Aus Sicht des Branchenexperten Johan ten Doornkaat Koolman steht der Getränkefachgroßhandel vor weiteren großen Veränderungen. Ten Doornkaat Koolman ist Managing Partner der auf Unternehmenskauf und ‑verkauf spezialisierten Firma Nordwestdeutsche Nachfolgeberatung (NWDN) und Mitautor des Pro-Spirits-Reports der Fachmesse „Pro Wein“, der in Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim entstand.
Ten Doornkaat Koolman führt aus: „Der Pro-Spirits-Report 2026 zeigt für Spirituosen dasselbe Bild wie beim Bier. Es wird insgesamt immer weniger Alkohol getrunken. Wachstum gibt es fast nur noch bei Alkoholfreiem.“ Ausgerechnet dort drohe mit der Zuckersteuer eine neue Belastung, deren Termin und Höhe weiter offen seien: „Solche Unsicherheit ist Gift für den Handel.“
Nach Darstellung von Ten Doornkaat Koolman trinken die Konsumenten weniger und bewusster. Das habe stark mit der eigenen Außenwirkung im Smartphone- und Social-Media-Zeitalter zu tun. „Der Wettbewerb um den Genussmoment verlagert sich auf ein breiteres Feld an Alternativen.“
Verlust der Kundenbeziehung und der Marge
Mittel- bis langfristig kommt nach Auffassung des Branchenexperten eine zweite Verschiebung hinzu, die auch den Getränkefachgroßhandel belastet. Denn: „Unter Kostendruck sind Produzenten immer weniger bereit, Marge beim Großhändler zu lassen. Digitale Marktplätze, die Bestellungen und Konditionen bündeln, werden damit zu einem immer realistischeren Szenario und zur Gefahr für den klassischen Getränkefachgroßhandel.“ Wer nur noch Kisten fahre, verliere die Kundenbeziehung und damit die Marge.
Fazit für Johan ten Doornkaat Koolman: „In einem Geschäft mit hohen Fixkosten wird Konsolidierung zur naheliegenden Antwort. Nach innen durch schlankere Sortimente und Personalstrukturen, nach außen durch Zukäufe und Zusammenschlüsse.“ Größe allein reiche jedoch nicht. Sie brauche eine klare Positionierung, operative Disziplin und digitale Stärke.
