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Interview mit Frank Nolte Attraktiveres Presseregal

Sonja Plachetta | 27. Juni 2014

Der Bundesverband Presse-Grosso hat ein neues Konzept zur Sortimentsausrichtung entwickelt. Grosso-Chef Frank Nolte erklärt die Vorteile für die Händler.

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Von Verlagsseite aus gab es in letzter Zeit immer wieder Kritik am Bundesverband Presse-Grosso, er ist auch durch das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf zum Verbot von Branchenvereinbarungen im Pressevertrieb unter Druck geraten. Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Pressevertrieb wurden deshalb neue Branchenregelungen zum Sortimentsmanagement verabschiedet. Frank Nolte, Vorsitzender des Bundesverbandes Presse-Grosso und geschäftsführender Gesellschafter der KFS Presse-Grosso GmbH & Co. KG in Reutlingen, erklärt die Neuerungen.

Welche Maßnahmen umfassen die neuen Branchenregelungen konkret?
Frank Nolte: Wir erweitern mit den neuen Marktregeln unser bewährtes Sortimentsmanagement für den Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften im stationären Einzelhandel. Zu den bestehenden leistungsfähigen Category-Management-Instrumenten treten neue hinzu: Der Presse-Grossist ruft zweimonatlich und seltener erscheinende Produktausgaben, die am Standort einen nicht ausreichend guten Verkauf realisieren, nach vier Wochen zur Remission auf – auch wenn die jeweils folgende Ausgabe noch nicht vorliegt. Bei einem ausgelasteten Regal liefert der Presse-Grossist mittelfristig keine weiteren zusätzlichen Presseprodukte an den Standort, bis dessen Regalauslastungsgrad wieder mehr Titel zulässt. Presseprodukte, die vor Ort langfristig keinen angemessenen Verkauf aufweisen, werden noch schneller aus dem Sortiment ausgesteuert.

Was erhoffen Sie sich durch diese Form des Category Managements?
Im Interesse aller Marktpartner ist unser Ziel, das sehr dynamische Pressesortiment noch besser an die individuelle Nachfrage- und Angebotssituation am Point of Sale anzupassen. Alle Maßnahmen zusammen steigern die Attraktivität des Presse-Angebots. Dies erhöht die Zufriedenheit der Kunden, generiert zusätzliche Umsatzimpulse und erleichtert das Warenhandling in der Filiale.


Der Arbeitskreis Mittelständische Verlage (AMV) kritisiert, dass durch die neuen Regelungen kleinere und mittelgroße Titel geringere Verkaufschancen im Presseregal hätten und die allgemein sinkenden Auflagen verstärkt würden. Ist diese Kritik berechtigt?
Diese verlagsspezifische These lässt sich nicht belegen. Vielmehr geht es darum, aus der Perspektive des Einzelhandels das gesamte Sortiment in den Blick zu nehmen und vornehmlich Titel zu unterstützen, die sich am jeweiligen Einzelhandelsstandort gut verkaufen. Diese Titel können besser sichtbar platziert werden, wenn an anderer Stelle schlecht laufende Titel bei Händlern mit hoher Regalauslastung früher ausgesteuert werden können. Der Umkehrschluss, dass betroffene Titel überhaupt nicht mehr ins Regal kämen, ist aber definitiv falsch. Der Marktzutritt für alle Titel ist nach wie vor gewährleistet, die Verweildauer im Regal in Abhängigkeit von der Verkäuflichkeit bei Langläufern im Vergleich zum Status Quo ante lediglich reduziert. Aber anders ausgedrückt: Wo steht geschrieben, dass ein zweimonatlich erscheinender Titel acht Wochen im Angebot sein muss?

Was ändert sich durch das neue Sortimentsmanagement für den Lebensmittelhändler, der von den Grossisten beliefert wird?
Unsere Partner im Einzelhandel haben handfeste Vorteile durch die neue Sortimentssteuerung: Das Presseregal wird entlastet, die Präsentationsqualität steigt. Dadurch steigt letztlich die Wirtschaftlichkeit des Pressesortiments. Die Resonanz aus dem Einzelhandel ist sehr positiv und bestärkt uns in dem Vorgehen.

Was kann der Händler tun, um Sie bei der Zusammenstellung des für seinen Markt optimalen Pressesortiments zu unterstützen und somit Um- und Absatz zu steigern?
Der Händler kann selbst die Wirtschaftlichkeit seines Pressesortiments mit verbessern, in dem er schlecht verkaufende Titel, die vom Presse-Grossist vorzeitig zur Remission aufgerufen werden, auch tatsächlich aus dem Regal nimmt und nicht erst zum Ende der Angebotszeit. Damit wird Platz geschaffen für eine noch verkaufsförderndere Präsentation der übrigen Titel. Generell gilt, dass der Händler durch Sofortremissionen Umsatzpotenzial verschenkt. Ferner berät der Presse-Grossist den Händler gerne anhand von validen Daten, die der Großhandel individuell auswertet.