Neue Sortimente Der Aufstieg des fleischfreien Segments

Vegetarisch-vegane Produkte erobern im Lebensmittelhandel stetig mehr Regalmeter und neue Abteilungen. Dem neuen Profilierungssortiment räumen ersteHändler sogar Platz in der Bedientheke ein.

Freitag, 04. September 2015 - Sortimente
Bettina Röttig
Artikelbild Der Aufstieg des fleischfreien Segments

Inhaltsübersicht

»Beinahe wöchentlich sind in den Regalen des Handels derzeit neue Veggie-Marken und neue fleischlose Produkte zu entdecken, zusehends breiter wird der vegetarisch-vegane Block im Kühlregal und Trockensortiment. Der Trend zur vegetarischen, veganen und flexitarischen Ernährung wird sich fortsetzen und verstärken, sind sich Handel und Markenartikel-Industrie einig.

Unterstützt wird die Einschätzung von den Marktzahlen: Nach Informationen des Vegetarierbund Deutschland (VEBU) steigt der Umsatz mit vegetarisch-veganen Fleischalternativen im Lebensmittel-Einzelhandel um rund 30 Prozent jährlich . 98 Mio. Euro brachte den Händlern 2014 der Verkauf von fleischfreien Würstchen, Schnitzel und Co. ein - damit wurde die bisherige Spitzenmarke von 2013 um rund 33 Prozent übertroffen. Noch schöner sehen die Zahlen bei der GfK aus: Demnach lagen die Umsätze für Fleischersatzprodukte 2014 bei 213 Mio. Euro . Im ersten Quartal 2015 ist der Umsatz mit Veggie-Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 27 Prozent auf 68 Mio. Euro gestiegen.

„Noch ist das vegetarisch-vegane Segment eine Nische - aber auch Nischen müssen wir besetzen und stärken“, sagt Edeka-Kaufmann Konrad Kreuzberg. Neben einer Erweiterung des Sortimentes in den SB-Regalen, investieren erste Händler nun in den aktiven Verkauf der fleischfreien Produkte. So unternehmen derzeit einzelne Edeka-Regionalgesellschaften den Versuch, die Produkte in der Bedienungstheke den Kunden nahezubringen. Seit März 2015 testet die Edeka Südwest in mehr als 70 Märkten eine sogenannte Vegithek, die in die Bedientheke integriert wird. Das Angebot umfasst Feinkostsalate, Tofu- und Lupinenschnitzel, Falafel, Hummus und vieles mehr. Die Offenbacher arbeiten hierfür mit einer Reihe namhafter Produzenten von vegetarischen und veganen Produkten zusammen. Die Händler können sich ihr Sortiment individuell zusammenstellen. „Unsere Märkte hatten auf die zunehmende Nachfrage nach einer breiten und tiefen Auswahl an veganen und vegetarischen Produkten bereits mit signifikanten Ausweitungen der Angebote im Bereich Selbstbedienung reagiert. Mit der Vegithek wollen wir, nach dem Erfolg mit dem Absatz von SB-Produkten, noch einen Schritt weiter gehen. Die Kunden profitieren von einer persönlichen und intensiven Beratung, können die gewünschte Menge individuell bestimmen und hinzu kommt, dass die Ware direkt verkostet werden kann“, heißt es aus Offenbach.


Noch einen Schritt weiter geht die Edeka Rhein-Ruhr . Sie testet seit Frühsommer ebenfalls eine Vegithek in den Bedienungsabteilungen ausgewählter Märkte. Der Unterschied zu den Kollegen aus dem Südwesten: Rasting , das Fleischwerk der Edeka Rhein-Ruhr, produziert eigene Produkte für den neuen Service-Baustein. Darunter fleischfreie Schnitzel (gefüllt und ungefüllt), Burger, Aufschnitt, Leberkäse, Frikadellen und vieles mehr. Ergänzt wird das Angebot durch Produkte verschiedener Markenhersteller.

Einer der Tester der Vegithek mit Rasting ist der Koblenzer Edeka-Kaufmann Konrad Kreuzberg. Rund 300 Artikel führt er mittlerweile im SB-Kühlregal. Vegetarische und vegane Fertigprodukte in Bedienung testet er in seinen Märkten an unterschiedlichen Standorten: im E-Center in Neuwied im Anschluss an die Käsetheke, im Koblenzer E-Center zwischen Frischfleisch und Wurst in Bedienung. Beworben werden die Artikel im wöchentlichen Faltblatt. Zudem führen Fußspuren im Markt zum „Veggie-Genuss“ an der Frischetheke (s. Foto). Die wichtigste Erkenntnis für Kreuzberg: „Die Veggiethek ist bei der Käsetheke richtig aufgehoben. Dort sind die Fleischverweigerer.“ Im Koblenzer Markt soll das Sortiment daher bald umziehen. Doch der ideale Standort der Theke ist nur die halbe Miete. „Sie müssen Ihre Mitarbeiter schulen und begeistern“, rät der Edekaner. Gemeinsame Verkostungen überzeugten auch jene mit Vorbehalten.

Intensiv widmen sollte sich der Handel den jungen Verbrauchern . Sie führten in Deutschland den Trend hin zum Vegetarismus und einer Ernährung mit verringertem Fleischanteil an und versprechen rosige Zeiten. Den Marktforscher von Mintel zufolge kauft heute bereits fast jeder fünfte Deutsche (18 Prozent) im Alter von 16 bis 24 Jahren Fleischersatzprodukte - im Durchschnitt sind es 11 Prozent. Darüber hinaus betrachten sich bis zu 15 Prozent der 16– bis 24-Jährigen als Vegetarier. Dies ist mehr als das Doppelte des landesweiten Durchschnitts von 7 Prozent. Gut zu wissen: Vier von zehn Deutschen im Alter von 16–24 Jahren greifen aus ethischen Gründen auf Fleischersatzprodukte zurück, knapp ein Drittel tut dies aus Sorge um die Auswirkungen der industriellen Fleischproduktion auf die Umwelt.

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