Coppenrath & Wiese Interview Aber bitte mit Sahne! - Interview: Teil 3

Genussorientiert und Tortenfans: Peter Schmidt, Geschäftsführer bei Coppenrath & Wiese, sowie Marketingleiterin Dorothee Reiering-Böggemann über Expansion, das Markengeschäft, die Aufgaben eines Marktführers und den Harddiscount.

Montag, 26. Juni 2017 - Sortimente
Susanne Klopsch
Artikelbild Aber bitte mit Sahne! - Interview: Teil 3
Bildquelle: Carsten Hoppen

Inhaltsübersicht

Das Thema Gesundheit steht bei Verbrauchern hoch im Kurs: Vegan, laktosefrei oder weniger Zucker, weniger Fett sind nur einige Stichworte. usw.. Coppenrath & Wiese plant eine neue Fertigungslinie u. a. für Sahneprodukte: Wie passt das zusammen?
Reiering-Böggemann: Wir beschäftigen uns natürlich auch mit diesen Trends und analysieren das ganz genau. Aber die Marke Coppenrath & Wiese steht vor allem für echten Genuss. Da will der Verbraucher keine Abstriche. Wenn auf einer Torte zum Beispiel steht „weniger Zucker“ oder „weniger Fett“, dann assoziiert der Verbraucher auch sofort ein Defizit im Geschmack oder im Genuss. Torte wird ja nicht jeden Tag gegessen. Wenn, dann will der Verbraucher auch Genuss. Von uns also ein klares Bekenntnis zum Genuss und zur Torte. Bei veganen oder laktosefreien Produkten sprechen wir über Nischenmärkte, die wir nicht bedienen. Schmidt: Wir haben im Grunde zwei Kriterien: Die Produkte müssen vom Genussfaktor zu uns passen, und sie müssen nachhaltiges Potenzial für die Wertschöpfung haben. Wenn die Nischen zu klein sind, dann sind wir nicht der Richtige, um diese Produkte zu fertigen. Reiering-Böggemann: Wir greifen diese Trends so auf, dass sie uns zu passen: Zum Beispiel mit den Superfoods Blaubeeren, die wir in unseren Blechkuchen und Desserts verwenden. Oder mit den Landbrötchen mit Mais und Karotten, die auf den Gesundheitstrend einzahlen.

Duo an der Spitze

Andreas Wallmeier und Peter Schmidt sind Geschäftsführer von Coppenrath & Wiese. Schmidt verantwortet die Bereiche Vertrieb und Marketing, Finanzen und Verwaltung sowie die Produktentwicklung. Wallmeier ist u. a. verantwortlich für Produktion & Technik, Supply Chain, IT, Personalmanagement sowie Qualitätswesen.

TK-Brötchen boomen im LEH hierzulande: Welches Potenzial sehen Sie, welche Pläne haben Sie?
Schmidt: Inzwischen sind die TK-Brötchen unser zweitwichtigstes Sortiment mit einem kontinuierlichen Wachstum. Wir fertigen täglich im Durchschnitt 3,3 Mio. Brötchen – gegessen werden in Deutschland aber 80 Mio. Täglich wohlgemerkt. Das verdeutlicht das grundsätzliche Potenzial. Die Wiederkaufrate unserer Brötchen liegt bei 66 Prozent, mit steigendem Anteil, auch die Käuferreichweite steigt kontinuierlich. Derzeit verkaufen wir TK-Brötchen aber nur in Deutschland. In Mettingen entsteht derzeit eine neue Produktionshalle, dort sind zwei Linien für Brötchen vorgesehen und eine für Blechkuchen. Letztere haben eine für uns überraschende, sehr gute Marktentwicklung, sodass wir aufstocken wollen.

Der Handel baut die Ranges mit Premium-Handelsmarken kontinuierlich aus: Was bedeutet dies für Ihr Geschäft?
Wir sind Markenhersteller durch und durch. Und wir sind durchaus selbstbewusst genug, zu sagen, dass die Marke Coppenrath & Wiese in Bezug auf Qualität, Genuss, Historie so positiv aufgeladen ist, dass wir uns keine großen Sorgen machen in Bezug auf Handelsmarken. Aber wir müssen natürlich am Ball bleiben, müssen innovativ sein. Wie ich schon sagte: Coppenrath & Wiese produziert auch Handelsmarken. Das spielt aber für uns eine absolut untergeordnete Rolle.

Online

Auch wenn das Fernsehen das Leitmedium für die Massenansprache bleibt: „Im Zuge der Digitalisierung gehört der Bereich Online und Social Media für uns zu Kundenansprache fest dazu“, sagt Dorothee Reiering- Böggemann (Leiterin Marketing), „wir können im digitalen Bereich vieles besser aussteuern.“ Die Facebook-Seite des Unternehmens hat 265.000 Fans. Reiering- Böggemann schätzt den aktiven Kontakt mit dem Konsumenten via Facebook: „Vor zwei Jahren etwa haben wir die Nutzer über ein Dessertrezept samt Namen abstimmen lassen, das Produkt hat sich dann auch wirklich gut verkauft.“ Zudem werden Nutzer online nach Namen für ein Produkt gefragt, „wir geben ihnen so eine Stimme.“ Mit dem Blog Kuchenkult werde die Marke in einem anderen Licht gezeigt, „wir bringen sie einem jüngeren Publikum näher“. Im Blog wird unter anderem gezeigt, wie sich die Kuchen von Coppenrath & Wiese einfach variieren oder personalisieren lassen.

Produzieren Sie denn selbst Premium-Eigenmarken?
Wenn es für uns attraktive Möglichkeiten gibt, Handelsmarken zu fertigen, die unsere Marken nicht in irgendeiner Form konterkarieren oder die Positionierung gefährden, und das Geschäft profitabel ist, dann sind wir durchaus bereit, solche Produkte zu fertigen. Wir haben intern ganz klare Abgrenzungen zu den Markenprodukten, z. B. durch gewisse Ingredienzien, die nur der Marke vorbehalten sind. Das muss ganz klar eingehalten werden. Um Ihnen eine Hausnummer zu nennen: Das Handelsmarkengeschäft hat einen Anteil von etwa 30 Prozent.

Ihre Marke im Hard-Discount: ein Tabubruch oder einfach eine klasse Chance, die man sich nicht entgehen lassen kann?
Wir möchten dem Verbraucher unsere Produkte in allen Vertriebskanälen anbieten. Das schafft Werte für Handel, Verbraucher und für uns. Wichtig ist nur, dass die Produkte zu einem angemessenen Preis vermarktet werden. Ich sage ganz selbstbewusst: Wir verzichten dann auch schon mal auf das eine oder andere Geschäft, wenn es nicht zu adäquaten Preisen vermarktet wird. Lassen Sie es mich so zusammenfassen: Wir wollen Kunden die Produkte in allen Vertriebskanälen anbieten, aber nicht zu jedem Preis.

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