Süßwaren Fair geht vor...

… auf diesen Trend im Schokobusiness setzen nicht nur Start-ups. Auch Entertainer Joko Winterscheidt ist auf diesen Zug gesprungen. Es wird kreativ um Kunden geworben.

Freitag, 26. Februar 2021 - Süßwaren
Andrea Kurtz
Artikelbild Fair geht vor...
Bildquelle: Jokolade

Aufmerksamkeit für ungerechte Lebensbedingungen: Der niederländische Schokoladenhersteller Tony’s Chocolonely lässt nicht locker, wenn es um illegale Kinderarbeit auf Kakaoplantagen in Westafrika geht. „Auch 20 Jahre nachdem die Industrie versprochen hat, diese auszurotten, ist sie noch immer weitverbreitet“, so Paul Schoenmakers, Head of Impact bei Tony’s Chocolonely.

Look-alikes machen aufmerksam
Tony’s Chocolonely bringt deswegen eine limitierte Auflage von vier „Look-alike“-Schokoladentafeln auf den Markt. „Heute sind noch immer über 1,56 Millionen Kinder und mindestens 30.000 Opfer moderner Sklaverei gezwungen, auf Kakaoplantagen zu arbeiten“, so Schoenmakers.

In den 15 Jahren, seit die erste Schokoladentafel von Tony’s auf den Markt kam, habe sich nicht genug getan, betont er weiter. „Mit diesen Tafeln wollen wir keine Schuldzuweisungen machen. Vielmehr fordern wir die Schokoladenindustrie und jede einzelne Marke dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und 100 Prozent sklavenfrei produzierte Schokolade weltweit zur Norm zu machen. Alle durch die Tafeln generierten Gewinne werden an 100 Weeks gespendet, eine unabhängige Organisation, die Frauen dabei unterstützt, durch direkte und unverbindliche finanzielle Hilfen sowie Finanzschulungen dem Kreislauf der Armut zu entkommen.

Von innen verändern
Die Niederländer wollen die Industrie von innen heraus verändern. Tony’s geht dabei nach fünf Sourcing-Prinzipien vor: Kakaobohnen, deren Ursprung zu 100 Prozent zurückverfolgt werden kann, die Zahlung höherer Preise an die Kakaobauern, die Stärkung von Kooperativen, langfristigen, direkten Handelspartnerschaften sowie die gleichzeitige Unterstützung der Kakaobauern, um die Qualität und Produktivität ihrer Ernten zu verbessern. „Aber es reicht nicht, wenn diese Prinzipien nur von uns umgesetzt werden. Daher haben wir die sogenannte ‚Tony’s Open Chain‘ entwickelt, eine ‚Open-Source‘-Initiative, die allen Schokoladenherstellern zur Verfügung steht, damit sie dasselbe tun können und wir gemeinsam alle Schokolade sklavenfrei machen.“

Promi-Faktor nutzen
Entertainer Joko Winterscheidt partizipiert mit seiner neuen Jokolade an der Open Chain von Tony’s und verkauft nun auch Schokolade. Schon bei Rewe in den Regalen, prognostiziert Winterscheidt seinen Tafeln – samt der dahinterstehenden fairen Botschaft – ebenfalls hohe Aufmerksamkeit. „Die Kakaobauern sind in einer Armutsfalle gefangen, die direkt zu illegaler Kinderarbeit und moderner Sklaverei führt“, betont auch er. „Mir ist auch klar, dass ich nicht von heute auf morgen ein jahrhundertealtes System ändern kann, aber wir alle können jetzt gemeinsam anfangen, es zu ändern.“ Der Kakao in seinem Produkt „ist bereits zu 99,2 Prozent transparent und fair gehandelt, das Ziel muss aber sein: 100 Prozent sklavenfreie Schokolade, egal von welchem Hersteller.“ Tony’s Chocolonely und Joko kooperieren mit Barry Callebaut, einem der größten Rohstofflieferanten der Welt.

Der Handel engagiert sich
Die Einkommenssituation der Produzenten haben auch die Zentralen des Handels in den Fokus genommen. Gemeinsam mit der Organisation Fairtrade wurden seit 2020 schon Pilotprojekte angeschoben: Mit der „Way to Go“-Schokolade hat der Discounter Lidl im vergangenen Jahr eine Fairtrade-Schokolade auf den Markt gebracht, die Kakaobauern aus Ghana ein zusätzliches Einkommen ermöglicht.

Die Rewe-Group hat gemeinsam mit Fairtrade und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Projekt ins Leben gerufen, das existenzsichernde Einkommen im Kakaoanbau anstrebt. Produzenten erhalten neben einem festen Mindestpreis und der Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte einen Preisaufschlag.

Ein ähnliches Konzept verfolgt Aldi: Ab Frühjahr 2021 bietet der Discounter eine Schokoladentafel an, die sowohl nach Fairtrade-Standards als auch nach dem Open-Chain-Prinzip von Tony’s Chocolonely für sklavenfreie Schokolade gehandelt wird. Die Kakaobäuerinnen und -bauern erhielten ebenfalls einen zusätzlichen Aufschlag sowie Schulungen zur Steigerung der Produktivität, sagte Dieter Overath, Fairtrade-Deutschland-Vorsitzender. „Existenzsichernde Einkommen und Löhne sind eine Hausaufgabe für uns alle“, so Dieter Overath. „Langfristig braucht es dazu mehr als freiwillige Verpflichtung, es braucht vor allem ein klares Nein zu Dumpingpreisen.“

Fair rechnet sich auch
Im Falle von Tony’s Chocolonely geht das Konzept übrigens auf: Als Marktführer in den Niederlanden ist die Marke inzwischen fast weltweit erhältlich, mit eigenen Niederlassungen in den Niederlanden, den USA, Großbritannien und Deutschland (DACH).

 

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