Anzeige

Unterstützung von KMU Digitale Hürden überwinden

Silvia Schulz | 02. Oktober 2019
Unterstützung von KMU: Digitale Hürden überwinden
Bildquelle: pro agro

Lebensmittel aus der Region sind Trend. Doch wie schaffen es kleine und Kleinsthersteller, den Vorschriften und Anforderungen zu entsprechen? Ein Brandenburger Forschungsprojekt will helfen.

Anzeige

Rund zwei Drittel der Verbraucher, so das Bundeszentrum für Ernährung, bevorzugen regionale Lebensmittel. Doch kleine und Kleinsthersteller müssen, bis die Produkte im Laden stehen oder auf anderen Wegen vertrieben werden können, eine Menge an Vorschriften beachten und erfüllen.
Viele Klein- und Kleinstunternehmen (KMU) haben keinen Zugang zum Lebensmittelhandel. Grund dafür sind auch die Informationsanforderungen des Handels. Firmen mit zwei, drei, vier Mitarbeitern fehlt es nicht nur an Manpower, es fehlt an Wissen, an Hardware und oft auch am notwendigen Budget. Auch gibt es keine IT-basierten Planungssysteme für KMU. Digitalisierung ist die Ausnahme. Pro Agro, der Agrarmarketingverband Brandenburg, will die Unternehmen unterstützen beim Markteintritt und der Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und damit auch bei der Bewältigung digitaler Herausforderungen.
Im Rahmen des Forschungsprojekts „Regio-Food_Plus“, einem vom Bundesministerium für Forschung und Bildung geförderten Brandenburger Verbundprojekt, betrieben Pro Agro und SIBB (Verband der Software-, Informations- und Kommunikations-Industrie in Berlin und Brandenburg) Marktforschung. 73 Unternehmen nahmen teil. Es zeigte sich: Mehr als 80 Prozent fehlt es schlicht an Zeit für die Digitalisierung im Unternehmen. 60 Prozent geben Finanzen als Grund an. Mit mehr als 50 Prozent folgen die (fehlende) IT-Kompetenz und Systemauswahl.
Kristin Mäurer, Fachbereichsleiterin Pro Agro, sieht in der Unterstützung der KMU eine wichtige Aufgabe. Pro Agro richtet den Fokus auf die objektive Beratung der Unternehmen bei der Einführung digitaler Lösungen sowie in der Qualifizierung für die Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelhandel. Als Beispiel nennt Mäurer die Erarbeitung von Handreichungen/Checklisten sowie die Identifizierung von Weiterbildungsangeboten, mit denen die Unternehmen selbstständig die eigenen Prozesse, die Umsetzung von rechtlichen Vorgaben sowie Anforderungen des Handels im eigenen Unternehmen analysieren und weiterentwickeln können. Dazu gehört auch die gemeinsame Ermittlung alternativer Vermarktungs- und Vertriebskonzepte oder die Beratung bei der Auswahl von Fördermöglichkeiten. Die kleinen Firmen brauchen ein Dokumentations- und Nachweissystem, das auf ihren Bedarf ausgerichtet ist. Die Erfassung muss einfach sein, so die Expertin, und die Lieferwege müssen transparent gemacht werden möglicherweise bis zum QR-Code für den Verbraucher.

Regio-Food_Plus soll eine Lösung bieten
Das Unternehmen Lienig Wildfruchtverarbeitung ist Projektpartner bei Regio-Food_Plus. Warum? Geschäftsführer Frank Lienig: „Das Thema traf genau auf unsere aktuellen Bedürfnisse wie etwa Einrichtung eines Qualitätsmanagementsystem, Notwendigkeiten aus der jährlichen Bio-Kontrolle sowie die organisatorische Begleitung beim Bezug der erweiterten Betriebsstätte.“ Das Unternehmen ist Referenzbetrieb „Fruchtverarbeitung“: Die Prozesse werden exemplarisch für andere Interessenten dargestellt. Das ist natürlich Mehraufwand, „von dem aber auch unser Betrieb profitiert“, wie Lienig betont. Gerade kleine Unternehmen müssten sich drüber im Klaren sein, dass jede produzierte Charge rückverfolgbar sein müsse.
Das Projekt endet laut Kristin Mäurer (Pro Agro) im Sommer 2019, die eigentliche Arbeit für die Firmen fange dann aber erst an. „Ziel ist die Arbeitserleichterung und Wettbewerbsfähigkeit für all die kleinen Produzenten.“ Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten, für Hersteller, den Handel und für die Verbraucher, die künftig neben dem Hofladen oder dem Wochenmarkt auch bei ihrem täglichen Einkauf beim örtlichen Einzelhändler saisonal und regional einkaufen können und die Wertschöpfungskette in der Region halten.