Anzeige

Interview Ültje Klein und schnell

Andrea Kurtz | 02. Oktober 2019
Interview Ültje: Klein und schnell
Bildquelle: Ültje

Viele kleine Mahlzeiten lösen traditionelle Mittags- und Abendmahlzeiten ab. Kunden sind häufiger unterwegs als früher, sie sind gesundheits- und kalorienbewusster. Was das für die Hersteller bedeutet, erklärt Ültje-Marketing-Manager Oliver Krück im Interview.

Anzeige

Die Ernährungsgewohnheiten von Konsumenten verändern sich weltweit. Gibt es in diesem Wandel ein vorherrschendes Thema?
Oliver Krück: Snacking ist in Summe eines der großen Themen im Lebensmittelhandel. Das begründet sich in der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, wie auch die Nestlé-Ernährungsstudie berichtet. Zum einen sind so viele Menschen wie noch in berufstätig und damit unterwegs. Das hat einen Einfluss auf klassische Mittagsmahlzeiten, die oft durch kleinere Snacks ersetzt werden. Zum anderen ersetzen selbst die älteren Verbraucher große Mahlzeiten durch kleinere. Man snackt halt mehr, davon profitieren die unterschiedlichsten Warenkategorien.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Hersteller?
Einerseits nimmt die Vielfalt der Verbraucherwünsche zu: vegan, Ballaststoffe, gluten- oder laktosefrei, Proteine, pure Produkte oder neue Geschmacksrichtungen, alles wird gleichzeitig gewünscht. Darauf stellen wir uns ein. Andererseits sehen wir, dass der Snacking-Trend vor allem in Richtung salzig geht. Denn wenn eine Mittags- oder Abendmahlzeit durch einen Snack ersetzt wird, greifen Konsumenten doch eher zu etwas Herzhaften, weniger zur Süßwaren. Dies ist einer der Gründe, warum die salzigen Snacks dynamischer als die Süßware wachsen.

Und der vermeintlich kritischere Verbraucher?
Das kommt dazu: Kunden möchten gerne mit besseren Gewissen snacken. Konsumenten setzen sich heute mehr mit gesundem oder bewussten Essen auseinander – so sehen viele Konsumenten hoher Zuckergehalte heute viel kritischer als zuvor. Auch Salzgehalte werden kritischer gesehen, stehen aktuell aber etwas weniger im Fokus.

Hier spielt also die Musik?
Alle Trends, die sich allgemein in der Ernährung spiegeln, zeigen sich auch bei den Snacks. Bei „vegan/vegetarisch“ zum Beispiel merken auch wir, dass Kunden beispielsweise bei unseren Gewürzmischungen sehr darauf achten. Auch wenn das bei Nüssen oft selbstverständlich erscheint, drucken wir den Hinweis „vegan/vegetarisch“ mittlerweile auf. Der Verbraucher ist doch verunsicherter als man denkt, ist vorsichtig und benötigt Führung. Bei Neuentwicklungen ist vegan/vegetarisch eine heute ganz wichtige Ausprägung –, schon um keine Verbraucher auszuschließen.

Was bedeutet das für die Zutaten?
Damit einher geht, dass sich Kunden verstärkt auch alternativen Zutaten zuwenden. Ein aktuelles Beispiel ist der Trend hin zu pflanzlichen Zutaten mit hohen Proteingehalten, das sehen wir bei Snacks ganz deutlich – zum Beispiel bei Knuspererbsen oder Linsenchips. Diese haben ein positives Image. Im Regal werden diese Produkte immer prominenter, und auch in den Marktzahlen lassen sich erste Erfolge identifizieren.

Mit welcher Produktentwicklung ist Ültje besonders zufrieden?
Sehr zufrieden sind wir mit den ungesalzenen Produkten, die in den letzten Jahren zunehmend beliebter werden. Ich bin davon überzeugt, dass sich daraus einer der Haupttrends der Zukunft entwickelt: Natürlichkeit – davon werden wir noch mehr sehen. Der Trend zur Natürlichkeit wird einer der Treiber für die gesamte Kategorie sein – und nicht nur diese.

Was tut sich im Nussbereich?
Wir sehen hier einen starken Trend zu Mischungen mit verschiedenen Nüssen oder der Kombination aus Nüssen und Früchten. Diese bedienen das Verbraucherbedürfnis nach gesünderer Alternative zu vielen Snacks sowie nach Abwechslung.
Aber kein Trend ohne sein Gegenteil, nicht wahr? Welche Entwicklungen sehen Sie auch noch?
Stimmt genau. Auf der anderen Seiten wachsen die Klassiker nach wie vor: Chips, Erdnussflips, Erdnüsse. Das sind Leuchttürme, eine Art Anker, gerade im oft als so hektisch empfundenen Alltag. „Ich möchte einfach nur meine Lieblingschips“, denken Kunden wohl. Neue Artikel funktionieren häufig auch dann gut, wenn es sich um Varianten der Klassiker wie Kleinpackungen und/oder Multi-Packs mit etwa vier mal 50-Gramm-Tüten. Diese befriedigen den Wunsch nach dem Lieblingsprodukt, aber auch gleichzeitig den nach kontrolliertem Genuss. Insbesondere in Volumen bringenden Promotions spielen die Klassiker und ihre Varianten übrigens tragende Rollen.

Wie wichtig ist eigentlich der Preis beim Snacking?
In Sachen Preis ist der Verbraucher grundsätzlich sehr sensibel, was das Thema Preisschwellen angeht, agiert mitunter aber dennoch wenig rational. Neue Snack-Angebote und Spezialitäten, die oft mit vergleichsweise geringeren Einwaagen ausgestattet sind, werden gern gekauft, weil der Preispunkt als richtig empfunden wird und der Grundpreis nicht mit anderen Artikeln verglichen wird. Das Preisgefüge muss im Großen und Ganzen einfach stimmen. Das gilt aber in anderen Produktsegmenten analog; auch die GfK berichtet ja von höheren Umsätzen durch Trading-up-Effekte in vielen Kategorien. Oft werden Snacks natürlich auch im Rahmen von Promotions, in denen die Artikel im Preis abgesenkt werden, gekauft. Da salzige Snacks oft nicht auf dem Einkaufszettel stehen, üben diese Aktionen einen sehr starken Impuls aus und generieren so Zusatzumsätze für Handel und Hersteller.