Coppenrath & Wiese Interview Aber bitte mit Sahne! - Interview: Teil 2

Genussorientiert und Tortenfans: Peter Schmidt, Geschäftsführer bei Coppenrath & Wiese, sowie Marketingleiterin Dorothee Reiering-Böggemann über Expansion, das Markengeschäft, die Aufgaben eines Marktführers und den Harddiscount.

Montag, 26. Juni 2017 - Sortimente
Susanne Klopsch
Artikelbild Aber bitte mit Sahne! - Interview: Teil 2
Bildquelle: Carsten Hoppen

Inhaltsübersicht

Reichen denn die Produktionskapazitäten für das angestrebte Wachstum?
Ich habe es ja schon angesprochen: Unser Investitionsprogramm läuft. In den nächsten zwei Jahren fließen 60 bis 80 Mio. Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten. Wir fokussieren auf unsere strategischen Kernsortimente: Die Sahnetorten und Kuchen sind quasi unser Basisgeschäft, Wachstumssortimente sind darüber hinaus Blechkuchen, Desserts und nicht zu vergessen die Brötchen.

Wird die Marke Coppenrath & Wiese dank Dr. Oetker auch international aktiver?
Das ist in der Tat ein ganz wichtiger Aspekt. Über die Vertriebsnetze von Dr. Oekter und über die Marke Dr. Oetker werden wir unser Geschäft im nicht-deutschsprachigen Markt internationalisieren. Allerdings nicht unter unseren eigenen Marke: Wir fertigen die Produkte für Dr. Oetker.

Mehr Export

Der Einstieg von Dr. Oetker bei Coppenrath & Wiese soll auchder Internationalisierung des Geschäfts dienen. Derzeit liegt die Exportquote bei 28 Prozent. Ein wichtiger europäischer Handelspartner ist England. Angesichts des kommenden Brexits aber durchaus ein Risiko. „Der englische Markt ist für uns eine strategische Wachstumskomponente“, sagt Peter Schmidt. „Wir werden also unser Geschäft dort fortsetzen.“ Natürlich schmälerte der Verfall des Pfundes zunächst die Wertschöpfung: „Es ist uns aber gelungen, mit dem britichen Handel Lösungen zu finden, die eine nachhaltige Weiterentwicklung des Geschäfts ermöglichen. Englische Verbraucher und Handelspartner wollen unsere Produkte.“

Wo sehen Sie das Unternehmen in den nächsten Jahren?
Während in den Jahren vor dem Einstieg von Dr. Oekter der Fokus ganz klar auf Konsolidierung lag, wollen wir jetzt weiteres Wachstum. Wir setzen auf unsere Kernkompetenz, auf herausragende Produktqualität und herausragenden Genuss. Wir werden in die Weiterentwicklung der Marke massiv investieren und gehen davon aus, dass wir in den nächsten vier Jahren etwa 20 Prozent Umsatzwachstum schaffen können. Voraussichtlich ab Mitte 2018 werden uns die neuen Produktionskapazitäten zur Verfügung stehen, daher wird das Wachstum sicherlich stärker in der zweiten Hälfte dieser Vier-Jahres-Periode stattfinden.

Um zu wachsen, müssen Sie Absatzimpulse im TK-Markt geben: Was planen Sie?
Als Category-Leader bei TK-Backwaren sind wir verpflichtet, dem Markt und dem Handel Impulse zu geben. Das geht über neue, innovative Produkte, wie etwa die Windbeutel-Kirsch-Torte, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Wir schauen uns für die Sortimentspolitik aber auch die demografische Entwicklung an, sehen, dass die Zahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte kontinuierlich zunimmt. Unsere Ranges „Lust auf Kuchen“ und „Torten-Träume“ decken den Trend zu kleineren Kuchen ab. Bei unserer Blechkuchen-Range sind die Kuchenstücke einzeln entnehmbar. Für jüngere Kunden setzen wir mit den Desserts Impulse. Wir blicken aber auch ins Ausland: In England etwa ist Cheesecake sehr beliebt. Diesen Trend beobachten wir sehr genau.

Die Produktentwicklung ist eine wesentliche Säule für den Erfolg des Unternehmens: Was hat sich nach dem Wechsel unter das Oetker-Dach geändert?
Die Kompetenz für die Herstellung von TK-Backwaren liegt hier im Haus. Wir entwickeln unsere Produkte weiterhin selbstständig. Das heißt aber nicht, dass wir auf der Hand liegende Synergien nicht nutzen würden. Die Paula-Flecken-Torte ist in Kooperation mit Dr. Oetker entstanden. Insofern hat es jetzt schon erste Synergien gegeben, die sich auch im Markt positiv bewährt haben. Wenn es ein Win-win gibt für beide Seiten, ist das doch gut. Dorothee Reiering-Böggemann: Wir können Verwender der anderen Marke an die Tiefkühltruhe heranführen, und die andere Marke bekommt eine zusätzliche Visibilität in der Truhe. Es profitieren wirklich beide Seiten.

Noch mehr Fakten
  • Umsatz 2016: 400 Mio. Mio. Euro
  • Umsatzziel der Geschäftsführung: 20 Prozent Umsatzwachstum bis 2021
  • Mitarbeiter 2016: 2.350
  • Marktanteil der Marke bei TK-Backwaren 2016: 47,8 Prozent (Nielsen)
  • Marktanteil der Markentorten: 77,3 Prozent
  • Marktanteil Brötchen (Marke): 67 Prozent
  • Weizenbrötchen, Mandel-Bienenstick-Torte, Dinkelbrötchen: die Top-3-Produkte nach Umsatz (2016)
  • Erfolgreichste Neueinführungen der letzten drei Jahre: Feinste Sahne Erdbeer- Pannacotta, Lust auf Kuchen – Erdbeer-Frischkäse sowie Cafeteria fein & sahnig

Was kann denn Dr. Oetker von Coppenrath & Wiese lernen?
Schmidt: Das Lernen war ein wichtiges Argument für die Akquisition . Denn wir sind von der Marktbearbeitung breiter aufgestellt, bieten auch Handelsmarken an. Um es klar zu sagen: Wir sind ein Markenartikler durch und durch, aber wir schließen eben die Produktion von Handelsmarken nicht ganz so kategorisch aus, wie es Dr. Oetker tut. Unsere Strategie wurde und wird bei Oetker sehr interessiert beobachtet.

Wie profitiert der deutsche Handel?
Er profitiert davon, dass Coppenrath & Wiese in der Lage ist, seine Wachstumsstrategie fortzusetzen und in Produkte und gemeinsame Wertschöpfung mit ihm zu investieren.

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