Anzeige

Frei von Endlich einmal alles ohne

Andrea Kurtz | 06. Juli 2018

Kunden, die Produkte ohne Zusatzstoffe benötigen oder wollen, wurden hier fündig: Der Onlineshop „Unverträglich“ verkaufte seine Artikel eine Woche lang im Pop-up-Store mitten in Berlin.

Anzeige

Es sind doch eine ganze Menge Menschen betroffen: 22 Prozent der Deutschen können aufgrund einer Nahrungsmittelintoleranz nicht alle Lebensmittel sorgenfrei essen. Vor allem die Anzahl der Laktoseintoleranzen hat sich in den vergangenen Jahren laut Ernährungsreport der Techniker Krankenkasse verdoppelt: Waren es 2013 noch lediglich vier Prozent, gaben 2017 bereits 7 Prozent der Befragten an, dass laktosehaltige Produkte Beschwerden auslösen. Nach Laktose verursachen Nüsse und Früchte am zweithäufigsten Beschwerden. „Trotzdem ist das Einkaufen geeigneter Lebensmittel für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten noch häufig eine Last“, so die Erfahrung von Marko Schwertfeger, Professor für Handelsmarketing an der HWR Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Schwertfeger hatte den Wunsch, neben dem Hochschul-Job ein eigenes Unternehmen aufzubauen, und kam durch Gespräche im Freundeskreis auf das Problem der zusatzstofffreien Produkte.

Das Ziel: Shoppen mit Spass
Viele Läden führten nur wenige Produkte, obwohl der Markt eine große Auswahl bietet. Oft werde auf Produkten auch nicht eindeutig deklariert, bei welcher Unverträglichkeit das Produkt ungeeignet wäre. „Wir wollen dazu beitragen, dass das Thema so gesellschaftsfähig wird, dass Menschen ganz normal einkaufen gehen können“, sagt er. Er sich bewusst, dass er in einer besonderen Position bei der Gründung seines Shops war. „Zum Gründen braucht es Mut und Geld, aber ich kann das durch meine BWL-Professur gut abfedern.“ Schwertfeger kommt von der Metro, hat in Düsseldorf Customer Relationsship Marketing (CRM) betrieben – landete dann aber der Liebe wegen in Berlin. 2015 hat er „Unverträglich“ als Onlineshop gegründet – mit 400 Produkten zunächst. Jetzt sind es 1.400 sonst eher nicht erhältliche Artikel. „Sobald ein Artikel bei den Großen wie dm oder Alnatura landet, nehme ich ihn aus meinem Sortiment“, sagt Schwertfeger.

Tipp: Fiberhusk aus Skandinavien
  • Das glutenfreie, low-carb-Mehl aus Dänemark wird aus pulverisierten Psyllium Flohsamenschalen der indischen Pflanze Plantago Ovata hergestellt.
  • Fiberhusk ist dadurch geschmacksneutral, glutenfrei, ohne Kohlenhydrate und mit 85 Prozent wasserlöslichen Ballaststoffen.
  • Durch die hohe Quellfähigkeit bekommen die Backwaren, die mit Fiberhusk gefertigt werden, Konsistenz und Frische.

Experiment Pop-up-Store
Sein Online-Shop „unverträglich.de“ machte im Mai mit einem stationären Pop-up Store im Herzen von Berlin auf das Thema „zusatzstoffrei“ aufmerksam. Unter dem Motto „Eine Woche. Ein Laden. Ein Paradies.“ wollte die Aktionswoche eine Plattform für professionelle Beratung, Austausch, Produkttests, Vorstellung internationaler Hersteller und zum Einkaufen bieten.


Schwertfeger trug sich schon lange mit dem Gedanken, einen temporären Shop auszuprobieren, fand aber nicht die geeignete Fläche, um seine rund 1.000 Artikel gut zu präsentieren. Berlin lag nahe, aber auch in Stuttgart, Hamburg oder Düsseldorf ist es denkbar, einen solchen Shop zu testen.

Die Ladenfläche in den Heckmann-Höfen (an der Oranienburger Straße) war mit rund 100 Quadratmetern groß genug, um auch umfangreichere Mengen Bier (Lammsbräu), Brot, Backmischungen, Snacks und Suppen (auch im Becher), Mehl- und Zuckerersatz, Convenience-Produkte für die schnelle Küche und Kinder – sogar gekühlte frische Pasta und auch solche ungewöhnlichen Dinge wie einen Toast-Beutel, in dem glutenfreies Brot im selben Toaster wie herkömmliches geröstet werden kann, ohne kontaminiert zu werden. Auch trendige Produkte wie glutenfreie Eiswaffeln, Bonbons oder Haferriegel waren vor Ort im Sortiment. Eine knapp zwei Meter lange TK-Truhe hielt Minibaguettes vor, sogar im eigenen Beutel, um auch in Familien oder Wohngemeinschaften denselben Backofen nutzen zu können. Die glutenfreien Backwaren-Spezialitäten zum Aufbacken oder zum Direktverzehr von Böcker aus Minden gab‘s zum Kosten.

Fakten
  • Der 2015 gegründete Online-Shop unverträglich.de bietet mehr als 1.400 Produkte für Menschen mit Nahrungsmittelintoleranzen.
  • Das Sortiment ist auf glutenfreie sowie fructosearme Ernährung spezialisiert und bietet zudem viele Lebensmittel an, die frei von Hefe, Ei und Laktose und vielen weiteren Allergen sind oder für eine vegane Ernährungsweise geeignet sind.
  • „Unverträglich“ ist der erste Shop seiner Art, der auch Tiefkühlprodukte liefert.
  • Der Shop bietet Produkte nationaler und internationaler Hersteller wie Frusano, Huttwiler glutenfree, Alnavit, Bauckhof, Seitz glutenfrei sowie Schär und liefert europaweit aus.

Im Kontakt mit dem Kunden
Marko Schwertfeger hat sich in der Pop-up-Woche die Zeit genommen, um im Geschäft zu verkaufen und mit Kunden sprechen zu können. Auch Anregungen wie die Nachfrage nach einem speziellen Riegel hat er sofort aufgegriffen; den wird es künftig im Sortiment geben. Der wirtschaftliche Erfolg war übrigens beachtlich; es kamen rund 700 Kunden. Bons von rund 50 Euro für einen Einkauf waren keine Seltenheit; im Durchschnitt wurden 30 Euro ausgegeben.

Tipp: Böcker Backwaren
  • glutenfrei, laktosefrei und vegan
  • aus mildem, glutenfreien Sauerteig; das verbessert Aroma und Frischhaltung
  • Die Artikel (im vakuumierten Beutel) können vor dem Verzehr erhitzt werden.