Darboven Doppelt gut

Axel Kampmann, Geschäftsleiter bei J. J. Darboven, setzt auf Doppelzertifizierungen, also Bio und Fairtrade. Ein Trend, den die Corona-Pandemie weiter verstärken dürfte.

Dienstag, 16. März 2021 - Sortimente
Elena Kuss
Artikelbild Doppelt gut
Bildquelle: Frederik Röh

Die Heißgetränke sind gut davongekommen im Corona-Jahr 2020. Im Zeitraum von März bis Dezember wächst das Segment um 9 Prozent. 7,6 Prozent davon Kaffee. So die Zahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen. Der Absatz steigt stärker als der Umsatz. Die Preise stehen weiter unter Druck. Dabei bleibt Nachhaltigkeit für den Verbraucher ein wichtiges Thema, für das er gerne ein bisschen tiefer in die Tasche greift. Auch J. J. Darboven setzt mit seinen Marken vermehrt auf nachhaltige Themen: Mövenpick stellte 2020 auf Bio-Kunststoff-Kapseln um, Café Intención launcht eine faire Kakaomarke.

Gleichzeitig nimmt der Verbraucher das Engagement der Kaffeebranche nicht wirklich wahr, wie eine Hamburger Studie zeigte: Fast keine Kaffeemarke wurde von den befragten Kaffeetrinkern als umweltbewusst oder nachhaltig eingestuft. Im März 2020 hat Axel Kampmann seine Position in der internationalen Geschäftsführung von J. J. Darboven angetreten. Innerhalb des Kaffeekonzerns folgt er auf Christian Sayn-Wittgenstein und verantwortet die Bereiche Marketing und Vertrieb.

Herr Kampmann, Sie sind im März 2020 zu Darboven gestoßen. Wie war der Einstieg ins Unternehmen in einer so außergewöhnlichen Zeit?
Axel Kampmann: Der Einstieg zu dieser Zeit war schon sehr außergewöhnlich. Im März 2020 hat sich noch niemand vorstellen können, was für entscheidende Veränderungen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich auf uns zukommen werden. Wir haben bei J. J. Darboven sofort reagiert und zahlreiche Maßnahmen zum Schutz unserer Mitarbeiter ergriffen. Unter anderem haben wir die komplette Verwaltung in ein Zwei-Schicht-System eingeteilt. Das hat auch für mich persönlich bedeutet, nur noch jeden zweiten Tag vor Ort sein zu können. Damit wurden die Einarbeitung und das Kennenlernen der Mitarbeiter natürlich etwas erschwert. Vieles ist heute digital möglich. Ein persönliches Kennenlernen hat aber dennoch eine ganz andere Qualität. Zudem war es leider kaum möglich, unsere ausländischen Tochtergesellschaften in Europa zu besuchen, weshalb ich mich zunächst auf den deutschen Markt konzentriert habe. Hier habe ich im Jahr 2020 viel gelernt und konnte auch mein zu Beginn doch nur sehr rudimentäres Kaffeewissen ausbauen.

Ihr Schwerpunkt liegt auf Marketing und Vertrieb. Wie hat sich das durch die Pandemie verändert?
Wir konnten die gesamte Firmengruppe sehr gut durch das letzte Jahr führen und hatten keine Infektionsketten – weder in der Produktion noch in der Verwaltung. Aber die Pandemie hat das Verbraucherverhalten verändert. Der Wunsch nach mehr Sicherheit führt dazu, dass die Marke an sich wieder stärker als Orientierungsanker fungiert, dem die Verbraucher vertrauen. Außerdem gönnt man sich jetzt gerne einen „guten“ Kaffee zu Hause. Wir bieten dabei mit unseren Premiummarken die passenden Konzepte. Ebenso ist der per se bereits vorhandene Trend zu nachhaltigen Produkten weiter gestärkt worden. Davon profitiert insbesondere unsere Bio-Fairtrade-Marke Café Intención enorm. Außerdem fokussieren wir uns im Marketing auf das Wachstumssegment „ganze Bohne“ sowie auf eine verstärkte Online-Kommunikation.

Sind Lieferengpässe jetzt noch denkbar?
Wir garantieren unseren Kunden im LEH und in der Gastronomie weiterhin die höchstmögliche Liefersicherheit sowie die bestmögliche Qualität. Aufgrund der langjährigen und sehr persönlichen Beziehungen zu den Rohkaffee-Lieferanten sehen wir da aktuell keine Schwierigkeiten.

Muss sich der Handel auf höhere Preise einstellen?
Zum Thema der Preisstellung äußern wir uns nicht.

Ein wichtiger Baustein des Kaffeepreises ist die erfolgreiche Ernte. Wie ist das 2020 gelaufen?
Trotz der weltweit herrschenden Pandemie sind alle logistischen Herausforderungen von uns gemeistert worden. Ebenso gibt es keine Auswirkungen bezogen auf die Kaffee-Ernte. Im Ursprung unterstützen wir vor allem in Honduras mit unserem eigenen Förderprojekt H.E.L.P. (Honduras Education Life Project) Kleinbauern vor Ort in St. Bárbara – und das bereits seit 2016. Dabei geht es uns um eine ganzheitliche Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Auch der Klimawandel ist eine große Herausforderung. Welchen Stellenwert hat nachhaltiger Anbau bei Darboven?
Albert Darboven war der erste Großröster, der bereits 1997 mit voller Überzeugung Transfair unterstützt hat. Wir sind sehr stolz auf diese Vorreiterrolle als Fairtrade-Pionier im Kaffeemarkt. Sowohl im klassischen LEH wie auch im gesamten Außer-Haus-Markt betreiben wir seitdem viel Aufklärungsarbeit für das Fairtrade-Siegel und den Stellenwert von nachhaltigem Anbau. Gerade Doppelzertifizierungen, also Bio- und Fairtrade-Zertifizierungen, werden aktuell bereits sehr stark nachgefragt. Dieser Trend wird sich nicht nur fortsetzen, sondern noch verstärken.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?
Die Nachhaltigkeit hat bei J. J. Darboven in allen Aspekten, also den sozialen, ökologischen und ökonomischen, einen hohen Stellenwert. Es ist ein permanenter Prozess der Verbesserung, und wir haben bereits viel erreicht. Im Bereich der Verpackungen prüfen wir ständig, ob es neuere, nachhaltigere Materialien gibt, die uns die Möglichkeit geben, unsere Produkte in Premiumqualität herzustellen und auszuliefern. Wo immer es möglich ist, verwenden wir Fairtrade-zertifizierte Ware und unterstützen von Beginn an die Kommunikationsarbeit des Vereins. Diese Arbeit ist für uns essenziell, aber wir wissen auch um das Potenzial, das in diesem Bereich noch vorhanden ist.