Milchwerke Schwaben Die Bücher sind gut gefüllt

Die Milchwerke Schwaben feiern 100-jähriges Jubiläum. Nach Tiefschlägen im ersten Corona-Pandemie-Jahr scheint 2022 die Strategie der Molkerei, die gleichermaßen auf den In- und Auslandsmarkt setzt, wieder aufzugehen.

Dienstag, 14. Juni 2022 - Molkereiprodukte
Dr. Friederike Stahmann
Artikelbild Die Bücher sind gut gefüllt
Bildquelle: Milchwerke Schwaben

Ja, das lässt sich mit Fug und Recht sagen: Der Milchmarkt ist ein Wackelkandidat. Mal hoch, mal runter schwanken die Preise. Mal funktioniert der Export, mal die Eigenmarken, dann boomt ein neues Segment. Volatil ist er, der Milchmarkt, und das nicht erst seit gestern. Gut, wenn man da als Molkerei etwas dagegensetzen kann. Also auf mehr als einen Absatzmarkt baut. „So haben wir uns mit dem Export vor Jahren ein Ventil geschaffen, um nicht nur am deutschen Markt zu hängen“, erklärt Karl Laible, geschäftsführender Vorstand der Milchwerke Schwaben, die Strategie der Genossenschaftsmolkerei. Inzwischen gehen über 50 Prozent der rund 400 Millionen Liter Anlieferungsmilch jährlich ins Ausland. Und zwar in Form von Schnittkäse. „Unser wichtigster Markt ist die EU“, berichtet Laible und zählt Empfängerländer auf wie Italien, Spanien, Portugal, Slowenien, Kroatien, Griechenland und Tschechien. Eine feste Kundschaft hat man auch in Serbien, Bosnien und Montenegro. Über einen in Spanien sitzenden Händler geht Ware sogar bis nach Peru und Chile. All diese Kunden schätzen Gouda und Edamer made in Bayrisch-Schwaben. In der sogenannten Brotform, also als 3-Kilogramm-Laibe, landet der Schnittkäse im Ausland und dort sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch in der weiterverarbeitenden Industrie sowie in den Touristenregionen auch in Hotellerie und Gastronomie.

Export als Gamechanger
Jahrelang galten Aktivitäten im Ausland für Molkereien hierzulande nur als Notnagel. Eine Möglichkeit Übermengen „loszuwerden“. Das ist Schnee von gestern. Der Export hat sich als wahrer Gamechanger entpuppt. Ein etwas kleineres Weltmarktangebot und eine starke Nachfrage aus Asien haben dazu geführt, dass die Preise einen nie da gewesenen Satz in die Höhe gemacht haben. Ein weiteres nicht unwichtiges Detail kommt hinzu: „Exportware verhandeln wir alle vier Wochen. Eigentlich nichts Neues“, so Laible. Aber: In Zeiten wie diesen, in denen sich Rohmilch ebenso wie Energie und Verpackungsmaterial extrem verteuert haben, können diese Kosten zeitlich „auf Sicht“ mitverhandelt und eingepreist werden. Es geht sogar so weit, dass „wir an Menge nicht alles produzieren können, was unsere Kunden im Ausland wünschen“, zeigt Laible, welche Verwerfungen sich derzeit am Markt abzeichnen. Und so verwundert es nicht, dass seit Jahren erstmals wieder stark exportierende Molkereien besser an ihre Bauern auszahlen können als starke Markenhersteller.

Neben dem nicht unwichtigen Standbein des Käseexports sind die Milchwerke Schwaben auch in deutschen Lebensmittelmärkten mit der Gelben Linie vertreten. National distribuiert findet man unter dem Namen „Donautaler“ – meist als SB-Scheibenware – Tilsiter, Butter- und Großlochkäse in den Mopro-Regalen. Drei Schnittkäsevarianten in Bioqualität komplettieren das Angebot für den inländischen Markt. Eine echte Größe ist man aber im deutschen LEH mit einem anderen Produkt: dem 1-Kilogramm-Eimer mit Joghurt unter der Marke „Weideglück“. Kein Wunder.

Wenn es um Joghurt geht, gibt es nichts, was es nicht gibt – und zwar nicht nur beim Inhalt, auch bei den Verpackungen zeigt sich die Branche innovativ: von groß bis klein, von rund bis eckig, vom Ein- bis zum Mehrkammerbecher, dekorationsmäßig von schwarz bis bunt, aus Bambus, Glas, Keramik, Kunststoff oder mit Verbundmaterialien.

Vor knapp 30 Jahren kam der 1-Kilogramm-Eimer als Gebinde in die Mopro-Regale des Lebensmittelhandels. Und „Wer hat’s erfunden?“ Die Milchwerke Schwaben. Die Genossenschaftsmolkerei mit Sitz in Neu-Ulm, also geografisch schon in Bayern, aber als Schwaben doch mit starker Neigung zum benachbarten Baden-Württemberg, ist bis heute die Nummer eins in diesem Segment. „Wir sind von Nord nach Süd, von Ost nach West im 1-Kilogramm-Bereich mit Joghurt mit 3,5 und 1,5 Prozent ebenso wie mit Fruchtjoghurts und Desserts – da aber im 800-Gramm-Eimer – nationaler Lieferant“, so Karl Laible nicht ohne Stolz.

Erfolg fördert Nachahmer
Allein 2021 wanderten so 57.244 Tonnen Joghurt und Desserts in heimische Kühlschränke. Ein Preiseinstiegsprodukt – jedenfalls in der Neu-Ulmer Ausführung, doch deshalb nicht weniger attraktiv – für Hersteller wie Handel.

Die Geschmacksrichtungen im Joghurtbereich gehen von Natur in verschiedenen Fettstufen über Fruchtvarianten bis hin zu Bircher Müsli. Milchreis, Pudding und Grieß ergänzen das Dessertsegment. Wo Erfolg ist, gibt es auch Nachahmer. Inzwischen ist der Joghurt-Eimer auch bei Handelsmarken Standard (und zwar wirklich allen) ebenso wie bei anderen Markenherstellern im mittleren Preissegment.

Neben immer neuen Sorten wie Cranberry-Granatapfel, Zitrone oder Mango haben sich die Neu-Ulmer schon mehrmals dem Gebinde als solches angenommen. So auch 2022. Neben einem optischen Relaunch stand diesmal auch aus Gründen der Nachhaltigkeit das Gewicht des 1-Kilogramm-Behälters für Joghurt im Fokus. Das Ergebnis: eine Gewichtsreduzierung von 20 Prozent und damit: „auch ein Fünftel weniger Plastik“, freuen sich Laible und der Handel über die nur noch 35 Gramm schwere Verpackung. Der Eimer ist zudem mit einer In-Mould-Labelling-Dekoration ausgestattet. Aber nicht nur das.

Er besitzt nach dem Relaunch zudem ein intelligentes Etikett. Ein für das Auge nicht erkennbarer Code – ein sogenannter Digimarc – ermöglicht es, über eine mobile App mit einer Website der Milchwerke Schwaben verbunden zu werden. So können Verbraucher Produktinformationen, Rabattaktionen, Empfehlungen und Rezeptvorschläge erhalten, und für das Personal verkürzt sich die Zeit beim Scannen an der Kasse, da der Barcode überall auf der Verpackung hinterlegt ist.
Auch wenn der Absatz der Milchprodukte wie Käse und Joghurt derzeit brummt wie schon lange nicht mehr und sich die Milchwerke in einer hervorragenden Ausgangssituation für 2022 befinden, nähmen, so Laible, die externen Risiken immer mehr zu. Explodierende Energie- und Beschaffungskosten und eine begrenzte Verfügbarkeit der Rohstoffe und Materialien könnten das Wachstum im Jubiläumsjahr, in dem die Genossenschaft 100 Jahre alt wird, möglicherweise empfindlich ausbremsen. Karl Laible wird konkret: „Wir alle denken über die weitere Entwicklung nach, und keiner kann seriös einschätzen, wie sich die geopolitische Lage in den kommenden Monaten entwickeln wird.“ Was er heute schon weiß: „Unsere Bücher für das laufende Wirtschaftsjahr sind gut gefüllt.“

1922 – ebenfalls ein Jahr mit schwierigen wirtschaftlichen Vorzeichen – war das Gründungsjahr der Neu-Ulmer Genossenschaft. 2022 heißt es nun: 100 Jahre Milchwerke Schwaben. Der große Geburtstag wird gebührend gefeiert. Unter #100Jahremiteinander gibt es eine breit angelegte Marketingkampagne mit Videoclips. Bei einem Gewinnspiel, das auf allen Social-Media-Kanälen lanciert wird, werden über den Sommer hinweg E-Bikes verlost. Nationale Radiowerbung von Kiel bis Pfronten solle genauso wie eine runderneuerte Website Lust auf Weideglück-Produkte machen, so Laible.

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