Heumilch Grenzenloses Marketing

Mit rund 60 Prozent Exportanteil ist Deutschland Hauptabnehmer österreichischer Heumilchprodukte. Um die Bekanntheit der nachhaltigen Milchsorte im Nachbarland weiter auszubauen, ist der Arge Heumilch der Kontakt zur Praxis wichtig.

Dienstag, 28. Juni 2022 - Molkereiprodukte
Wibke Niemeyer
Artikelbild Grenzenloses Marketing
Bildquelle: Arge Heumilch

Rund 80 Kühe grasen auf der grünen Weide oder lassen sich die Sonne auf ihr Fell scheinen. Der Milchhof Lerf in Ottobeuren wird nun schon in dritter Generation als Familienbetrieb geführt. Michael und Katharina Lerf bewirtschaften in der schwäbischen Marktgemeinde auf 90 Hektar Land einen Heumilchbetrieb, der sich strengen Produktionsregeln verschrieben hat. Eine artgemäße Haltung ist dem 35-jährigen Agrar-Ingenieur besonders wichtig, „denn kerngesunde Tiere sind das Kapital unseres Betriebes“.

Das Zuhause seiner Allgäuer Braunviehherde ist ein großflächiger, heller Außenklimastall mit angrenzendem Laufhof. Von April bis September sind die Tiere täglich draußen. Im Winter wird ausschließlich hofeigenes Heu verfüttert. Daher trägt die Bio-Milch auch die Bezeichnung „Heumilch“. Vom Melken bis zur Abfüllung findet der komplette Herstellungsprozess auf dem Betrieb statt. Lerf stellt Milch sowie Bio-Joghurt her, die in den Kühlregalen der Allgäuer Supermarktkette Feneberg Lebensmittel ihren Platz finden.

Die Familie Lerf ist Mitglied der Arge Heumilch Deutschland, seit 2019 ein Kooperationspartner der Arge Heumilch Österreich. 500 Heumilchbauern und 12 Käsereien betreiben die traditionelle Heuwirtschaft in Bayern und Baden-Württemberg. Weitere Hauptproduktionsgebiete sind Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich, die Steiermark sowie die Ost- und Zentralschweiz. Das Bestreben ist es laut Geschäftsführerin Christiane Mösl, die Bekanntheit und Marktanteile von Heumilchprodukten im Nachbarland weiter auszubauen.

EU fördert Heumilch-Marketing
Vor allem Heumilchkäse sei gefragt, so Mösl, aber auch Trinkmilch, Butter, Joghurt und Quark. Rund 520 Kilogramm Heumilch wurden 2021 in Österreich produziert, davon 38 Prozent in Bioqualität. Nach Aussage von Mösl sind das etwa 15 Prozent an der Gesamtmilchmenge. Zum Vergleich: In Deutschland werden gerade einmal 110 Millionen Kilogramm Heumilch produziert, was einem Anteil von 0,5 Prozent der Gesamtmenge entspricht. „Wir sind ein Nischenprodukt“, sagt Mösl, sieht aber noch reichlich Potenzial.

Rückenwind erhält die Arge Heumilch aus Brüssel, wo die nachhaltige Wirtschaftsweise der Heumilchbäuerinnen und -bauern zum Schutz der Umwelt und zum Erhalt der Artenvielfalt überaus positiv gesehen wird. „Wir erhielten den Zuschlag für ein Marketingprojekt, das zur Stärkung und Absatzförderung nachhaltiger Produkte vergeben wird“, berichtet Mösl. Zusammen mit Eigenmitteln werden in den kommenden drei Jahren über 6 Millionen Euro in den deutschen Markt investiert. Geplant seien etwa Werbekampagnen in Zeitungen und Zeitschriften, aber auch in U-Bahnhöfen größerer Städte.

In Österreich erreichten Heumilchprodukte in den vergangenen Jahren einen Bekanntheitsgrad von knapp 90 Prozent. Ähnlich hohe Werte strebe man für Deutschland an, betont die Geschäftsführerin. Heumilch soll als „nachhaltige Milchsorte“ positioniert werden. Damit das gelingt, gehört es auch dazu, die Begrifflichkeit zu erklären. „Die Milch wird nicht aus Heu hergestellt und ist damit kein vergleichbares Produkt wie andere pflanzliche Milchalternativen aus Soja oder Hafer.“

Für Heumilchbauern wie Michael Lerf sind der Mai und der Juni besonders wichtige Monate. Denn neben der Weidesaison für die Heumilchkühe startet dann auch die Heuernte. „Hochqualitatives Heu ist das Grundfutter für unsere Kühe im Winter und die Basis für die hohe Qualität der Heumilchprodukte in der kalten Jahreszeit“, betont Markus Fischer, erster Vorsitzender der Arge Heumilch Deutschland. Ein wichtiges Kriterium, um Premium-Heu zu ernten, sei neben einem guten Erntestart auch die Artenvielfalt auf den Grünlandflächen der Heumilchregionen. „Unsere Heumilchbauern mähen viele Flächen erst dann, wenn eine Vielzahl der Gräser und Kräuter in voller Blüte steht und die Artenvielfalt am größten ist. Außerdem werden nicht alle Felder auf einmal gemäht, sondern zeitlich gestaffelt und räumlich versetzt“, so Fischer.

Mit am wichtigsten bei der Heumilchwirtschaft ist, möglichst viel Energie aus dem Grundfutter herauszuholen, weshalb Landwirt Michael Lerf der Heutrocknung größte Aufmerksamkeit schenkt. Bei einem Betriebsrundgang beeindruckt die Heutrocknungsanlage samt Heukran und Lagerkapazitäten.

Nachhaltigkeit wird in der Heuwirtschaft großgeschrieben. Gärfutter wie Silage ist verboten, sämtliche Produkte werden kontrolliert gentechnikfrei hergestellt. Die Mitgliedsbetriebe arbeiten nach einem strengen Regulativ, dessen Einhaltung von unabhängigen, staatlich zertifizierten Stellen kontrolliert wird. Nur Produkte mit dem Heumilch-Logo erfüllen diese sehr strengen Bestimmungen. Die Wirtschaftsweise wurde 2016 mit dem EU-Gütesiegel g. t. S. – „garantiert traditionelle Spezialität“ – für Kuhmilch ausgezeichnet. In Europa erfüllen weniger als 3 Prozent der erzeugten Milch die Kriterien der Heumilch.

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