Der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer rechnet mit der schlechtesten Ernte seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990. Trockenheit, Hitze und Pflanzenkrankheiten dürften dazu führen, dass in Süddeutschland rund ein Drittel weniger Zucker erzeugt wird als im Vorjahr, teilte der Verband mit Sitz in Ochsenfurt mit. Geschäftsführer Paul-Martin Pfeuffer sprach von der niedrigsten Ernte seit mehr als 35 Jahren.
Der Verband erwartet auch Auswirkungen auf die Verbraucherpreise. Denn nicht nur in Süddeutschland falle die Ernte schlecht aus. Auch Frankreich als größtes europäisches Anbauland für Zuckerrüben leide unter extremer Hitze und Trockenheit. „Das hat im Markt Gewicht“, sagte Pfeuffer laut der Mitteilung. „Wenn wichtige Anbauregionen schwächeln, erwarten wir eine Reaktion.“
Anders als Getreide, das bereits weitgehend abgeerntet ist, befinden sich Zuckerrüben im Hochsommer noch in einer entscheidenden Wachstumsphase. Wegen der anhaltenden Trockenheit hätten die Pflanzen jedoch vielerorts ihr Wachstum eingestellt, so der Verband. Selbst auf Standorten mit normalerweise guter Wasserversorgung zeigten die Bestände deutliche Stresssymptome. Zusätzlich breiteten sich Krankheiten wie SBR und Stolbur aus, da der Trockenstress die Widerstandskraft der Pflanzen schwäche. Die befallenen Rüben entwickelten den Angaben zufolge eine gummiartige Konsistenz, aus der sich deutlich weniger Zucker gewinnen lasse.
Landwirte geraten unter finanziellen Druck
Für die betroffenen Landwirte verschärft sich die wirtschaftliche Lage. Zuckerrüben machten im Schnitt etwa 20 bis 25 Prozent der Anbaufläche aus, erläuterte Pfeuffer. Der finanzielle Druck sei hoch, zumal auch andere Ackerkulturen unter schwierigen Ertragsbedingungen litten. Absolute Zahlen zur Zuckerproduktion in Süddeutschland nannte der Verband aus Wettbewerbsgründen nicht.
Der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer vertritt nach eigenen Angaben knapp 10.000 Rübenanbauer, die auf rund 100.000 Hektar Zuckerrüben anbauen und sieben Fabriken beliefern. Das Anbaugebiet erstreckt sich über Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen sowie Teile Nordrhein-Westfalens, Sachsen-Anhalts und Brandenburgs.