Tierwohl TV Offenheit und 
Transparenz via TV

Die „Aktiv & Irma-Märkte“ in Oldenburg sind Mitglied im Offenstallverein. Sie haben eine neue regionale Marke geschaffen, die mithilfe von „Tierwohl TV“ nachvollziehbar dargestellt wird.

Dienstag, 28. Mai 2024 - Fleisch
Jens Hertling
Artikelbild Offenheit und 
Transparenz via TV
Bildquelle: Online-Software AG

Über der Fleischtheke im Aktiv & Irma-Markt Sodenstich in Oldenburg hängt ein großer Bildschirm. Er überträgt in Echtzeit bewegte Bilder vom Hof des Landwirts Christoph Becker, der seinen Betrieb nach den Kriterien des Offenstallvereins bewirtschaftet. „Der Offenstall ist eine alternative Haltungsform in der Schweinemast. Der Stall ist an mindestens einer Seite vollständig offen oder hat einen Auslauf. Die Tiere haben die freie Wahl zwischen diesen sogenannten Klimazonen und können sich nach Belieben hin- und herbewegen“, sagt Christoph Becker, dessen Tiere in der Haltungsform 4 gehalten werden. So haben die Schweine frische Luft, etwa doppelt so viel Platz wie gesetzlich vorgeschrieben, natürliches Tageslicht sowie tiergerechte Funktionsbereiche zum Liegen, Fressen, Bewegen, Koten und Urinieren.

Dieser Stallbau ermöglicht es den Schweinen, allen natürlichen Witterungseinflüssen ausgesetzt zu sein. Für zusätzliche Abwechslung sorgen laut Becker Stroh und Spielzeug für die Tiere. „Das Ergebnis sind vitale, ausgeglichene und robuste Schweine. Kunden, die Fleisch von Tieren aus Offenstallhaltung kaufen, können sicher sein, dass die Tiere artgerecht gehalten werden“, sagt Becker.

Anonyme Ware hat ein Gesicht
„Durch die Liveübertragung aus dem Stall wird der anonymen Ware ein Gesicht gegeben. Der Käufer sieht transparent und authentisch, wie Schweine aufwachsen“, sagt Jörg Stolle. Er ist Geschäftsführer von F+C Kramerhof, einer Tochtergesellschaft des Vollsortimenters Aktiv & Irma-Märkte. Der Händler betreibt zehn Märkte in Oldenburg und Umgebung. Mithilfe von Webcams, die direkt ins Mobilfunknetz streamen, soll die Aufzucht der Schweine vom Hof von Christian Becker gezeigt werden. „Damit wollen wir Authen­tizität und Ehrlichkeit vermitteln“, sagt Jörg Stolle, der in den zehn Aktiv & Irma-Märkten für die Frischetheken verantwortlich ist.

Dabei hat Stolle die Erfahrung gemacht, dass Tierwohl und Regio­na­lität für die Kunden nicht an Bedeutung verlieren. „Unsere Kunden stellen oft die Frage nach Herkunft und Haltung der Tiere. Mit der Schaffung der neuen Regionalmarke ‚Nähe und Verantwortung‘ haben wir diesem Wunsch Rechnung getragen“, erklärt Stolle. Gleichzeitig, so Stolle, wurden die Märkte Aktiv & Irma Mitglied im Verein für Offenstallhaltung.

Laut Stolle ist die Wertschöpfungskette beim Schweinefleisch kurz und vor allem regional. Einer der fünf Heidebauern, die die Aktiv & Irma-Märkte mit Fleisch aus dem Offenstall beliefern, ist der besagte Landwirt Christoph Becker aus dem Heidekreis. Die kurzen Transportwege und die schonende Schlachtung bei der Firma Brand Qualitätsfleisch in Lohne sind ein weiteres Plus in der Kette.

Bevor das Fleisch in die Theken der Aktiv & Irma-Ver­brau­chermärkte kommt, wird es in der Fleischerei Meerpohl in Oldenburg von Fachkräften nachhaltig und handwerklich verarbeitet. Die Fleisch- und Wurstwaren werden dann auf speziellen roten Tabletts in den Frischetheken der zehn Märkte angeboten. Derzeit kauft Jörg Stolle 1,5 Tonnen Fleisch und Wurstwaren pro Woche ein – für die Zukunft ist geplant, diese Menge zu erhöhen.

Doch die wirtschaftliche Situation in Deutschland und die Tatsache, dass Fleisch aus artgerechter Tierhaltung im Durchschnitt 30 Prozent teurer ist, hat zu einem Rückgang des eingekauf­ten Frischfleisches von 35 Prozent (2022) auf 23 Prozent geführt. Langfristiges Ziel sei es, 100 Prozent Tierwohl-Fleisch aus Offenstallhaltung zu bekommen. Bis es so weit ist, werde es aber noch dauern, sagte Stolle. Bis dahin werden die Kunden langsam an das Thema herangeführt, vor allem durch Handzettelaktionen, bei denen das Tierwohlfleisch den gleichen Preis hat wie das konventionelle Produkt.

„Wichtig ist vor allem, dass das Verkaufspersonal von den Produkten überzeugt ist, dann klappt es“, sagt Stolle. Und: Der Kunde müsse die Qualität der Produkte auch schmecken können und von Qualität und vom Geschmack überzeugt sein.

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