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Fleisch-Alternativen Die Chance nutzen

Jens Hertling | 05. März 2019
Fleisch-Alternativen: Die Chance nutzen
Bildquelle: Carsten Hoppen

Die PHW-Gruppe arbeitet mit Start ups zusammen, die Alternativen zum Fleisch suchen. Markus Keitzer, stellte sie auf dem deutschen Fleischkongress der LP vor.

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Im Jahr 2050 werden mehr als zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben, nahezu zweieinhalb Milliarden mehr als heute. Wie der enorme Fleischhunger gestillt werden soll, fragen sich Forscher seit Jahren. „Wir sind uns alle bewusst, dass dies nicht über tierische Proteine passieren kann“, sagte Marcus Keitzer. „Ich sehe eine unheimlich agile Start-up-Szene, die das Thema ‚Foodtech‘ entdeckt hat. Sie kommt mit neuen und innovativen Produkten auf den Markt. Das ist vor allem bei den Themen ‚pflanzenbasiert‘ und ‚Zellkulturen‘ “, sagte Keitzer. Vor zwei Jahren wurden 17 Prozent Wachstum bei den pflanzenbasierten Produkten in den USA registriert. „Das ist immer noch eine Nische – wir werden aber auch in Deutschland so ein Wachstum sehen.“ Als treibende Kraft bezeichnete Keitzer Investoren, die den Bereich „Foodtech“ für sich entdeckt haben. 2017 wurden Investitionen von zehn Milliarden Euro getätigt. Im Bereich der pflanzenbasierten Produkte ist nach Keitzers Ansicht ein Wechsel von der ersten zur zweiten Generation zu beobachten. „Die erste Generation war auf den veganen Markt zugeschnitten. Sie war geschmacklich nicht immer überzeugend und von den Nährstoffen nicht immer optimal.“ Im Moment befindet sich der Markt im Übergang – das kommt durch die jungen Start-ups. In der zweiten Generation gibt es einen Quantensprung. Jetzt sind Produkte auf dem Markt, die kaum noch vom Original zu unterscheiden sind. Was heißt das für die Fleischbranche? „Über diese Produkte wird die Branche die vegane Nische verlassen und sich auf die neue Zielgruppe ‚Flexitarier‘ fokussieren. Das ist ein Paradigmenwechsel und zeigt auch das Selbstbewusstsein, mit dem diese Unternehmen an die Thematik herangehen“, so Keitzer. Des Weiteren ging Keitzer auf den Prozess „Fleisch aus Zellkulturen“ ein. Die Prototypen sind laut Keitzer verfügbar und vielversprechend. Der Referent geht davon aus, dass ein Markteintritt in den nächsten drei bis fünf Jahren absehbar ist. Die führenden Unternehmen kommen aus den USA und Israel – das Wachstum findet ohne Deutschland statt. „Das ist eine Technologie – die wird kommen – auch ohne uns. Damit muss sich die Fleischwirtschaft in Deutschland auseinandersetzen.“ Doch wie steht es um die gesellschaftliche Akzeptanz tierischer Muskelzellen aus dem Labor? Bislang kommt die Herstellung von Kunstfleisch nicht ohne Vieh aus. Schließlich müssen Tieren Stammzellen entnommen werden, um daraus Fleisch im Labor zu züchten. Das Wachstumsserum wird aus dem Blut ungeborener Föten gewonnen: Das Muttertier wird geschlachtet, der Fötus stirbt dabei. Eine der größten Herausforderungen für Wissenschaftler ist es, synthetische oder pflanzliche Alternativen zu entwickeln. Experten hoffen beispielsweise, Kälberblut durch Algenersetzen zu können. Ein weiteres ungelöstes Problem ist die fehlende Rechtssicherheit. „Vor allem in Brüssel ist dies zu spüren. Kein Politiker will dort die Verantwortung übernehmen“, so Keitzer. Der Referent wies am Ende des Vortrags darauf hin, dass die traditionelle Fleischerzeugung auch in Zukunft einer der wesentlichen Proteinquellen sein wird. „Die Verantwortlichen sollten sich mit dem Thema der alternativen Proteine beschäftigen. Mit den „Flexitariern haben wir als Fleischbranche eine Chance, ein neues Kundensegment zu bearbeiten.“ Hier ergeben sich Möglichkeiten zur Erschließung neuer Wachstumsfelder. „Nehmen Sie dies als Chance und nicht als Bedrohung wahr.“

Zur Person Marcus Keitzer

Marcus Keitzer ist in der PHW-Gruppe Vorstand für alternative Proteinquellen.