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Margarine / Öle / Fette Herausforderungen für Handel und Hersteller

| 27. Mai 2013

Preise, bessere Aufklärung der Verbraucher über Artikel und ihre Unterschiede sowie nicht kühlpflichtige Produkte im Kühlregal: Reizthemen bei den Nahrungsfetten.

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Flächendeckend hob der Handel jüngst die Butterpreise an. Das könnte mittelfristig auch bei Olivenöl passieren, denn der Markt wird wegen der schlechten letzten Ernten enger. Kritisch sehen Martin Schmidlin, Marketingleiter bei Feinkost Dittmann, und andere, wie Olivenöl im Handel präsentiert wird. Die Rede ist nicht nur von einem Überangebot bei sehr hochwertigen Olivenölen, sondern auch davon, dass Regalplatz nicht attraktiv gestaltet und umsatzstark besetzt wird. Es mangele an Übersichtlichkeit und Informationen zu den erklärungsbedürftigen Produkten.

Feinkost Dittmann (La Espanola-Öle), aber auch DeOleo (Bertolli) sehen einen der Aufgabenschwerpunkte in der Aufklärung der Verbraucher. So eigne sich Olivenöl bis 195 °C gut zum Braten, Kochen und Backen. „Das Erhitzen von Olivenöl ist nicht gesundheitsschädlich“, betont Eike Kölln, Marketing Manager DeOleo. Hier helfen nur Informationen. Das sieht auch Jörg Saalwächter, Marketing Director beim Importhaus Wilms (Gaea-Öle) so: „Aufklärung für die Kategorie Olivenöl ist für uns entscheidender Faktor, um die Kategorie, das Produkt, die Qualität und den Preisunterschied zu erklären.“ Man setze deshalb auf Schulungen für den Handel. Neu im Wilms-Sortiment ist die italienische Olivenöl-Marke Monini, laut Saalwächter in Italien Marktführer bei Olivenöl Extra Vergine.

Immer mehr Premiumöle drängen in die umkämpften Regale. „Der Trend bei Speiseölen geht Richtung hochwertige Öle“, konstatiert Heike Spohn, Marketing Brändle. Verbraucher bevorzugten immer mehr Öl-Spezialitäten wie Walnussöl, Pistazienkern-Öl und auch Öl-Kompositionen wie Chili-Öl oder Trüffelöl. Brändle brachte zuletzt ein Argan-Öl auf den Markt. „Um davon 1 l zu erhalten, werden 3 kg Nusskerne und ein Arbeitstag benötigt“, so Spohn, die betont, dass das Öl besonders reich an essenziellen Fettsäuren sei.


Mit den ernährungsphysiologischen Eigenschaften ihrer Produkte wirbt eine ganze Reihe Hersteller. Die Trends Gesundheit und „bewusste Ernährung“ scheinen über dem gesamten Nahrungsfette-Bereich zu schweben. „Wir legen besonderen Wert auf ein ausgewogenes Fettsäure-Verhältnis“, so Johann Hubrich, Marketingleiter bei Walter Rau Lebensmittelwerke (Deli Reform). „Unsere Margarinen und Streichfette von Deli Reform haben ein sehr gutes Omega-3 zu Omega-6-Verhältnis. Wir verwenden zudem nur ungehärtete Fette und Öle und verzichten bei den meisten Deli-Reform-Produkten auf Konservierungsstoffe.“ Um den Verbraucher zu erreichen, kommen Aussagen wie „laktosefrei“ oder „reich an essenziellen Omega-3-Fettsäuren“ auf die Verpackung. Mit dem neuen, rein pflanzlichen Schmalz bietet die Marke eine Alternative zu tierischem Schmalz – und zielt auch hier auf gesundheitsbewusste Verbraucher, Vegetarier und Veganer. Auch Schneekoppe definiert sich als Marke für den ernährungsbewussten Verbraucher. Das im März lancierte LeinölPlus sei reich an Omega-3-Fettsäuren und enthalte viel Vitamin E. Mitte Mai hat Edeka eine eigene Wurst-Range mit Omega-3-Fettsäuren auf den Markt gebracht. Das Sortiment reicht von Lyoner, Bierschinken und Leberkäse über Wiener bis hin zu Brat- und Weißwurst.

Vandemoortele hat mit seiner Soja-Margarine Sojola die gleiche Zielgruppe, zusätzlich noch Menschen mit Nahrungsunverträglichkeiten. Auf Facebook hat die Marke laut Aussage der Lipids-Verantwortlichen Sonja Bruning-Mescher über 10.000 Fans. IDB legt den Schwerpunkt mehr auf Natürlichkeit als auf Gesundheit: Kerrygold-Produkte seien „natürliche Milchprodukte aus irischer Weidemilch, ohne Zusatzstoffe“. Im Juli kommen vier Butter-Spezialitäten auf den Markt, die Richtung Konkurrent Meggle zielen. Der hat gerade die Butter-Spezialität „Mediterrane Tomate“ lanciert. Außerdem kommt im Juli eine Alpenbutter mit Rapsöl. Nachhaltigkeit steht bei der ZNU-zertifizierten Teutoburger Ölmühle (Raps-Kernöle) im Fokus. In Arbeit sind neue Feinkost-Produkte mit Raps-Kernöl. Ob unter den vielen Neuheiten wieder Artikel sind, die im Kühlregal landen, ohne kühlpflichtig zu sein, bleibt abzuwarten. Dass Kühlung kein Synonym für Frische ist, wäre ein Thema für Handel und Hersteller, die wirklich nachhaltig sein wollen.