Wolf-Firmengruppe Den Trend nicht verpassen

Die Wolf-Firmengruppe will Bratwurst in veganer und hybrider Variante auf den Markt bringen. Und das in schwierigen Zeiten: Die Energiekrise macht der Fleischindustrie zu schaffen.

Freitag, 04. November 2022 - Fleisch
Jens Hertling
Artikelbild Den Trend nicht verpassen
Bildquelle: Wolf-Firmengruppe

Den Übergang zur Wintergrillsaison hat Christian Wolf im Nürnberger Bratwurstmuseum genutzt, um eine Bilanz für sein Unternehmen zu ziehen. Dabei stand vor allem das Thema Energie im Mittelpunkt. „In den nächsten zwei Jahren ist es das Thema Energie, was uns beschäftigen wird. Die hohen Energiepreise machen auch der Fleischindustrie zu schaffen“, sagt Firmenlenker Wolf. Ab Januar muss das Unternehmen Strom an der Börse einkaufen. Das könnte eine Spanne vom drei- bis zum siebenfachen Preis im Vergleich zum jetzigen Strompreis ausmachen, so Wolf.

Weiteres Problem: Personal zu bekommen. Laut Wolf ist es schwierig, für die untere bis mittlere Führungsebene zu rekrutieren. Es gebe kaum noch Mitarbeiter, die in einem Lebensmittelunternehmen Führungsverantwortung übernehmen möchten, so der Geschäftsführer.

Aufgrund der Krise rechnet Christian Wolf mit deutlichen Preissteigerungen und hofft in Verhandlungen mit dem Handel diese Preiserhö‧hungen durchsetzen zu können. „Zwar wurden im Frühjahr die Preise für Fleischwaren stark erhöht. Dieses Polster ist jetzt jedoch weg. Ohnehin sind die steigenden Energiepreise darin noch gar nicht enthalten“, sagt Wolf und ergänzt: „Wir haben fast keine Zulieferer mehr, die die Preise nicht erhöhen.“ Dabei hofft er auf einen partnerschaftlichen Ausgleich mit dem Handel in Sachen Preisgestaltung und somit auf ein Wirtschaften mit Perspektive.

Die Chancen sehen
Dennoch sorgen die höheren Sortimentspreise dafür, dass der Umsatz der Wolf-Firmengruppe trotz rückläufigen Absatzes dieses Jahr auf etwa 350 Millionen Euro steigen wird. An seiner Zielsetzung, bis 2025 rund 400 Millionen Euro zu erlösen, hält Christian Wolf fest.

Trotz der Krise sieht der Geschäftsführer eine Chance: „Ich denke positiv, deswegen halten wir auch an unserer strategischen Neuausrichtung fest.“ Die Wolf-Firmengruppe hat dafür eine Strategie erarbeitet: Sie entwickelt sich von einem reinen Wurst- und Fleischspezialitätenhersteller zu einem echten Lebensmittelherstel‧ler. „Dazu haben wir unsere Produkte überarbei‧tet und in neue Produktsparten eingeteilt. Für die nächsten Jahre haben wir uns damit gut aufgestellt.“ Für das organische Wachstum hat die Firma 20 Millionen Euro in einen Neubau in Nürnberg investiert, der Anfang 2023 in Betrieb gehen wird. Auf zwei Ebenen werden hier zusätzliche Kapazitäten für die Convenience-Sparte der Marke „Forster Mein Menügenuss“ geschaffen.

Die neue Produktmarke ist eine der drei Säulen, auf denen im Zuge der Neuausrichtung die neue Dachmarke „Wolf Echter Essgenuss“ stehen wird. Weitere Produktmarken sind „Wolf Echt gute Wurst“ für Wurst- und Fleischspezia‧litäten sowie eine vegane Marke für alle fleischlosen Alternativen, die sich gerade im Aufbau befindet. Im Zuge der Neuausrichtung wird sich dann die Wolf-Firmengruppe auf drei Standorte konzentrieren, die bayrischen Standorte in Schwandorf und in Nürnberg sowie der Thüringer Standort in Schmölln werden ausgebaut.

Die Bratwurst ist weiter angesagt
„Während die Nachfrage im ersten Corona-Jahr generell gestiegen ist, ist der Wurstverzehr im zweiten Corona-Jahr zurückgegangen und somit auch die Nachfrage nach Grillprodukten“, so Wolf. Ein Grund hierfür ist neben den Preisstei‧gerungen auch das sich wandelnde Ernäh‧rungs‧verhalten. „Dennoch ist Grillen so populär wie lange nicht“, sagt Wolf, der das Familienun‧ter‧nehmen seit 1999 in vierter Generation leitet. „Drei von vier deutschen Haushalten grillen mindestens einmal im Jahr – auch das erklärt den hohen Bratwurstabsatz in Deutschland.“ Bratwürste kämen auch deshalb wieder häufiger auf den Grill, weil Verbraucher bei höherprei‧si‧gen Produkten sparten.

Laut GfK ist Wolf die marktführende Herstellermarke bei original Thüringer Rostbratwurst, Berner Würstchen sowie in der Kategorie Bratwurst und für Wurstsalate. Bei der Gelbwurst ist Wolf Marktführer mit 52,7 Prozent Anteil. Der Absatz der Thüringer Rostbratwurst hat in diesem Jahr um 4 Prozent zugelegt, der Absatz der Nürnberger ist leicht zurückgegangen. Wolf macht dafür eine Reihe von Plagiaten verantwortlich. Der Schutzverband Nürnberger Bratwürste will deshalb jetzt dagegen vorgehen. Wolf ist weiterhin optimistisch: „Im Jahr 2021 haben wir fast 150 Millionen original Nürnber‧ger Rostbratwürste produziert. Zudem sollen neue Märkte erschlossen werden, der Schutzverband wirbt gerade in Asien für die Produkte.“

Nachhaltige Produktion im Fokus
Produkte wie die Thüringer und Nürnberger Rostbratwurst sind bereits auf Haltungsform 2 umgestellt. Langfristiges Ziel ist eine Verbesse‧rung auf die Haltungsform 3. Bio-Artikel mit der Haltungsform 4 gibt es bereits. Der Geschäftsführer kündigt für das nächste Jahr zwei vegane Bratwürste an. Das Interesse des Handels an den Produkten ist laut Wolf groß. Wolf möchte in Zukunft neben den veganen Produkten auch hybride Gemüsewürstchen mit 50- bis 60-prozentigem Gemüseanteil und 40 bis 50 Prozent Schweinefleisch produzieren. „Wir wollen hauptsächlich Suppengemüse nutzen und uns damit ein wenig von den Mitbewerbern abheben“, sagt Unternehmer Wolf. Mittelfristig sollen Bio und die fleischlosen Alternativen 10 bis 15 Prozent erreichen.

Insgesamt werde die Energiekrise die Themen Nachhaltigkeit und Tierwohl im Verlauf abschwächen, fürchtet Wolf. Um die Zukunft der Nürnberger Bratwurst ist es ihm jedoch nicht bange. Die Nürnberger Bratwurst gebe es schon seit über 700 Jahren, sie werde auch diese Krise überstehen, sagt Christian Wolf.

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