Limonaden Limonaden im Visier

Die Diabetes-Hilfe schießt gegen zuckerhaltige Kindergetränke. Aber ist die AfG-Industrie alleine an Übergewicht schuld?

Donnerstag, 06. September 2012 - Getränke
Tobias Dünnebacke
Artikelbild Limonaden im Visier
Bildquelle: iStockphoto

Gute PR-Aktionen leben von den Bildern, die den Inhalt möglichst plakativ darstellen und nachhaltig im Gedächtnis der Fernsehzuschauer, Zeitungsleser und Internet-User hängen bleiben. In dieser Hinsicht war der symbolische Akt vom Prof. Dr. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Hilfe, mit den beiden Grünen-Politikern Renate Künast und Heiko Thomas auf dem Schulhof der Heinrich-Seidel-Grundschule in Berlin-Wedding ein gelungener Coup: Schubkarreweise wurde dort genau die Menge an Zucker aufgehäuft, die Kinder und Jugendliche jährlich über Limonaden zu sich nehmen. Hintergrund der Aktion war eine Petition mit rund 700 Unterschriften für ein Verkaufsverbot zuckerhaltiger Getränke an Schulen, die der Berliner Senatorin für Bildung und Wissenschaft, Sandra Scheeres, übergeben wurde.

„Bereits sechsjährige Jungen nehmen in Deutschland nur über Limonaden schon 5 kg Zucker im Jahr zu sich; im Alter von 14 bis 17 Jahren sind es dann bereits 30 kg pro Jahr“, argumentiert Prof. Danne.

Für die Getränkeindustrie ist die Aktion, gerade in den absatzstarken heißen Sommermonaten, natürlich ein Ärgernis. Deren Sprachrohr, die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg), reagierte prompt: Man sehe für diese Forderung keine Grundlage und bewerte die Aktion als populistischen Profilierungsversuch.

„Statt lebensfremder Verbote ist die Ernährungskompetenz frühzeitig zu fördern.“ Dr. Detlef Groß, wafg-Hauptgeschäftsführer

Um die wichtige Rolle der Eltern bei der Erziehung zu respektieren, hätten sich bereits 2006 die maßgeblichen europäischen und nationalen Unternehmen freiwillig dazu verpflichtet, keinerlei Getränke an Grundschulen zu verkaufen. An weiterführenden Schulen würde in diesem Rahmen ein umfassendes und breites Angebot von Getränken zur Auswahl gestellt. Übergewicht sei zudem häufig auf einen insgesamt ungesunden Lebensstil zurückzuführen, wobei neben der Ernährung die Faktoren Bewegung und Stress eine ebenso große Rolle spielten. Hier bedürfe es ganzheitlicher Ansätze, fordert die wafg. Dass Politik und Interessenverbänden (neben der Diabetes-Hilfe wurde die Schubkarren-Aktion von der Adipositas-Gesellschaft unterstützt) solche Beteuerungen nicht reichen werden, ist vorauszusehen.

Bild: Kinder lieben zuckerhaltige Limonaden. Übernimmt die Industrie genügend Verantwortung?

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