Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder ist Mitglied des Aufsichtsrats beim russischen Ableger der Handelskette Globus geworden. Dies bestätigte die russische Hyperglobus dem Nachrichtendienst dpa. Die Anteilseigner hätten den früheren SPD-Politiker am 30. September in das Gremium berufen.
Schröder werde an der allgemeinen Unternehmensführung teilnehmen und die strategische Entwicklung der Firma in Russland leiten, teilte das Unternehmen mit. Der 82-Jährige äußerte sich zunächst nicht zu seiner neuen Funktion.
Die Personalie wirft Fragen auf. Kremlchef Wladimir Putin hatte zuletzt ausländische Firmen in Russland unter Zwangsverwaltung gestellt, darunter Metro, Auchan und Nestlé. Ob die Berufung Schröders mit diesen Maßnahmen zusammenhängt, ließ der Pressedienst von Hyperglobus offen. Schröder pflegt seit Jahren eine enge Freundschaft mit Putin und steht deshalb in Deutschland in der Kritik.
Globus Russland arbeitet seit Januar eigenständig
Der russische Ableger von Globus agiert den Angaben zufolge seit Januar 2025 eigenständig. Das Unternehmen sei von der deutschen Holding abgetrennt worden und arbeite nun „juristisch und organisatorisch“ unabhängig in Russland.
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Zum Ende seiner Amtszeit vereinbarte er mit Putin den Bau der Ostseepipeline Nord Stream. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik übernahm er Funktionen bei Nord Stream und dem russischen Energiekonzern Rosneft. Seine Verbindung zu Putin und sein Engagement für russische Energieunternehmen stehen seit Jahren in der Kritik. Auch während des russischen Kriegs gegen die Ukraine traf sich Schröder wiederholt mit Putin.
