Feinkost Steigende Ansprüche

Corona stimuliert Ab- und Umsatz bei den Feinkostsalaten im LEH. Die Marke profitiert davon am stärksten. Vegan / vegetarisch und unterschiedliche Länderküchen sind klare Trends.

Freitag, 30. April 2021 - Sortimente
Dieter Druck
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Bildquelle: Ingo Hilger

Gastronomie oje, Lebensmittel-Einzelhandel oho! Corona hat den Um- und Absatz der Feinkostsalate im Lebensmittel-Einzelhandel deutlich beflügelt. Das Segment Feinkostsalate total im LEH + DM erzielte laut Nielsen im vergangenen Jahr gegenüber 2019 einen wertmäßigen Umsatzzuwachs von 4,5 Prozent, beim Absatz waren es plus 2,2 Prozent.

„Für Popp hat sich das Geschäft unterschiedlich entwickelt“, konstatiert Marketingleiter Alexander Schmolling. Der Umsatz im GV-Geschäft sei eingebrochen, während im LEH gute Wachstumsraten erzielt worden seien. Die Marke Popp verzeichnete im vergangenen Jahr bei den Feinkostsalaten total ein Umsatzplus von 26,8 Prozent sowie eine Absatzsteigerung von 29,4 Prozent (Nielsen, LEH + DM, MAT 2019 zu MAT 2020). Das passt auch zur guten Performance des allgemeinen Markengeschäfts bei Feinkostsalaten, das wertmäßig im genannten Zeitraum laut Nielsen um 6,4 Prozent deutlich zulegte. Die Handelsmarken blieben mit einem bescheidenen Plus von 0,3 Prozent hier deutlich zurück.

Popp baute zum 100-jährigen Firmenjubiläum 2020 die führende Marktposition nach eigenen Angaben weiter aus und hat mit dem Brotaufstrich Eiersalat inzwischen den absatzstärksten Feinkostsalat-Markenartikel in Deutschland (Nielsen Answers, Feinkostsalate, Deutschland LEH + DM, MAT KW 1 bis 53/2020) in seinem Portfolio. „Seit wir ab 2014 in die Marke investieren und unsere Marketing-Aktivitäten intensiviert haben, erlebt die Marke Popp eine starke Entwicklung“, erläutert Schmolling. Ein zentraler Ansatz war die Personalisierung über das Konterfei und den Namenszug von Firmengründer Walter Popp. Das ziert seit rund zwei Jahren die Kartoffel- und Beilagensalate und seit einem Jahr auch die Fleisch-, Geflügel- und Fischsalate. Dies werde vom Verbraucher bestens angenommen und schlage sich in zweistelligen Zuwächsen in beiden Sortimenten nieder, heißt es bei Popp

Besondere Wachstumsimpulse
Auch Homann partizipiert am allgemeinen Marktwachstum der Feinkostsalate. Insbesondere bei den Fleischsalaten habe man ein „solides Wachstum“ von 7,7 Prozent erzielt (Nielsen, Umsatz LEH + DM, MAT KW 9/21 versus Vorjahr), unterstreicht man in Dissen. Ebenso ergab sich ein Plus von 2,8 Prozent im genannten Zeitraum bei den Nudelsalaten. Besondere Wachstumsimpulse gehen nach eigenen Angaben von der Marke Nadler aus. Der Gesamtmarkt Fischfeinkost legte im aufgelaufenen Jahr bis zur KW 9/21 wertmäßig um 16 Prozent zu, insbesondere getrieben durch die Teilbereiche Fischspezialitäten und Fischmarinaden. Nadler verbucht ein Umsatzplus von elf Prozent, wesentlich getragen durch die beiden Kernsegmente Filets in tafelfertiger Soße (plus 16 Prozent) und Matjes (plus 30 Prozent). Damit festige Nadler seine Marktführerschaft mit einem Marktanteil von 4,1 Prozent nach den Eigenmarken (Nielsen Umsatz LEH + DM, gek. Fischmarinaden und -spezialitäten), äußert man sich in Dissen. Und so soll es weitergehen – auch mitgetragen von der neuen Fischglück-Range, die im September eingeführt wurde. Sie habe der Marke neue Käufer beschert und ebenso zum Umsatzwachstum der gesamten Kategorie beigetragen. Aktuell wird die Linie erweitert um ein Ganzjahresprodukt (Hering & Garnele in Gemüse-Creme) sowie ein Saisonprodukt (Hering & Spargel Happen mit Kartoffeln in Sahnesauce). Weitere Aktionen sind für die zweite Jahreshälfte geplant. Aktuell wird auch an der Verjüngung der Marke gearbeitet.

Ein kleiner Trend mit viel Zulauf im letzten Jahr sind laut GfK Feinkostsalate auf Sojabasis. Deren Käuferreichweite ist von 1,4 Prozent auf 2,3 Prozent gestiegen. Ein gewisser Trend ist aber auch der Verzicht auf die Sojabasis. Vor allem Fleischsalate werden mit Fleischalternativen vegetarisch oder vegan angeboten.

Vegane Fischalternativen
Als Nächstes könnten pflanzenbasierte Fischalternativen folgen. Iglo führt die ersten veganen Fischstäbchen ein und die Nordsee-Restaurants haben in diesen Tagen nach sechswöchiger Testphase auch einen ersten Schritt in diese Richtung unternommen und die Klassiker – in „veganer Schreibweise“ Backvisch-Baguette und Visch & Chips – aufgelegt, um so vor allem jüngere Zielgruppen und Neuverwender zu erreichen. Die beiden Fischalternativen bestehen ausschließlich aus natürlichen Zutaten, ohne Verwendung von Sojabohnen. Es werden drei Arten von Grundmassen verarbeitet, die in veränderlichen Teilen aus Proteinen von Reis, Weizen und Hülsenfrüchten bestehen. Die Produkte wurden mit dem niederländischen Start-up Novish entwickelt, das sich als Pionier bei den pflanzlichen Fischersatzprodukten sieht.
Vegan/vegetarisch ist aber insbesondere bei Fischfeinkost noch eine klitzekleine Nische. Das sieht man bei Nadler genauso. Produkte mit Fischalternativen stünden ganz am Anfang ihrer Entwicklung und die Nachfrage sei noch sehr gering. Das mag daran liegen, dass das wirklich überschaubare Angebot kaum oder gar nicht vom Kunden wahrgenommen wird und dass hier beständige Konsumgewohnheiten sowie Produkterwartungen zum Tragen kommen, die den Alternativen nicht zugeschrieben werden. Nichtsdestotrotz gibt es ja auch die auf Herstellerseite hoch gehandelten jüngeren Neuverwender.

Aber es gibt auch andere vegan/vegetarische Ansätze, wie das Beispiel Lauenroth zeigt. „In den vergangenen Jahren konnten wir erfolgreich unsere Algen- und Wakame-Produkte als Trend-Food im Markt etablieren“, untermauert Sandra Krause, Vertriebs- und Marketingassistenz. Aktuell prägen aus ihrer Sicht vor allem Vielfalt und Internationalität den Feinkostmarkt. Unter anderem durch den demografischen Wandel würden gleichzeitig kleinere Gebindeeinheiten stärker nachgefragt. Generell wecke Nachhaltigkeit das Kundeninteresse, und vor allem seien die Qualitätsansprüche der Käufer auch im Zuge der Pandemie deutlich gestiegen.

Saisonale Akzente am PoS setzen
Pia Steffens-Stelljes, Produktmanagerin für die Marke Beeck bei Deutsche See, geht davon aus, dass saiso‧nale Themen in diesem Jahr für den Handel noch mehr an Bedeutung gewinnen werden, weil sie dem Kunden Abwechslung im tristen Pandemie-Alltag schenken würden. Dass saisonale Feinkostprodukte aktuell noch besser als in den letzten Jahren funktionierten, liege einerseits daran, dass der Einzelhandelskunde sich auf saisonale Artikel und damit Abwechslung freue, sagt Pia Steffens-Stelljes. Andererseits spielen aus ihrer Sicht ebenso Nachhaltigkeitsaspekte hier eine große Rolle. Denn saisonale Artikel wie Spargelsalat oder Grillsalate mit regionalen Rohwaren würden ein „gutes Gefühl“ beim Einkauf vermitteln. „Ferner erkennen wir ein sich fortsetzendes Wachstum im Bereich vegan/vegetarisch und Superfood.“

Des Weiteren registriert man bei Beeck einen Trend zur Länderküche. Gerade im Sommer seien asiatische, orientalische und südamerikanische Rezepturen sehr beliebt. Corona verstärke diesen Effekt wohl, da der Verbraucher gerade jetzt an der Bedientheke Abwechslung für zu Hause suche. „Denn die Corona-Pandemie führt auch zur Entschleunigung des Alltags – wir nehmen uns mehr Zeit, genießen bewusst und verspüren mehr Lust zum Ausprobieren.“ So nehmen Experimentierfreudigkeit und der Wunsch nach bewussterer Ernährung weiter zu. Von daher dürfte auch der Nutri-Score ein relevantes Thema sein, das den Markt für Feinkostsalate früher oder später beschäftigen wird.

„Wir spüren eine deutliche Entwicklung hin zu vegetarischen und veganen Produkten. Obwohl wir diese Salate schon seit Jahren im Sortiment haben und diese über 50 Prozent unseres gesamten Sortimentes ausmachen, werden wir dies weiter ausbauen“, konstatiert man bei Grossmann (Wernsing-Gruppe). Der Hersteller bedient im LEH verschiedene Touchpoints wie die klassische Theke, die Salatbars und mit zahlreichen Konzepten den Prepack-Bereich.

Wichtig sei aktuell in diesem Zusammenhang die gut sichtbare Auslobung auf den Produkten. Auf einen Blick die wichtigsten Informationen – das werde in Kürze unter anderem für die unterschiedlichen Kleinverpackungssortimente umgesetzt. Die Levante- und Mittelmeerküche bestätigt sich für Grossmann weiterhin, sodass hierauf weiter mit Sortimentsergänzungen reagiert werde. Auch in Salatbars setzen sich diese Rezepturen mehr und mehr durch.

Da reagiert einer kühl
Vielleicht taucht auch die Marke Appel in dem gekühlten, feinköstlichen Segment bald auf. Die Cuxhavener stellen in diesem Jahr mit „einigen wegweisenden Neuerungen die Weichen für die Zukunft“. Das Traditionsunternehmen kündigt an, in den kommenden Jahren frische Fischfeinkost ins Sortiment aufnehmen zu wollen und dieses Angebot schrittweise auszubauen. Neben dem unverändert wichtigen Standbein der Fisch-Dauerkonserven, werden Produkte aus dem Kühlregal avisiert. Dafür wird in neue Technologien und Produkte investiert. Im Frischebereich profitiere Appel künftig auch vom Know-how anderer zur Heristo-Gruppe gehörenden Unternehmen, erklärt man in Cuxhaven. Das macht neugierig.

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