Fleisch, Wurst und Geflügel Wolf will auch zukaufen

Vom Wurst- und Fleischspezialitätenhersteller zum Lebensmittelhersteller! Christian Wolf richtet seine Firmengruppe neu aus und will sie dabei dennoch als Nummer drei im deutschen Wurstmarkt etablieren.

Dienstag, 20. Juli 2021 - Fleisch
Jens Hertling
Artikelbild Wolf will auch zukaufen
Bildquelle: Wolf Firmengruppe

Vier Jahre vor dem hundertjährigen Firmenjubiläum werden die Weichen in der Wolf Firmengruppe aus dem bayerischen Schwandorf neu gestellt. „Wir werden uns vom reinen Wurst- und Fleischspezialitätenhersteller zu einem echten Lebensmittelhersteller weiterentwickeln“, sagt Christian Wolf, der das Familienunternehmen seit 1999 leitet. „Dazu haben wir unsere Produkte neu überarbeitet, neu geclustert und in neue Produktsparten eingeteilt. Für die nächsten fünf bis zehn Jahre haben wir uns damit zukunftsträchtig aufgestellt.“ Für ihr organisches Wachstum wird die Wolf Firmengruppe 13 Millionen Euro in einen Neubau in Nürnberg investieren, der voraussichtlich im Winter 2022 in Betrieb gehen wird. Auf zwei Ebenen mit insgesamt rund 4.000 Quadratmetern werden hier zusätzliche Kapazitäten für die Convenience-Sparte der Marke „Forster Mein Menügenuss“ geschaffen. Hergestellt wird ein vielfältiges Angebot an Menükomponenten, zum Beispiel Beilagen und Soßen für die Gastronomie, Fertiggerichte und Single-Menüs für die schnelle Küche zu Hause. Insgesamt wird mit dem Neubau die Kapazität der Single-Menü-Produktion von Forster verdoppelt, die derzeit zum Teil noch am Standort in Burglengenfeld untergebracht ist.

Drei-Marken-Strategie
Die neue Produktmarke „Forster Mein Menügenuss“ ist eine der drei Produktmarken, auf denen im Zuge der Neuausrichtung die neue Dachmarke „Wolf Echter Essgenuss“ stehen wird. Weitere Produktmarken sind „Wolf Echt gute Wurst“ für Wurst- und Fleischspezialitäten sowie „Wolf Echt Veggie!“ für alle vegetarischen Alternativen. Unter den Wolf-Marken werden alle Wurst- und Fleischspezialitäten sowie vegetarische Produkte vertrieben. Die Marke Forster hingegen umfasst ein großes Sortiment an Convenience-Produkten für LEH, Discount und Gastronomie.

Verbunden mit der Neuausrichtung sind große Wachstumsziele. Bis zu seiner Rente peilt der 51-jährige Christian Wolf eine halbe Milliarde Euro Jahresumsatz an. „Die Firmengruppe ist auf ein stetiges Wachstum ausgerichtet. Die steigenden Kosten können wir aufgrund des Überangebots an Wurstwaren in Deutschland nur schwer weitergeben. Daher müssen wir immer weiter wachsen. Leider herrscht in Deutschland ein starker Verdrängungswettbewerb“, sagt Christian Wolf. Er ergänzt: „Wir sind jetzt knapp die Nummer drei im deutschen Wurstmarkt. Wir wollen weiter die Nummer drei am deutschen Wurstmarkt bleiben und diese Position festigen. Deshalb müssen wir stärker wachsen. Das geht nicht nur aus eigenem Wachstum, sondern auch durch Zukäufe.“

Warum investiert Wolf in Convenience? „Moderne Konsumenten haben oft keine Zeit, lange am Herd zu stehen. Gleichzeitig sind die Ansprüche an Qualität und Geschmack hoch. Mit unseren unkomplizierten Gerichten kommen wir diesen Bedürfnissen entgegen. Hier sind wir auch sehr erfolgreich“, sagt Wolf. So stieg der Absatz bei den frischen Single-Menüs von 2015 bis 2020 um 10 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren habe Convenience in Deutschland einen richtigen Boom erlebt – in der Corona-Pandemie sei der Bereich regelrecht explodiert, so Wolf. Er sieht Convenience als Zukunftsmarkt. Hier deckt die Wolf-Gruppe die gesamte Bandbreite mit ihren Produkten ab.

„Im Convenience-Bereich wird es auch vegetarische und vegane Produkte geben. Wir werden dann zum Beispiel auch ‚Vegane Hackfleischbällchen in Paprikasoße‘ für die Marke Forster produzieren“, sagt Christian Wolf. Unter der neuen Marke „Wolf Echt Veggie!“ wird die Gruppe pflanzenbasierte Produkte für den LEH und Discount produzieren. „Den Markt haben wir lange beobachtet. Inzwischen ist er so groß, dass wir uns dort platzieren können. Wir starten in diesem Jahr an unserem Standort in Schwandorf. In Nürnberg schaffen wir jetzt mit dem Neubau für die Convenience-Produktion Platz auf circa 800 Quadratmetern für eine abgegrenzte Veggie-Produktion“, sagt Wolf. Die Produktentwicklung ist in vollem Gange. „Wir möchten Veggie-Produkte im Barbecue-Bereich produzieren. Wir fangen im nächsten Jahr mit einem Veggie-Berner-Würstchen, Veggie-Nürnberger-Würstchen, Veggie-Thüringer-Würstchen an. Dazu kommt ein mariniertes Grillpatty“, erklärt der Firmenchef. Für die Zukunft möchte Christian Wolf auch den klassischen Wurstbereich mit Veggie angreifen. Die Veggie-Produkte werden hauptsächlich mit einem 50-prozentigen Gemüseanteil, etwa aus Lauch, Zwiebeln und Karotten, produziert. Viele der Wurst-Klassiker gebe es auch aus Bio-Fleisch. „Zurzeit könnten wir mehr produzieren, als wir Ware bekommen. Im Moment ist der Bio-Bereich bei uns noch ein sehr kleiner Bereich“, so Wolf. „Mittelfristig wollen wir mit Bio und Veggie 10 bis 15 Prozent in der Wolf-Gruppe erreichen. Diese Größenordnung ist für uns aktuell optimal.“

Christian Wolf zufolge liegt der Fokus des Unternehmens aber weiterhin auf seinen regionalen Spezialitäten und Grillprodukten. „Laut GfK Consumer Panel sind wir die marktführende Herstellermarke bei original Thüringer Rostbratwurst, Berner Würstchen sowie in der Kategorie Bratwurst, bei Gelbwurstaufschnitt und für Wurstsalate“, so Christian Wolf. Das große Produktsortiment wird in Bayern an den Standorten Schwandorf, Nürnberg und Burglengenfeld sowie in Thüringen in Schmölln produziert.

Den Wettbewerb in Deutschland im Wurstbereich empfindet Christian Wolf als hart, „weil es so wenige Kunden gibt. Nirgendwo in der Welt ist der Kampf so hart wie in Deutschland. Wir können die steigenden Kosten sehr schwer weitergeben.“ Er ergänzt: „Unsere Branche steht vor größeren Herausforderungen, im vergangenen Jahr sind die Kosten explodiert. Löhne, Audit-Kosten, Laborkosten und die Logistikkosten sind weiter im Steigflug.“ Leider könnten diese Kosten in der Branche sehr schwer umgelegt werden. Im Wettbewerb der Händler untereinander und angesichts massiver Überkapazitäten der Branche sei dies schwer möglich, so Wolf. In der Fleischwirtschaft ist Zeitarbeit inzwischen verboten. Geregelt ist das im Arbeitsschutzkontrollgesetz, das Anfang 2021 in Kraft getreten ist. Betroffene Zeitarbeitsunternehmen haben dagegen jetzt Verfassungsbeschwerde beim jeweiligen zuständigen Finanzgerichthof eingereicht.

Wie sieht das Wolf? „Ich bin immer noch ein Verfechter von Zeitarbeit und Werkverträgen, wenn das Instrument zu vernünftigen und fairen Bedingungen eingesetzt wird. Das größte Problem in unserer Branche ist der Mensch.“ Er ergänzt: „Wir bekommen leider kaum noch deutsche Mitarbeiter, so dass wir auf ausländische Arbeitnehmer angewiesen sind. Durch das Arbeitsschutzkontrollgesetz wurde diese Praxis in der Fleischwirtschaft verboten. Wir klagen deswegen beim Finanzgerichtshof, um Klarheit zu bekommen.“ Dennoch sieht sich Christian Wolf mit Blick auf die ergriffenen Maßnahmen vom Erfolg der Neuausrichtung überzeugt: „Wir sind fit für die Zukunft.“

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