Wagyu-Rinder Raus aus der 
Gourmetnische

Mit einer Herde von 5.000 Wagyu-Rindern ist die Marblelution GmbH im thüringischen Haina Marktführer in Europa. Die Gründer verfolgen einen nachhaltigen Ansatz.

Freitag, 17. November 2023 - Fleisch
Jens Hertling
Artikelbild Raus aus der 
Gourmetnische
Bildquelle: Marblelution

Die begehrteste und exklusivste Rinderrasse der Welt ist die Wagyu-Rasse. Das marmorierte Wagyu-Beef wird als das zarteste, schmackhafteste und gesündeste Fleisch der Welt angesehen – und diese Qualität hat ihren Preis. Gourmets lieben die exklusive Delikatesse – für ein Kilogramm werden bis zu 500 Euro und mehr bezahlt.

Vier junge Existenzgründer aus Thüringen haben sich vor zehn Jahren auf den Weg gemacht, um die Zucht von Wagyu-Rindern zu ihrem Geschäftsmodell zu machen: Tobias Becker, sein Bruder Robert, Sebastian Röttcher und Stefan Rottensteiner haben daher die Marblelution GmbH in Haina in Thüringen gegründet.

Die Idee zur Gründung entstand während des Studiums: Tobias Becker und Sebastian Röttcher studierten gemeinsam Betriebswirtschaft in Schmalkalden. Die beiden sind auf die Wagyu-Rinder, ihre Lebensweise und ihr hochwertiges Fleisch aufmerksam geworden, erzählt Tobias Becker. Nach Abschluss des Betriebswirtschaftsstudiums wurde die Wagyu-Idee auf ihre Machbarkeit hin überprüft. „Die Nachfrage nach hochwertigen und regionalen Lebensmitteln steigt. Aber noch immer werden 99 Prozent des konsumierten Wagyus aus Amerika, Australien und Japan importiert. Das wollten wir ändern“, erläutert Becker.
Gesagt, getan, die Idee wurde zu Ende gedacht und in die Tat umgesetzt: „Marblelution“, ein Wortspiel aus „Marbling“ (Fleisch-Marmorie-rung) und „Revolution“ war geboren.

Das Konzept des Unternehmens ist alles andere als alltäglich. Ziel des mittlerweile 43-köpfigen Teams ist die Bereitstellung einer Systemlösung für Handel und Gastronomie für hochwertiges Fleisch von Wagyu-Rindern. Zielgruppe für die Vermarktung des produzierten Wagyu-Premium-Rindfleisches sind Restaurants, Fleischereien, Feinkostgeschäfte, Großhandel und der LEH. Die Vermarktung erfolgt über regionale und nationale Marken.

Das Unternehmen ist eine Gemeinschaft von über 90 Landwirten aus 31 Regionen Europas. Die Landwirte kaufen die Zuchttiere und ziehen die Kälber auf. Anschließend kauft die Firma ihnen die Kälber zu vorher festgelegten Konditionen wieder ab. Gleiches gilt für Masttiere. Das Start-up garantiert seinen regionalen Zuchtpartnern eine zehnjährige vertragliche Planungsgrundlage mit einem festen Einkommen und sichert so die Existenz von Höfen und Bauern. Die Schlachtung, Zerlegung, Verarbeitung und Vermarktung erfolgt durch das Unternehmen. Auch das Zuchtsystem wird durch das Start-up gesteuert. In Haina findet die Basiszucht der Tiere statt.

Ziel ist es, die Genetik ausgewählter Spitzentiere zu vermehren. Um die gewünschte gleichbleibende Qualität in großen Mengen zu erreichen, wird den Partner-Landwirten ein Haltungs- und Fütterungskonzept vorgegeben, das weit über die heutigen Qualitätsstandards hinausgeht. Gentechnisch veränderte Futtermittel sind ebenso verboten wie Soja oder der vorbeugende Einsatz von Antibiotika. Im Stall liegen die Tiere auf Stroh statt auf Spaltenböden.

From Nose to Tail
Im Vergleich zu herkömmlichen Premium-Rindern haben Wagyu-Rinder eine viermal höhere Edelteil-Ausbeute. Während die Konkurrenz aus Übersee den Rest des Wagyu-Rinds entsorgt, verarbeitet das Unternehmen auch dieses wertvolle Fleisch zu hochwertigen Produkten wie Burger-Patties, edlen Schinken sowie exklusiven Wurstsorten und Aufstrichen: „From Nose to Tail“.
Gemeinsam mit seinen Partner-Landwirten betreut Marblelution eine Herde von mehr als 5.000 Wagyus. Dazu gehört auch die 700-köpfige Zuchtherde in Haina. Auf diese Weise hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren zum größten Züchter von Wagyu-Rindern in Europa entwickelt. Die Zahl der Schlachttiere soll bis zum Jahr 2030 auf 15.000 erhöht werden.

Größter Züchter in Europa
Rund 150 B2B-Kunden in Deutschland, Italien, Österreich und Skandinavien sind inzwischen in der Kundenkartei. Wo Becker die Vorteile seines Unternehmens im Hinblick auf die Nachhaltigkeit sieht: „Wir wollen die europäische Fleischproduktion revolutionieren: weg von der Massentierhaltung, hin zu einer qualitätsorientierten und nachhaltigen Form im Einklang mit Mensch, Natur und Tier. Das nennen wir Wertvolligkeit.“ Über die weiteren Ziele sagt Tobias Becker: „Wir wollen das ­Wagyu-Fleisch aus der Gourmet-Nische herausholen.“

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