Snacking Snacken wird immer gesünder

Dr. Karg‘s setzt auf „Knabbern ohne Reue“: Die Marketing-Experten des Unternehmens, Jana Maul und Joachim Decker, erklären, wie sich diese Maßgabe bei den Innovationen derzeit umsetzen lässt.

Freitag, 25. Juni 2021 - Süßwaren
Andrea Kurtz
Artikelbild Snacken wird immer gesünder
Bildquelle: Dr. Karg’s

Hat in Ihrer Produktion trotz Corona alles seinen halbwegs gewohnten Gang genommen?
Joachim Decker:
Glücklicherweise ja. Wir haben auch sofort Maßnahmen ergriffen, beispielsweise vom Zwei- auf ein Drei-Schichtsystem umgestellt, damit weniger Menschen zusammenarbeiten müssen und wir immer auch eine Ersatzschicht parat haben. Wir wollten auf jeden Fall immer lieferfähig bleiben.

Gilt das auch für alle Rohstoffe, die sie benötigen? Konnten Sie alle möglichen Engpässe vermeiden?
Decker:
Das war nicht Ohne, vor allem in den Lockdown-Hochphasen im März/April 2020. Damals haben viele Handelspartner zwei- oder sogar dreimal so viel bestellt. Daher mussten wir zum einen mehr Rohstoffe ordern und hatten zum anderen auch höhere Kosten dafür – wie beispielsweise beim Meersalz. Aber auch hier galt für unseren strategischen Einkauf immer die Maxime „lieferfähig bleiben“. Unser Einkauf hat einen tollen Job gemacht.

Wie hat sich seit der Corona-Krise denn der Markt entwickelt?
Decker: Das ganze Segment der Dauerbackwaren beziehungsweise speziell Trockenflachbrote, also auch Knäckebrot und Zwieback, ist sehr gut durch die Krise gekommen. Davon haben auch wir profitiert. Unser Sortiment passt eben sehr gut zur Bevorratung und auch zum ernährungsbewussten Snacken zuhause – sprich im Homeoffice. Auf Handelsseite konnten die Vollsortimenter den Trend stärker nutzen als die Discounter.

Mit der Entwicklung des Unternehmens können Sie zufrieden sein ...
Decker:
... durchaus. Vor allem auch weil wir uns im Sortiment immer mehr von der reinen Knäckebrotscheibe zum Snack- beziehungsweise To-Go-Anbieter entwickeln. Wir haben als Unternehmen von 2019 zu 2020 ein erfreuliches Umsatzwachstum hingelegt. Seit Beginn des 2. Quartals 2021 läuft unsere neue glutenfreie Produktlinie, in deren Produktionskapazitäten wir massiv investiert haben. Zu alledem kommt: Wir produzieren nur für den Lebensmittelhandel; Einbrüche durch ein weggefallenes Gastronomie-Geschäft haben wir glücklicherweise nicht.
Maul: Außerdem produzieren wir ausgewogen, also sowohl Marke als auch Eigenmarke, und haben einen starken Bio-Schwerpunkt. Auch dieser hat sich in der Krise gut entwickelt, denn wir sehen, dass immer mehr Kunden zu vollwertigeren, regionalen, natürlicheren Produkten greifen. Unser Ansatz ist „Besser für Dich“.

Wie wichtig ist der Export für Sie?
Decker: In Deutschland nimmt die Konzentration des Handels weiter zu und die Möglichkeiten des Wachstums sind hier begrenzt. Von daher wird der Export für uns zukünftig immer wichtiger werden, um weiteres gesundes Wachstum für das Unternehmen zu generieren. Deswegen ist der Export für uns enorm wichtig. Aus diesem Grunde haben wir auch das Vertriebsteam im Export deutlich verstärkt und gehen neben unseren bestehenden Kernmärkten, welche Wachstumspotential für unsere neuen Produktsegmente haben, jetzt auch für uns neue Ländermärkte an. Bei der Länderauswahl spielen Faktoren wie Affinität zu Knäckebrot, gesunden Snack-Produkten, Kaufkraft, Vertriebsstrukturen etc. eine wesentliche Rolle, um sich für den Markteintritt in das jeweilige Land zu entscheiden. Dies geht auch einher mit unserer langfristig ausgerichteten unternehmerischen Wachstumsstrategie.

Wie betrifft Sie der Brexit?
Decker:
Seit über zweieinhalb Jahren beschäftigt uns dieses Thema, denn wir sind mit Dr. Kargs dort sowohl bei den Mass Market Retailern als auch im Discount vertreten. Wir haben in Großbritannien nunmehr die Vertriebsstruktur auf einen Importeur umgestellt; daher betreffen uns Themen im Rahmen der Exportabwicklung wie Verzollung, Wechselkurse etc. weniger. Wir haben in unserem Importeur einen guten und auch in unserem Produktsegment sehr erfahrenen Partner gefunden, der den Markt exzellent kennt und uns sehr unterstützt.

Wie hat sich der Bio-Anteil bei Dr. Karg entwickelt?
Decker:
60 Prozent sind Bio, 40 Prozent konventionell. Der Markt wird auch schwieriger, denn Kunden sind nicht bereit, hohe Preisaufschläge für Bio zu bezahlen. Wir sehen hier in Deutschland immer noch die Diskrepanz zwischen der Bioproduktqualität und ihrer Wertschätzung in Form von Zahlungsbereitschaft.
Maul: Dazu kommt: insgesamt werden die Faktoren Regionalität und Transparenz der Rohstoffe auch im konventionellen Segment immer wichtiger.

Was tun Sie in Sachen nachhaltiges Wirtschaften?
Maul:
Wir wirtschaften schon immer entlang der Wertschöpfungskette, produzieren nur auftragsbezogen und setzen möglichst regionale Rohstoffe ein. Die Nähe unsere Lieferanten ist uns wichtig. 100% unserer Mehle beziehen wir von unseren langjährigen Partnermühlen aus Bayern. Das Thema beschäftigt ja auch den Konsumenten immer mehr; deswegen arbeiten wir seit einigen Jahren kontinuierlich an unserem Nachhaltigkeitskonzept, dieses Jahr mit dem Fokus auf der Verpackung. Das wird tatsächlich immer wichtiger.

Was haben Sie an den Verpackungen geändert?
Maul:
Der Produktschutz steht natürlich im Mittelpunkt. Durch die verkürzte Beutelform wird bei gleichem Inhalt 30% Plastikfolie und der bisherige Verschlussclip eingespart. Die neue Folie besteht aus PP-Monomaterial, kann einfach in der gelben Tonne oder im gelben Sack entsorgt werden und ist recyclingfähig. Durch die im Etikett integrierte Öffnungs- und Wiederverschlussfunktion kommen Knusper-Fans jetzt noch leichter an die Knäckescheiben. Und können sie perfekt aufbewahren, damit die luftig-knackige Konsistenz erhalten bleibt.

Wie stehen Sie zu einem Label, dass den ökologischen Fußabdruck eines Produktes zeigt?
Maul:
Grundsätzlich wäre das toll, für viele Produkte mit Zutaten aus der Region auch gut umsetzbar. Aber wir setzen auch Cranberries oder Kokos ein – für kreative, multikulturelle Rezepturen mit Zutaten, die nun mal nicht bei uns wachsen, ist ein solche Label schwierig.

Welche Produkttrends sehen Sie denn?
Maul:
Clean-and-Healthy ist der eine Trend, „besser für mich“ die andere Entwicklung, d.h. es gibt immer mehr Vielfalt an Produkten für den individuellen Ernährungsstil, egal ob gluten- oder laktosefrei, mit Ballaststoffen oder mit Proteinen, vegetarisch und vegan.

Decker: Das Protein-Sortiment, mit dem wir bereits vor zwei Jahren begonnen haben, läuft super. Hier waren wir dem Trend ein gutes Stück voraus. Erst jetzt ziehen ja auch andere Anbieter und Warengruppen so richtig nach. Das ist eine der großen Stärken von Dr. Karg – wir sind der Innovationsführer im Segment, seit wir vor 25 Jahren die Premium-Knäckescheiben eingeführt haben.

Welcher Renner sehen Sie derzeit?
Maul: 2020 haben wir Dr. Karg’s Bio Linsen-Snacks eingeführt, für die wir auf der ISM mit dem New Product Showcase Award als bestes Neuprodukt ausgezeichnet worden sind. Und ein Allzeit-Star ist die Käse-Kürbiskern-Scheibe. Seit Anfang April starten wir durch mit den glutenfreien Bio Super Saaten-Crackern in drei Sorten durch, die genau in diese Zeit passen, in der sich viele Konsumenten verstärkt mit ihrer Ernährung beschäftigen.

Was planen Sie in Marketing und Werbung?
Maul: Unser wichtigster Werbepartner ist unsere Verpackung und unser Produkt. Die sorgen für Anreiz und für Wiederkäufe. Kommunikativ setzen wir stark auf Social Media, da wir keine großen Budgets zur Verfügung haben. Wo es passt arbeiten wir mit Medien-Kooperationen. Klassische Maßnahmen machen wir eigentlich gar nicht.

Verkostungen sind derzeit schwierig und wir forcieren das auch nicht.
Decker:
Uns fehlen natürlich die Messen als Marketingtool, denn auch wir leben davon, unsere Kunden kosten und schmecken zu lassen. Gerade ISM und Bio-Fach haben für uns einen hohen Stellenwert; auf der Anuga haben wir keinen eigenen Stand, sondern sind mit bei German Sweets vertreten.

Verkaufen Sie auch online?
Decker:
Wir sehen die Notwendigkeit, auch wenn unser Hauptvertriebskanal der klassische Handel bleiben wird. Aber noch sind wir beim E-Commerce in der Sondierungsphase; wir prüfen, ob wir einen eigenen Shop benötigen oder mit einem der großen Online-Marktplätze oder auch dem Handel zusammenarbeiten. Mit einem größeren Handelspartner haben wir bereits die ersten Gespräche für eine intensivere Zusammenarbeit geführt.

Was ist Ihre Prognose für die kommenden Monate?
Decker:
Das Verhalten im Markt wird sich sicher ändern, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Krise – Jobverluste, Kaufkraftverluste, geringere Einkommen – spürbarer werden. Die geringeren Budgets in den privaten Haushalten werden sicher wieder die Preiseinstiegs- sowie die Eigenmarken pushen. Da wir mit unserer Marke im Premiumbereich unterwegs sind, werden wir die künftigen Entwicklungen genau verfolgen und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um weiterhin erfolgreich am Markt agieren zu können.

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