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Alkoholfreie Getränke Verhaltener Optimismus

Tobias Dünnebacke | 07. Oktober 2010
Alkoholfreie Getränke: Verhaltener Optimismus

Bildquelle: Fotolia

Der AfG-Markt bewegt sich weder vor noch zurück. Trotzdem gibt es einzelne Gewinner und Verlierer. Fruchtsafthaltige Getränke haben es insgesamt schwer.

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Bei einer Betrachtung der aktuellen Entwicklungen im AfG-Markt gibt es weder einen Grund für Euphorie noch für übermäßige Sorge: Nach Zahlen der Symphony IRI Group schlägt im ersten Halbjahr 2010 ein Umsatzwachstum von 1,1 Prozent auf rund 5,3 Mrd. Euro zu Buche (LEH>= 200 qm+GAM+DM). Die neuen Erhebungen bestätigen Trends, die sich bereits seit einem Jahr abzeichnen: So steht das Segment der Fruchthaltigen Getränke (FHG) unter großem Druck. Handel und Industrie mussten bei fruchtsafthaltigen Getränken und stillen Limonaden im ersten Halbjahr 2010 gegenüber dem Vorjahreszeitraum 10,2 Prozent Umsatz-Einbußen verkraften (siehe Tabelle).

Den Negativ-Trend spürt man auch bei Capri-Sonne, Marktführer bei fruchtsafthaltigen Kindergetränken: „Wir bewegen uns mit Capri-Sonne in einem schwierigen Markt, der Absatz von fruchtsafthaltigen Getränken ist insgesamt rückläufig. Zudem birgt die demografische Entwicklung für eine Kindermarke besondere Herausforderungen", sagt Carsten Kaisig, Managing Director. Fruchtsäfte und Nektare verlieren ebenfalls, allerdings fällt der wertmäßige Rückgang mit -2,4 Prozent beziehungsweise -3,4 Prozent moderater aus.

Die Negativ-Entwicklung bei den fruchthaltigen Getränken betrifft nach Einschätzung von Manuel Spriestersbach, AfG-Experte bei IRI, besonders die Handelsmarken: „Das schlechte Abschneiden des FHG-Marktes 2010 ist getrieben von den Entwicklungen bei den Discounter. Die Handelsmarken brechen bei Aldi, Lidl, Norma und auch in den Markendiscountern ein. Die Top-Marken liegen nahezu alle im Plus." Ein Segment, welches man nach Auffassung von Spriestersbach auf der Rechnung haben sollte, sind Säfte mit Zusatznutzen, so genannte Plus-Frucht Säfte, wie beispielsweise Amecke Plusfrucht oder Life von Rhönsprudel: „Dieses noch kleine Segment zeigt bei einzelnen Marken auch ein Wachstum von bis zu 15 Prozent im ersten Halbjahr 2010."

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Großer Verlierer der Kategorie sind, wieder einmal, die Smoothies. Der wertmäßige Rückgang im ersten Halbjahr von 23,4 Prozent bestätigt all jene Zweifler, die nicht auf der Euphorie-Welle mitreiten wollten. Nach der sich abzeichnenden Konsolidierung des Marktes wird nur eine Handvoll Marken übrig bleiben. Weiterhin ungebrochen ist der Siegeszug der Energy-Drinks (Umsatz + 29,9 Prozent). Wertmäßig sind die Wachmacher im Verhältnis zur wichtigsten AfG-Kategorie Wasser natürlich nach wie vor ein Zwerg, aber die hohen Margen bereiten dem Handel Freude und führen zu immer mehr Bereitschaft, in den Regalen Platz zu schaffen für neue Marken.

Warnung vor weiterem Preisverfall

Die von Dr. Klaus Peter Stadler, Präsident der Wirtschaftsvereinigung für Alkoholfreie Getränke (wafg), im April geäußerte Befürchtung einer „systematichen Wertevernichtung" (vgl. LP 7/10) durch einen zu starken Preisverfall scheint sich nicht zu bestätigen. Zwar stand der Literpreis für alkoholfreie Getränke Anfang des Jahres stark unter Druck. Es gibt aber erste Zeichen für eine Stabilisierung (vgl. Tabelle), so dass man in Berlin vorsichtigen Optimismus wagt: „Die Entwicklungen der letzen Monate bieten Licht und Schatten für die Erfrischungsgetränke-Industrie. Die Absätze entwickeln sich weiterhin positiv. Allerdings stand im Jahr 2009 der durchschnittliche Literpreis stark unter Druck. Hier zeichnet sich jedoch hoffentlich eine Trendwende ab", sagt Dr. Detlef Groß, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Vielfalt in den Regalen werde man nicht mit dauerhaftem Preisverhau sichern können, so Groß gegenüber der LP. Das gelte für Industrie und Handel.

\\\\ www.wafg.de

Diagramm, Entwicklung des AFG Umsatzes

AFG Total, LEH > 200 qm + GAM + DM, 1. Hj. 2010 vs. 2009, in Mio. Euro, Veränderung in Prozent

Diagramm, Liter Preise stabilisieren sich

Durchschnittlicher Literpreis für Erfrischungsgetränke im Haushaltsverbrauch