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Süßwaren Gesund bleiben

Andrea Kurtz | 08. Juli 2020
Süßwaren: Gesund bleiben
Bildquelle: Ritter Sport

Auf El Cacao in Nicaragua baut Ritter Sport eigenen Kakao an. Wie auch am Hauptsitz in Waldenbuch hat das Corona-Virus dort zu erheblichen Änderungen der Produktionsabläufe geführt.

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Das Corona-Virus gibt es in Nicaragua offiziell nicht. Zwar gibt die Regierung inzwischen weit über 1.000 Todesfälle zu, aber es gibt keine offiziellen Sperrungen, Sicherheitsbestimmungen oder Abstandsregeln. Und wer schon einmal mit einem Bus des öffentlichen Nahverkehrs in Mittelamerika unterwegs war, weiß, wie voll und eng es dort zugeht. Staatspräsident Daniel Ortega war ohnehin für viele Wochen abgetaucht, weil angeblich schwer erkrankt. Als er sich dann wieder äußerte, sprach er vom „Virus als Strafe Gottes“, das die Nicaraguaner nicht fürchten müssten – anders als beispielsweise die USA. Die Regierung schweige, so die Experten im Land, um die Wirtschaft nicht noch mehr zu gefährden. Und einzelne Zyniker sprechen davon, so löse sich das Problem der Rentenkürzung, das die Unruhen des Jahres 2018 ausgelöst hatte. Denn die Sterberate junger Leute – das Durchschnittsalter liegt bei unter 25 Jahren – sei ja gering. Keine gute Prognose also für das Land, das seit 2018 viel von seiner wirtschaftlichen Power verloren hat.

Die Wirtschaft organisiert selbst
In dieser Situation agiert Ritter Sport außerordentlich besonnen. Der deutsche Schokoladenhersteller baut in Nicaragua nicht nur seine eigene Plantage auf, sondern unterstützt auch einige Kakao-Kooperativen im Hochland des Landes wo weiter große Mengen des Kakaos angekauft, getrocknet und nach Deutschland verschifft werden. „Staatlich wird Covid-19 ohne besondere Regelungen oder Maßnahmen gehandhabt“, erklärt Volker Schuckert, der Hauptgeschäftsführer Landwirtschaft von Ritter Sport Nicaragua. Im Gegenteil: Sogar die berühmten Baseball-Spiele müssen durchgeführt werden. Allerdings gebe es im Land genügend Personen, die sich vor allem aus der US-amerikanischen Presse informierten und Vorsichtsmaßnahmen träfen. Das gilt auch für Ritter Sport. „Alle Maßnahmen, die wir ergriffen haben, sind selbst initiiert“, erläutert Schuckert. „Wir haben uns gemeinsam mit der Unterstützung der Kollegen aus Waldenbuch stark an den Empfehlungen der WHO orientiert.“

Was wurde umgesetzt?
Zu den Maßnahmen, die Volker Schuckert mit dem rund 200-köpfigen Team auf der Plantage El Cacao, in der Anlieferstelle, der Qualitätskontrolle und bei der Lagerung umgesetzt hat, gehören einfache Dinge wie Homeoffice im Schichtturnus oder die Einführung eines Hygieneplans. An allen Sammelpunkten für die Mitarbeiter auf dem 3.200 Fußballfelder-großen Gelände wurden Desinfektionsspender installiert; zudem eine Maskenpflicht für Versammlungen von mehr als sechs Personen eingeführt. „Außerdem desinfizieren wir kontinuierlich die Bürogebäude“, so der Plantagen-Chef.

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Aber auch organisatorische Umstellungen wurden vorgenommen: So wurden die Arbeitszeiten in der Landwirtschaft entzerrt. „Das heißt, weniger Mitarbeiter pro Abholung und doppelt so viele Fahrten und Kosten für uns“, beschreibt Schuckert. Auf El Cacao wurden zuvor nur einmal in aller Frühe morgens die Mitarbeiter per Lkw aus den umliegenden Orten abgeholt und gegen 14 Uhr wieder zurückgebracht. Auch das Einhalten des Mindestabstands auf dem Feld, in der Produktion sowie in der Verwaltung führte zu einem neuen Schichtsystem, auch hier verdoppelten sich die Personalkosten für das Unternehmen. „Hier war es uns ganz wichtig, mit Aufklärungskampagnen, besonders in Richtung Frauen in den Familien der Mitarbeiter, zu arbeiten“, so Schuckert. „Unser Ziel ist vor allem der Schutz von Kranken, Alten und Kleinkindern.“

Gesundheit hat Vorrang
Eine Sanitätsstelle mit Krankenschwester gab es auf El Cacao schon vor Corona, diese wurde im Zuge des weiteren Ausbaus der Plantage deutlich vergrößert. Im Januar wurde bereits zusätzlich eine Ärztin eingestellt. Beatmungs-Sauerstoff wurde bevorratet, vier Inhalationsgeräte angeschafft, regelmäßige Temperaturkontrollen sowie die ebenfalls regelmäßige Ausgabe von Vitaminen an die Mitarbeiter eingeführt.

Derzeitige Ernte auf El Cacao
2025 will Ritter Sport eine Menge von 2.500 Tonnen Kakao auf der Plantage ernten. Für 2020 rechnet das Unternehmen mit 400 bis 450 Tonnen eigenem Kakao. Die Pflanzungen auf El Cacao sind jetzt vollends abschlossen, die eigenen Baumschulen konnten von drei auf zwei reduziert werden. „Die frei gewordene Fläche wird natürlich ebenfalls im Agroforstsystem mit Kakao aufgepflanzt“, so Schuckert. „Die beiden verbleibenden Baumschulen, sind zum einen für die Aufzucht von Forstbäumen und Bodendeckern da, zum anderen bleibt eine für Kakaobäume bestehen, zum Beispiel für Nachpflanzungen.

Kürzlich wurde zusätzlich ein neues Laborgebäude in Betrieb genommen. „Das dient natürlich zum einen der Qualitätskontrolle und Analyse des Kakaos, außerdem steht dort aber auch unter anderem ein Melangeur, das heißt, wir können auch selbst Schokolade machen“, betont Schuckert. Grund dafür ist, den Mitarbeitern Schokolade so nahezubringen, wie es in Deutschland Gang und Gäbe ist. „In einem Land, in dem der Verzehr von Schokolade keine so große Rolle spielt, ist es schwierig, den Mitarbeitern ein gemeinsames Verständnis für Qualität und Geschmack zu vermitteln. Schuckert: „Auf diesem Wege nun kommt es zu einem regen Austausch mit den Kollegen in Waldenbuch und alle profitieren davon – vom Spaß und dem Enthusiasmus, Schokolade selbst zu machen mal ganz abgesehen.
2020 rechnen wir mit 400 bis 450 Tonnen eigenem Kakao.“