-Eigenimporten im Aktionskalender der Handelsseite. Wobei im Import ohne die Logistikprobleme im Frachtverkehr aus Asien sicher noch deutlich mehr Umsatz möglich gewesen wäre.

Eine regelrechte Nonfood-Sonderkonjunktur im LEH erlebten vor allem Anbieter von Warengruppen wie Büchern, Haushaltswaren, Heimwerkerprodukten, Schreib- und Spielwaren sowie Unterhaltungselektronik, um nur einige wichtige zu nennen. Sie verzeichneten bislang teilweise deutlich zweistellige Wachstumsraten gegenüber Vor-Corona-Zeiten. Dazu Stimmen von der Lieferantenseite:

Ludwig W. Klaffenbach, Sprecher der Geschäftsführung Zwilling J. A. Henckels Deutschland GmbH:
„Die coronabedingte Schließung des Fachhandels und der Kauf- und Warenhäuser hat uns ähnlich getroffen wie die gesamte Branche für hochwertige Küchenausstattung. Neben einem erstarkten Onlinegeschäft konnten wir auch unsere bereits zuvor sehr guten Gesamt-Abverkäufe im Lebensmitteleinzelhandel noch einmal signifikant steigern. Hier zahlt es sich aus, dass wir zusammen mit unseren Partnern im Lebensmitteleinzelhandel schon seit Längerem an neuen Flächenkonzepten für den Nonfood-Bereich arbeiten. Deutlich überproportionale Umsatzzuwächse konnten wir mit unseren Zwilling-Produkten besonders in den Segmenten Kochgeschirr sowie Besteck realisieren. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum reden wir insgesamt von einer deutlich zweistelligen Wachstumsrate.“

Thomas Stopa, Geschäftsführender Gesellschafter Happy People GmbH & Co. KG:
„Es hat sich grundsätzlich eine ganz deutliche Verschiebung von Nonfood-Artikeln in Richtung LEH – und Drogeriemärkte – ergeben. Die große Herausforderung bestand darin, die einerseits enorm gestiegene Nachfrage des LEH nach Spielwaren mit den in unserem Lager vorhandenen Artikeln zu befriedigen – die ja eigentlich zum Teil für den Nonfood-Handel bestimmt waren, aber aufgrund des Lockdowns nicht ausgeliefert werden konnten. Hier mussten wir abwägen, ob wir uns neue Potenziale auch für die Zukunft sichern wollten oder lagernde Ware für einen unbestimmten Zeitpunkt für den Nonfood-Handel reservieren. Wir konnten im LEH in nahezu allen Indoor- und auch Outdoor-Kategorien enorme Zuwächse verzeichnen. Unsere Indoor-Artikel vom Rollenspielzeug über RC-Fahrzeuge bis hin zu kreativen Bastelartikeln konnten deutlich zulegen. Renner waren die Artikel, die verfügbar waren! Hätten wir alle Anfragen des LEH befriedigen können, läge unser Zuwachs im Bereich von 50 bis 60 Prozent. Tatsächlich konnten wir hier bis dato um rund 20 Prozent zulegen.“

Kai Gellert, Geschäftsführer Buchpartner GmbH: „Insbesondere der Kinderbuchbereich sowie Beschäftigungsbücher erlebten einen Höhenflug im Lebensmitteleinzelhandel. Beispielsweise die Kinderbücher, erreichten in manchen Wochen der Pandemie eine sehr deutliche Steigerung von bis zu 100 Prozent im Vergleich zu den Vorjahreswerten. Bisher war zudem eine Nahversorgungsfunktion des Lebensmitteleinzelhandels im Buchbereich in ländlichen Regionen zu beobachten, aus Mangel an alternativen Verkaufsflächen für das Buch. Durch die Pandemie und die damit einhergehenden Ladenschließungen war dies jetzt auch flächendeckend im gesamten Bundesgebiet der Fall. Viele Neukunden haben die attraktiven Buchkonzepte im Lebensmitteleinzelhandel nun auch dauerhaft für sich entdeckt, sodass auch künftig hohe Abverkäufe zu verzeichnen sein werden.“

Jörg Lindemann, Geschäftsführer/CEO Hailo-Werk Rudolf Loh GmbH & Co. KG:
„Aufgrund der coronabedingten Verschiebung von Ausgabeprioritäten der Verbraucher – weg von Ausgaben wie zum Beispiel für Reisen hin zu Ausgaben wie beispielsweise für häusliche Renovierungsarbeiten – konnten wir insbesondere bei unseren Leitern eine enorme Nachfragesteigerung feststellen. Von Sprossen- über Stufenleitern und Klapptritten bis hin zu unserem einzigartigen Treppenpodest TP1 konnten wir dem steigenden Bedarf kaum nachkommen. Von manchen Produkten wie zum Beispiel unserer Profilot-Sprossenleiter mit Niveauausgleich konnten einige unserer Kunden die Abverkäufe 2020 mehr als verdoppeln. Der LEH hatte seit Beginn der Pandemie und den damit einhergehenden Öffnungsbeschränkungen sicher einen Vorteil gegenüber anderen Handelsformen, die zumindest zeitweise von Schließungen betroffen waren. Auch Hailo konnte einen zweistelligen Zuwachs in diesem Kanal feststellen.“

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