Widerrede Annahmepflicht für Bargeld – wichtig für die Krisenvorsorge oder Innovationsbremse?

Hintergrund

Geschäfte sollen künftig auch digitales Bezahlen anbieten müssen. Doch sollten Supermärkte auch umgekehrt verpflichtet werden, Bargeld anzunehmen?

Freitag, 09. Oktober 2026, 07:40 Uhr
Lebensmittel Praxis
Stefan Hardt (li.) und Ulrich Binnebößel Bildquelle: Nils Thies, HDE

„Bargeld macht das Zahlungssystem widerstandsfähiger“

Von Stefan Hardt, Deutsche Bundesbank

Stefan Hardt leitet das Generaldirektorat Bargeld der Deutschen Bundesbank.

Bargeld ist eine tragende Säule unseres Zahlungsverkehrs, denn es macht das Zahlungssystem widerstandsfähiger, etwa bei Hackerangriffen, Stromausfällen oder Naturkatas­trophen. Es erleichtert die Teilhabe am Zahlungsverkehr und bietet ein hohes Maß an Datenschutz. Bargeld kann nur dann weiterhin eine zentrale Rolle im Zahlungsverkehr spielen, wenn es im Alltag angenommen wird. Dafür schafft der europäische Gesetzgeber zurzeit die Voraussetzungen: Vorgesehen ist eine Pflicht zur Annahme von Bargeld – mit maßvollen Ausnahmen, etwa für Verkaufsstellen ohne Personal.

Für den Handel dürften die praktischen Auswirkungen begrenzt sein. Unsere Analysen zeigen, dass Bargeld derzeit im Handel beinahe überall angenommen wird. Sie zeigen auch, dass Bargeld und die Girocard die kostengünstigsten Zahlungsverfahren im Einzelhandel in Deutschland sind.

Damit der Handel Bargeld kostengünstig annehmen kann, braucht es eine gut funktionierende Infrastruktur für Bargeld. Dafür setzt sich die Bundesbank ein, unter anderem durch ihr Dienstleistungsangebot im baren Zahlungsverkehr. 


„Eine Pflicht erschwert effiziente Handelskonzepte wie Self-Check-out“

Von Ulrich Binnebößel, Handelsverband Deutschland

Ulrich Binnebößel leitet die Abteilung Zahlungsverkehr und Logistik beim Handelsverband Deutschland.

Eine gesetzliche Akzeptanzpflicht für Bargeld würde keinen zusätzlichen Nutzen schaffen, gleichzeitig aber erhebliche bürokratische und wirtschaftliche Belastungen verursachen. Sie verpflichtet Unternehmen, kostspielige Bargeldprozesse unabhängig von der tatsächlichen Nachfrage aufrechtzuerhalten und erschwert neue, effiziente Handelskonzepte wie Self-Checkout- oder kassenlose Geschäfte. 

Aus Sicht des Handelsverbands sollte der Schwerpunkt daher nicht auf einer gesetzlichen Annahmepflicht, sondern auf der Sicherstellung eines funktionierenden und effizienten Bargeldkreislaufs liegen. Herausforderungen bestehen insbesondere bei der Versorgung mit Wechselgeld, der Einzahlung von Einnahmen sowie bei steigenden Kosten und dem Rückbau von Bankdienstleistungen. Maßnahmen zur Verbesserung der Bargeldlogistik stärken sowohl die Verfügbarkeit von Bargeld für Verbraucher als auch die Handlungsfähigkeit der Händler. Unternehmen sollten weiterhin die Vertragsfreiheit behalten, die für sie passenden Zahlungsmethoden zu vereinbaren. Eine Stärkung der Bargeldinfrastruktur ist deshalb zielführender als eine gesetzliche Bargeldakzeptanzpflicht.

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