Bei der Warsteiner-Gruppe spitzt sich die Lage zu: Geschäftsführer Raphael Rauer soll nach einem Machtkampf mit sofortiger Wirkung freigestellt worden sein. Das berichtet die Bielefelder Zeitung „Neue Westfälische“. Gleichzeitig zeigt der Konzernabschluss für 2024 nach Medienberichten, wie stark das Unternehmen finanziell unter Druck steht. Alleininhaberin Catharina Cramer hält die Gruppe mit Millionenzuschüssen liquide. Zu beiden Vorgängen wollte sich das Unternehmen auf Anfrage der Lebensmittel Praxis nicht äußern.
Wendenburg soll Freistellung veranlasst haben
Wie die „Neue Westfälische“ berichtet, soll der neue Vorsitzende der Geschäftsführung, Bodo-Joachim Wendenburg, die Freistellung Rauers als eine seiner ersten Entscheidungen veranlasst haben. Zuvor hatten die Fachzeitschrift „Inside Getränke“ und der „Soester Anzeiger“ über den Vorgang berichtet. Wendenburg wurde erst zum 23. Juli zum Chief Executive Officer (CEO) und Chief Restructuring Officer (CRO) der Haus-Cramer-Gruppe, zu der Warsteiner gehört, berufen. Er soll sie durch die anhaltende Absatzkrise auf dem deutschen Biermarkt steuern.
Millionenhilfe von der Alleininhaberin
Die finanziellen Schwierigkeiten des Konzerns treten laut dem Bericht der „Neuen Westfälischen“ im Konzernabschluss für 2024 deutlich zutage. Demnach sichert Cramer der Haus-Cramer-Holding als Konzernobergesellschaft 20 Millionen Euro bis Ende September 2027 zu. Darüber hinaus gewährte sie dem Unternehmen 2024 ein zusätzliches Darlehen über zehn Millionen Euro, wie die „NW“ weiter berichtet.
Das sogenannte Net Working Capital – also das Umlaufvermögen ohne liquide Mittel abzüglich kurzfristiger Verbindlichkeiten – verringerte sich dem Bericht zufolge im Geschäftsjahr 2024 um 6,2 Millionen Euro. Die liquiden Mittel seien so weit gesunken, dass sie unter dem Wert der verzinslichen Schulden lagen.
Warsteiner verliert 37 Millionen Euro Eigenkapital in einem Jahr
Als Hauptursache für die angespannte Finanzlage nennt der Konzernabschluss dem Bericht zufolge einen rückläufigen Absatz, der zu einem geringeren operativen Cashflow geführt habe. Die Bilanzsumme sank demnach zwischen Ende 2023 und Ende 2024 von 350,4 Millionen Euro auf 336,5 Millionen Euro. Das Eigenkapital ging im selben Zeitraum von 106,1 Millionen Euro auf 69 Millionen Euro zurück – ein Minus von 37,1 Millionen Euro.
Erst im Mai hatte Warsteiner die Schließung zweier Brauereien angekündigt. Inzwischen hat die Brauerei am Standort Herford laut der „Neuen Westfälischen“ bereits das letzte Bier abgefüllt. Für den Standort Paderborn befinde sich Warsteiner weiterhin in Verhandlungen mit Kaufinteressenten.